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StartseiteVerbrauchertippEndlich Nichtraucher mit den richtigen Tricks27.02.2020

Zigaretten, Zigarren und Co.Endlich Nichtraucher mit den richtigen Tricks

Wer ohne Unterstützung versucht, von Zigaretten oder Zigarren loszukommen, scheitert oftmals. Rund 95 Prozent der Raucher greifen dann nach einem Jahr wieder regelmäßig zur Zigarette, sagen Experten. Dabei gibt es zahlreiche Hilfsangebote, um mit dem Rauchen langfristig aufzuhören.

Von Philip Raillon

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Reste von gerauchten Zigaretten liegen in einem Aschenbecher. (Ralf Hirschberge/dpa )
Rund 20 Prozent der Deutschen (Stand 2017) sind Raucher (Ralf Hirschberge/dpa )
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Die Angst vor Gesundheitsschäden oder die hohen Zigarettenkosten können Motive für die Rauchentwöhnung sein. Damit das Aufhören beim ersten Mal klappt, raten Experten, den Stopp gut vorzubereiten. Dazu zählt auch ein Rauchprotokoll, um typische Situationen zu identifizieren. Daniel Kotz, Professor für Suchtforschung an der Universität Düsseldorf.

"Indem man das Haus von Rauchutensilien befreit, also keine Aschenbecher im Haus hat oder noch irgendwo eine Packung rumliegen hat. Und man sich dann überlegt, wie gehe ich um in den nächsten Wochen mit Situationen, von denen ich weiß, dass ich gerne eine Zigarette rauche."

Typische Rauchsituationen bewusst vermeiden

Eine Möglichkeit: Diese Situationen bewusst vermeiden. Beispielsweise trinken Raucher den Kaffee dann nicht mehr - wie üblich - mit der Kippe in der Hand auf dem Balkon, sondern setzen sich beim Kaffeetrinken vor den Fernseher oder nehmen ihn mit auf den Weg zur Arbeit. Am Anfang kommt es auf jeden dieser Momente an, sagt Bindhu Makil, Psychiaterin und Rauchfrei-Expertin an der LWL-Klinik in Dortmund.

"Wichtig sind Kleinigkeiten. Also zum Beispiel sportliche Aktivitäten, dass man vielleicht auch einen Ansprechpartner hat, den man in schwierigen Situationen um Hilfe bitten kann, dass man vielleicht - um das Sinneserleben - im Mund, um sich davon abzulenken, zuckerfreie Bonbons besorgt."

Viele greifen dann zu Süßigkeiten und nehmen Gewicht zu. Daher sollten sie stattdessen lieber ein Glas Wasser trinken. Ex-Raucher haben es ohnehin schwerer: Nikotin regt den Stoffwechsel an. Ohne Nikotin fällt dieser wieder auf ein normales Niveau. Manche Abhängige leiden zusätzlich noch unter Heißhunger. Sie sind dann auch körperlich vom Nikotin abhängig. Ein Indiz dafür ist ein starkes Rauchverlangen direkt nach dem Aufstehen. 

E-Zigaretten können als Übergang zum Nichtraucher helfen, sind aber ebenfalls gesundheitsschädlich (dpa / picture alliance / Fabian Strauch)E-Zigarette (dpa / picture alliance / Fabian Strauch)

Nikotinersatzprodukte können helfen

Dann helfen Nikotinersatzprodukte. Damit überbrücken Ex-Raucher die ersten zwei bis drei Monate. Geeignete Präparate sind Pflaster, Kaugummis oder auch Medikamente – letztere aber nur in Rücksprache mit einem Arzt. Eine Hilfe können aber auch E-Zigaretten sein. Professor Daniel Kotz von der Uni Düsseldorf.

"Es gibt mittlerweile auch einige ganz gute Studien, die das belegen. Wichtig ist, dass die E-Zigarette kein Risikofreies Produkt ist. Deshalb ist es wichtig, dass man die E-Zigarette einsetzt, um vollständig mit dem Tabakrauchen aufzuhören. Das ist ganz wichtig, dass man nicht beides macht." 

Auch die E-Zigarette sollte keine Dauerlösung sein, sagt der Experte. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warnt vor E-Zigaretten, unter anderem wegen der Gefahr einer Abhängigkeit von dem Zellgift Nikotin. 

Verschiedene E-Zigaretten (Steven Senne/AP/dpa)Verschiedene E-Zigaretten (Steven Senne/AP/dpa) Mediziner zu E-Zigaretten - "Die Jugend wird süchtig gemacht"
Mediziner Thomas Münzel hat vor der schädlichen Wirkung und der hohen Nicotinkonzentration von E-Zigaretten gewarnt. Die Industrie habe sich auf den Jugendmarkt konzentriert, sagte er im Dlf. E-Zigaretten seien mehr und mehr eine Einstiegsdroge, viele Jugendliche stiegen dann auf Tabakprodukte um.

Per App zum Nichtraucher

Gerade jüngere Raucher versuchen den Stopp oft mit einer der zahlreichen Apps. Diese arbeiten - kostenlos wie kostenpflichtig - mit Motivationshilfen. Wem das nicht reicht, sollte sich professionell beraten lassen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die BzgA, bietet unter www.rauchfrei-info.de viele Infos an. Dort können Raucher auch ein kostenloses Paket bestellen. Darin ist etwa ein Schaumstoffball. Seinen Zweck erklärt Psychiaterin Bindhu Makil

"Raucher haben ganz häufig das Problem, wohin mit ihren Händen. Wie lenke ich mich ab? Und der Ball, den kann man zusammenquetschen. Dann sind die Hände beschäftigt."

Kostenlose Beratung für Aufhörwillige

Die BzgA hat auch eine kostenlose Beratungsnummer im Angebot. Mit kostenlosen Rückrufen durch die BzgA-Berater wird das Aufhören dann unterstützt. Die Experten vermitteln auf Wunsch auch Therapieangebote – diese kosten dann zwar, werden aber oft anteilig von der Krankenkasse mitgetragen.

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