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StartseiteCampus & KarriereZoff im Studierendenparlament06.11.2012

Zoff im Studierendenparlament

Wenn Planspiele und Realität aufeinander treffen

Das studentische Projekt Zoff im StuPa der Uni Duisburg-Essen ist vom Stifterverband der Deutschen Wissenschaft mit dem Preis "Hochschulperle" ausgezeichnet worden. Das Seminar simuliert Sitzungen des Studierendenparlaments, um Interesse und Verständnis für hochschulpolitische Abläufe zu fördern.

Von Andrea Groß

Das ausgezeichnete Projekt soll das Verständnis für die Abläufe im Studierenden- parlament fördern  (AP)
Das ausgezeichnete Projekt soll das Verständnis für die Abläufe im Studierenden- parlament fördern (AP)

"Ich war Mitglied der grünen Liste. Wir hatten vor, die Mensazeiten zu erhöhen – das ist jetzt ein Beispiel. Dafür war auch die Frauenliste und meine Rolle war halt, mit der Frauenliste und anderen Listen eine Koalition zu bilden um unser Anliegen voranzutreiben."

Tobias Quiram ist einer von 20 Studierenden, die an dem eintägigen Planspiel teilgenommen haben. Schwer gefallen ist ihm die Rolle nicht, die ihm die Seminarleiter zugewiesen haben. Besonders gezofft hätten sie sich auch nicht. Im Gegenteil. Es sei viel gelacht worden bei allem Bemühen, möglichst viele Verbündete zu finden und am Ende die Mehrheit zu bilden. Das Spiel bilde nicht nur das Geschehen in einem Studierendenparlament ab, so Tobias Quirams Eindruck.

"Und ich habe – weil wir hatten ja noch einen Besuch im Landtag – habe gesehen, dass es in der größeren Politik manchmal auch so abgeht, wie bei diesem Planspiel und in der Hochschulpolitik an sich."

Tobias Quiram hatte sich für das Seminar interessiert, weil er wissen wollte, warum so viele seiner Kommilitonen hochschulpolitikverdrossen sind. DAS dies so ist, war der Grund, aus dem Robert Salzmann es überhaupt initiiert hat. Auf der einen Seite regen sich alle über auslaufende Studiengänge und überfüllte Seminarräume auf – andererseits geht kaum einer zu den Wahlen für das Studierendenparlament. Dazu Robert Salzmann:

"Diese Diskrepanz, die wir hier Tag für Tag auch immer miterleben, war letztlich der Auslöser dafür, dass wir gesagt haben, da müssen wir jetzt was gegen machen. Und es muss ein Angebot sein, wo die Studis was für das Studium an sich haben und wo sie begleitend auch noch Inhalte und Infos mitbekommen, wie man sich an einer Hochschule halt politisch engagieren kann."

Das studentische Angebot ist seit seiner Premiere im vergangenen Wintersemester nicht wiederholt worden. Robert Salzmann, Student der Geschichte, gibt zeitliche Gründe dafür an. Es ist durchaus denkbar, dass ihm die Zeit auch deshalb fehlte, weil die Situation im richtigen Studierendenparlament zwischenzeitlich eskalierte. Teilen des damaligen AStA, dem Salzmann übrigens angehörte, wird vom jetzigen AStA Veruntreuung von Geldern vorgeworfen, Wahlbetrug und Korruption.

Konkret geht es um den Diebstahl einer Wahlurne. Über die Höhe der veruntreuten Gelder sind die Ermittlungen der Essener Staatsanwaltschaft noch im Gange. Robert Salzmann versucht gerade, das hochschulpolitische Planspiel übergreifend an den Ruhrgebietsuniversitäten Duisburg-Essen, Bochum und Dortmund zu installieren. Der Titel, Zoff im StuPa, sei ursprünglich als Provokation gemeint gewesen, sagt er. Dass die Realität die Fiktion in dieser Weise einholt, sei definitiv nicht geplant gewesen.

Daniel Lucas ist hochschulpolitischer Referent des gegenwärtigen AStA. Der Preis des Stifterverbandes für ein Projekt des Vorgängergremiums, noch dazu mit einem derartig beziehungsreichen Titel, entlockt ihm zwar ein Lächeln – es ist allerdings ein bitteres:

"Das gefällt uns natürlich nicht sehr gut. Zum einen haben wir als Opposition sehr sehr hart daran gearbeitet, dass die Verbindung aus Korruption und AStA an dieser Universität entsteht. Zum anderen haben wir jetzt natürlich auch schwer daran zu tragen, weil es sehr schwer wird, das jetzt wieder zu entkoppeln. Weil vielen Studierenden die studentischen Selbstverwaltungsgremien gar nicht so bekannt sind."

Hängen geblieben ist bei den meisten Studierenden in Duisburg und Essen: AStA gleich Zoff gleich Skandal. Das führt zu noch weniger politischem Engagement.

Daniel Lucas und sein AStA versuchen, das mit Information und verstärkter Präsenz auf den beiden Campi aufzufangen. Ein Planspiel, um Neumitglieder des StuPa an Dinge, wie Satzung, Geschäftsordnung und allgemeine Abläufe heranzuführen, hält Lucas durchaus für sinnvoll. Aber bitte nicht auf der allgemeinen, theoretischen Ebene, wie sie Robert Salzmann vorschwebt. Die Tischtücher zwischen den rivalisierenden Hochschulgruppen sind offenbar zerschnitten. Dass es in den StuPa-Sitzungen der nächsten Zeit so harmonisch zugeht, wie bei dem Planspiel, ist zweifelhaft.

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