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StartseiteForschung aktuellWie die Mopsfledermaus durch leise Rufe Beute macht15.09.2014

ZoologieWie die Mopsfledermaus durch leise Rufe Beute macht

Fledermäuse jagen Insekten, so viel steht fest. Aber welche? Und wie? Biologen haben nun die Räuber-Beute-Beziehung von Fledermäusen und Nachtfaltern genauer untersucht. Und die Ergebnisse überraschen.

Von Jochen Steiner

Weiterführende Information

Fledermäuse - Gefahren auf den Wanderstrecken (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 04.09.2014)

Biologie - Die vielen Sinne der Fledermaus (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 23.07.2014)

Artenvielfalt - WG mit der Fledermaus (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 25.04.2014)

Sie zählt mit ihren großen Ohren und dem gedrungenen Kopf vermutlich nicht zu den schönsten Fledermäusen, aber zu den seltensten: die Mopsfledermaus.

"Es ist eine typische Wald bewohnende Art, die es auch hier in Deutschland gibt. Sie fängt die Beute in der offenen Luft, indem sie mit ihrer Echoortung die Echos wahrnimmt und dann die Tiere in der Luft fängt, typischerweise im Wald oder rund um Hecken und so was."

Biologen gingen davon aus, dass sich die Mopsfledermaus vor allem von bestimmten Nachtfaltern ernährt. Doch Holger Goerlitz und sein Team vom Max Planck-Institut für Ornithologie im bayerischen Seewiesen wollten Gewissheit:

"Zuerst haben wir diese Mopsfledermaus untersucht, was sie denn tatsächlich frisst. Da haben wir eine neue Methode entwickelt basierend auf der DNS, also dem Erbgut der Beute, das wir im Kot der Fledermäuse analysiert haben und konnten damit feststellen, welche Arten an Beute, an Nachtfaltern diese Fledermaus frisst und haben damit eben gesehen, es sind Nachtfalter mit Ohren."

Das Gehör hilft Nachtfaltern nicht

Etwa 85 Prozent ihrer Nahrung besteht demnach aus Nachtfaltern mit Ohren. Wobei diese Ohren nur bedingt mit denen des Menschen vergleichbar sind:

"Manche Nachtfalter haben die Ohren vorne auf ihrem Mund drauf. Und die Nachtfalter, mit denen ich gearbeitet habe, die haben ein Trommelfell wie wir, das sitzt aber seitlich am Körper und ist ganz einfach aufgebaut: Das Trommelfell wird von zwei Nervenzellen berührt und diese zwei Nervenzellen nehmen die Schwingungen vom Trommelfell auf und lösen dann anschließend ein Ausweichverhalten aus."

Doch das Gehör der Falter scheint ihnen beim Zusammentreffen mit einer Mopsfledermaus nicht wirklich zu helfen. Wie schafft es also diese Fledermausart, so viele Nachtfalter mit Ohren zu erbeuten? Holger Goerlitz und seine Kollegen wollten diese Räuber-Beute-Beziehung live aufzeichnen:

"Dazu sind wir dann raus gegangen in den Wald und haben einerseits Nachtfalter genommen und haben die Aktivität in ihren Nervenzellen gemessen und haben im gleichen Moment beobachtet, welche Fledermäuse vorbeifliegen, haben die Position dieser Fledermäuse gemessen und was für Rufe sie aussenden."

Die Biologen konnten nach der Datenauswertung feststellen, dass ...

"... die meisten Fledermausarten über relativ große Distanzen von den Nachtfaltern schon wahrgenommen werden, also über 20, 30 Meter Entfernung. Aber diese Mopsfledermaus, diese ganz besondere Art, die wird von den Nachtfaltern erst gehört, wenn sie richtig nah dran ist, in der Größenordnung von zwei, drei Metern nur."

Mopsfledermaus stößt viel leisere Rufe aus

Und die reichen meist nicht mehr aus, um der Fledermaus zu entkommen. Doch wie gelingt es ihr, unbemerkt so nah an die Falter heranzukommen? Dazu verglichen die Forscher die Mopsfledermaus-Rufe mit denen des Kleinen Abendseglers, der ähnlich hohe Laute ausstößt, aber vor dem die Falter meist noch entkommen können:

"Und der Unterschied zwischen den beiden Arten, den wir gemessen haben, ist der, dass die Mopsfledermaus sehr viel leisere Rufe ausstößt als der Kleine Abendsegler und auch als alle anderen Fledermäuse, von denen wir das bisher wussten."

Die gleichen Untersuchungen führten Goerlitz und sein Team bei der Blütenfledermaus durch, die in den Regenwäldern Amerikas vorkommt und sich hauptsächlich von Nektar ernährt. Aber in zwei Dritteln der Kotproben fanden die Wissenschaftler auch DNA von Falterarten mit Ohren.

"Wenn man von dieser Art die Rufe analysiert, stellt man auch fest, dass sie ebenfalls relativ leise sind. Und unsere Interpretation der ganzen Situation ist die, dass diese Fledermausart diesen Ruftyp entwickelt hat, um sich im dichten Regenwald zu orientieren."

Mit leisen Rufen kann die Blütenfledermaus im dichten Dschungel das Echo von unzähligen Blättern reduzieren, das für die Orientierung im Flug eher störend ist. Die Lautstärke reicht noch aus, um zwar recht langsam, aber sicher durch den Regenwald zu fliegen. Und sozusagen nebenbei macht sie mit den Nachtfaltern leichte Beute.

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