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StartseiteForschung aktuellAuch eine Gefahr für Europa25.04.2016

Zika-VirusAuch eine Gefahr für Europa

Das Zika-Virus kam per Flugzeug nach Brasilien: Reisende brachten ihn aus Asien mit. Seit es dort wie eine Epidemie grassiert, arbeiten Wissenschaftler auf der ganzen Welt daran, das Virus besser zu verstehen. Auf einer Tagung in Paris stellen sich Forscher so die Frage, ob sich Zika auch in Europa ausbreiten könnte.

Von Joachim Budde

Eine Stechmücke der Art Aedes aegypti (picture alliance /dpa /Gustavo Amador)
Forscher versuchen herauszufinden welche Mücken in Europa das Zika-Virus übertragen könnten. (picture alliance /dpa /Gustavo Amador)
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Seit 2013 kursiert das Zika-Virus in Brasilien – und im selben Jahr hat ein Patient den Erreger von Tahiti aus nach Deutschland mitgebracht. Doch während das Virus in Südamerika auf ideale Bedingungen traf – das richtige Klima und eine effiziente Überträgermücke – konnten die Gesundheitsbehörden in Europa gelassen bleiben. Dabei gibt es vor allem rund um das Mittelmeer eine Mücke, die Zika ebenfalls übertragen kann, vermutet Denis Malvy, Professor für Infektions- und Tropenkrankheiten an der Universität im französischen Bordeaux.

"Die Asiatische Tigermücke ist es, die Viren wie Zika in Europa übertragen kann. Ein Problem an dieser Mücke ist, dass sie invasiv ist: Sie breitet sich aus, obwohl wir versuchen, das zu verhindern. Und die andere Schwierigkeit: Obwohl sie aus den Tropen stammt, kann sie sich an subtropische Bedingungen wie in Südeuropa anpassen."

Auch in Deutschland hat die Tigermücke in den letzten Jahren an mehreren Stellen überwintern können. Um wirklich eine Gesundheitsbedrohung darzustellen, sind die Populationen allerdings bislang noch zu klein.

Überall in  Europa haben die Gesundheitsbehörden in den letzten Jahren erfasst, wo sich die Asiatische Tigermücke festgesetzt hat. Im Süden Frankreichs zum Beispiel überträgt sie immer wieder das Dengue- und das Chikungunya-Virus von Reiserückkehrern auf Einheimische. Von diesen Erfahrungen profitieren die Verantwortlichen jetzt, weil sie viel mehr Fakten kennen als vor ein paar Jahren.

"Wir wissen, dass die Tigermücke in Südfrankreich vorkommt, aber sie ist lediglich in der warmen Jahreszeit aktiv. Und wir wissen momentan ziemlich genau, wo sie vorkommt. Mit den Bekämpfungsmaßnahmen, die die Europäische Union in allen betroffenen Ländern zu etablieren versucht, hoffen wir, eine Einschleppung des Zika-Virus verhindern zu können."

Es erleichtert diese Anstrengungen, dass auch das Virus sich bislang nur bei Wärme richtig entwickeln kann. Ökologen am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg haben Modelle erstellt, um zu bestimmen, wo in Europa der Erreger auf optimale Bedingungen träfe. Sie zeigen, dass Küstengebiete in Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und der Türkei durchaus geeignet wären. Überall dort lebt die Tigermücke inzwischen.

Doch die Mücken unterscheiden sich von Region zu Region und damit auch ihre Fähigkeit, das Virus zu übertragen. Französische Forscher haben jetzt gezeigt, dass die Tigermücken in Frankreich zum Beispiel für das Zika-Virus empfänglicher sind als ihre Artgenossen in den Vereinigten Staaten.

Ob das auch auf die Mücken in Deutschland zutrifft, wollen Forscher jetzt herausfinden und damit verhindern, dass sie böse Überraschungen erleben, sagt Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut.

"Vieles ist leider eben immer noch unbekannt: Ob eben auch andere Arten, wie eben auch Culex-Arten oder andere Aedes-Arten, die eben auch heimisch sind in Europa, die Fähigkeit haben, das Virus zu übertragen, und genau das ist ja auch Gegenstand eben der Forschung. Dass wir eben genau diese Mücken einfangen bei uns, kultivieren und schauen: Können sie das Zika-Virus übertragen, um dann eben genau eben diese Modelle besser machen zu können, um Vorhersagen zu treffen."

Die Tests an den zehn Mückenarten teilen sich Wissenschaftler vom Bernhard-Nocht-Institut und Kollegen vom Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems. An diesen beiden Standorten gibt es die nötigen Hochsicherheits-Insektenlabors.

"Dafür müssen wir eben nochmal die Ei-Gelege im Feld sammeln, die kultivieren, das fängt gerade an, wenn wir genügend in Anführungszeichen deutsche Tigermücken dann eben ausgebrütet haben und kultiviert haben, dann werden die infiziert, das passiert jetzt im Mai, und diese Infektionsexperimente müssen dann eben bei verschiedenen Temperaturen laufen, um dann genau die entsprechenden Modelle entwickeln zu können, und dann gehen wir eben davon aus, dass wir Ende des Jahres alle Daten zusammen haben, um eben die Vektorkompetenz der hier vorkommenden Tigermücken, aber auch der einheimischen Arten genauer beschreiben können."

Dann werden sie besser wissen, ob auch nördlich der Alpen Mücken das Zika-Virus übertragen können.

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