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StartseiteForschung aktuellDie Kakerlaken-Gangs von New York01.04.2014

ZoologieDie Kakerlaken-Gangs von New York

Kakerlaken haben New York erobert. Schon längst. Doch offenbar handelt es sich bei den Schaben um mehrere Gruppen von unterschiedlicher Herkunft. Das hat ein deutscher Wissenschaftler an der Rockefeller-Universität untersucht.

Von Thomas Reintjes

Eine Kakerlake  (asl.epfl.ch)
Forscher Von Beeren: "Wir haben gefunden, dass an bestimmten Orten oder in bestimmten Häusern ein Schabentyp dominiert." (asl.epfl.ch)
Weiterführende Information

Kakerlaken-Map von NY (DRadio Wissen, Natur, 06.11.2013)

Bettwanzen und Kakerlaken (Deutschlandfunk, Marktplatz, 04.04.2013) 

"Das ist unser Kühlschrank, das sind alles Schaben hier auf der linken Seite."

Bei minus 30 Grad hat Christoph von Beeren Kakerlaken eingelagert. Alle nummeriert und katalogisiert. Die meisten sind aus New York, wo der Insektenforscher Von Beeren an der Rockefeller University im Rahmen des National Cockroach Project forscht. Aber auch Kakerlaken von auswärts hat er mithilfe von Freiwilligen gesammelt.

"Wir haben Proben vor allen Dingen von der Ostküste, von Boston, von Washington, New Orleans haben wir auch. Und auch weltweit haben wir Schaben zugeschickt bekommen. Wir haben von Argentinien welche bekommen, aus Kolumbien, aus Spanien - also sehr spannend auf jeden Fall. Die Leute sind begeistert dabei."

Begeistert dabei war auch eine Schülerin, die im vergangenen Sommer bei den Forschern ein High-School-Projekt absolviert hat. Erst hinterher gestand sie, dass sie sich eigentlich vor Schaben ekelt. Sie trennte den Kakerlaken ein Bein ab, isolierte daraus die DNA und vervielfältigte das für die Forschung interessante Gen CO1 im Labor.

"Und dieses CO1 wird sehr stark eingesetzt, um Arten zu unterscheiden. Also, man nennt das DANN-Barcoding. So wie im Supermarkt, wenn man einen Barcode hat, dass man durch dieses eine Gen feststellen kann, mit welcher Art man es zu tun hat."

Christoph von Beeren und die Schülerin wollten nur Insekten der Art Periplaneta americana, der Amerikanischen Schabe, untersuchen und stellten zunächst fest: Alle eingesandten Tiere gehörten derselben Art an, gleich aus welchem Land sie stammten. Die Amerikanische Schabe hat sich also vermutlich von einem ursprünglichen Lebensraum - niemand weiß, wo das war - in alle Himmelsrichtungen ausgebreitet. Spannender findet Von Beeren aber das zweite Ergebnis der DNA-Analysen. Betrachtet man nur die Kakerlaken aus New York, stellt man fest,…

"...dass die Schaben, die wir hier in New York City finden, sehr divers sind für eine invasive Art. Eigentlich, wenn invasive Arten aus der Population, wo sie natürlicherweise leben, ausbrechen und irgendwo anders hin transportiert werden, ist die genetische Varianz natürlich sehr gering, weil nur ein kleiner Teil dieser ganzen Tiere, die in einem natürlichen Lebensraum gelebt haben, transportiert wird, meinetwegen in eine Stadt."

Zehn Mal so viele Kakerlaken wie Menschen in New York

Deshalb müssen Kakerlaken mehrfach per Schiff, Flugzeug oder auf anderen Wegen in New York angekommen sein. Sie scheinen sich hier wohlzufühlen. Zehn Kakerlaken sollen auf jeden Menschen in der Stadt kommen. Man begegnet ihnen überall - in der Wohnung, im Restaurant, im Fitness-Studio. In Chinatown und Spanish Harlem genauso wie in der schicken Upper East Side oder Chelsea. Vielleicht haben sich die Kakerlaken die Stadt sogar ebenfalls in eigene Stadtviertel aufgeteilt.

"Wir haben gefunden, dass an bestimmten Orten oder in bestimmten Häusern ein Schabentyp dominiert. Zum Beispiel in meinem Haus dominiert ein bestimmter Kakerlakentyp. Das heißt, alle die Schaben, die wir da sequenziert haben, das sind ungefähr 20, tragen exakt das gleiche Gen ohne Unterschied in den Basenpaaren."

Ob es aber wirklich Kakerlaken-Gangs in New York gibt, die ganze Stadtviertel unter Kontrolle haben, ob sich die Schaben östlich des Central Parks von denen im Westen unterscheiden, können die Wissenschaftler noch nicht endgültig sagen.

"Es kann sein, aber dafür müssten wir eine größere Studie durchführen."

Christoph von Beeren freut sich deshalb weiterhin über tote Kakerlaken in der Post - ob aus New York oder von anderswo auf der Welt.

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