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StartseiteKommentare und Themen der WocheEuropa muss zusammenrücken18.02.2019

Zollstreit mit USAEuropa muss zusammenrücken

Die Europäische Union reagiert viel zu uneinig auf die ständigen Wirtschafts-Drohungen von Donald Trump, kommentiert Silke Hahne. Die Staaten sollten maximal eng zusammenrücken - Europa dürfe dem Trump'schen Prinzip der Verunsicherung und Spaltung keinen Nährboden bieten.

Von Silke Hahne

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Die Fahnen der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union wehen nebeneinander am 04.03.2017 in Nizza (Frankreich) im Wind. Foto: Jens Kalaene/dpa | Verwendung weltweit (dpa-Zentralbild)
Deutsche Automobil-Herstellern drohen Sonderzölle von den USA. (dpa-Zentralbild)
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Die Europäische Autoindustrie als Bedrohung für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten einzuordnen, ist ziemlich grober Unfug. Das weiß wahrscheinlich sogar Donald Trump. Doch Unlogik, Irrationalität, erratische Politik – das gehört zum System dieses Präsidenten dazu. 

Das zeigt besonders Trumps Lieblings-Zielscheibe für Attacken, die deutsche Autobranche, die so ziemlich das Gegenteil einer Bedrohung für die US-Sicherheit ist. Deutsche Automarken haben in den USA einen Marktanteil von nicht einmal zehn Prozent. Weniger als 500.000 Autos wurden im letzten Jahr von Deutschland in die USA exportiert, was bei einem Absatzmarkt von 17 Millionen Neuzulassungen im Jahr doch eher mickrig ist. Schon diese Zahlen müssten jegliche Debatte eigentlich im Keim ersticken. 

Alle Versuche der Anbiederung haben nicht funktioniert

Darüber hinaus haben deutsche Autobauer die Vereinigten Staaten als Produktionsstandort gestärkt. Und viele der deutschen Autos "made in the USA" gehen in den Export. Sie hübschen also die US-Handelsbilanz auf, bewegen sie in Richtung der Ausgeglichenheit, auf die Donald Trump so manisch fixiert ist.

Mit zunehmender Verzweiflung tragen die Bundesregierung und Interessensvertreter der Autobranche diese Argumente vor, scheinbar ohne Wirkung. Auch Anbiederung funktioniert nicht – wie jetzt die Autobosse merken dürften, die zuletzt höchstpersönlich im Weißen Haus zum Einschmeicheln angetreten waren. Es geht hier um Macht.

Europa darf sich nicht auseinanderdividieren lassen

Während eine Lösung im US-Handelsstreit mit China näher rückt, schürt Trump den transatlantischen Konflikt, denn er lebt politisch vom äußeren Feind. Im Zweifel ignoriert er dabei auch seine eigenen Zusicherungen an die Europäische Union, keine Zölle zu verhängen, bis ein Handelsabkommen vereinbart ist.

Eben jene Einigung steht aber aus, genau darauf dürften die jüngsten Drohgebärden aus Washington abzielen. Und das hat sich die EU leider zum Teil selbst eingebrockt. Zu langsam, zu uneinig agieren die Mitgliedstaaten bisher. Sie sollten sich besser schleunigst ihrer Einigkeit entsinnen und zwar nicht nur in Statements: Ein Mandat für die EU-Kommission muss her, damit die Handelsgespräche endlich losgehen können. In denen müssen die Staaten maximal eng zusammenrücken. Unsicherheit säen und Spaltung ernten, für dieses Trump'sche Prinzip darf Europa nicht den Nährboden bieten.

Silke Hahne, Redakteurin für Wirtschaft und Gesellschaft. (Deutschlandradio / Bettina Fuerst-Fastre)Silke Hahne (Deutschlandradio / Bettina Fuerst-Fastre)Silke Hahne, geboren bei Köln. Studium Kommunikationswissenschaft und Hörfunkjournalismus in Münster und Leipzig, jeweils mit dem Schwerpunkt Wirtschaft/Finanzen. Freie Mitarbeiterin bei mehreren MDR-Hörfunkwellen, Volontariat beim Deutschlandradio. Redakteurin in der Abteilung Wirtschaft und Gesellschaft.

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