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StartseiteCampus & KarriereZu Guttenberg wirft hin01.03.2011

Zu Guttenberg wirft hin

Reaktionen aus der Wissenschaft

"Es ist eben kein Fehler, sondern es ist Betrug." Für den Leiter der Bonner Hausdorff-Stiftung, Mathias Kreck, war der Rücktritt des Verteidigungsministers ein längst überfälliger Schritt. Viele seiner Wissenschaftskollegen sehen das ähnlich.

Von Jürgen König

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verlässt  nach seinem Rücktritt die Pressekonferenz in Berlin. (picture alliance / dpa)
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verlässt nach seinem Rücktritt die Pressekonferenz in Berlin. (picture alliance / dpa)
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Die Universität Bayreuth zeigte "Respekt" für den Rücktritt; die Wissenschaft in Deutschland habe in den vergangenen Tagen eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie ihre eigenen Qualitätsansprüche nicht verleugne. Den Täuschungsvorwürfen gegen zu Guttenberg werde man auch weiterhin nachgehen und erwartet Guttenbergs angekündigte Mitarbeit.

Für Ulrich Thöne von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft war der Rücktritt des Verteidigungsministers ein "längst überfälligen Schritt". Thöne kritisierte auch die Bundeskanzlerin, die "schweres wissenschaftliches Fehlverhalten zu Guttenbergs bis zuletzt bagatellisiert" hätte. Dabei sei eine von Plagiaten durchsetzte Doktorarbeit "kein Lausbubenstreich, sondern ein schwerwiegender Verstoß gegen die Regeln wissenschaftlicher Arbeit". In diesem Sinne fielen die meisten Reaktionen aus den Bereichen Wissenschaft und Bildung bisher aus, Mathias Kreck, der Leiter des Bonner Hausdorff-Forschungsinstituts für Mathematik, der letzte Woche eine "Erklärung von Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern zu den Standards akademischer Prüfungen" sowie ein Unterschriftenaktion. Initiierte – für ihn war der Rücktritt Guttenbergs keine Überraschung, sondern - auch - eine Folge der Proteste aus der Wissenschaft.

"Einen solchen starken Druck aus dem Bereich der Wissenschaften hat es nach meinen Erinnerungen überhaupt nie gegeben. Es hat Äußerungen gegeben von den führenden Wissenschaftsorganisationen, Dt. Hochschulverband, Dt. Forschungsgemeinschaft. Es hat den Rundbrief der Jung-Wissenschaftler gegeben , der Doktoranden, mit – glaub’ ich – inzwischen 30 Tausende Unterschriften. Und eben seit letztem Samstag, äußerst ungewöhnlich, die Erklärung der ProfessorInnen gegeben, wo die KollegInnen wirklich am Stück unterschreiben. KollegInnen, die sonst in ihrer Forschung sich um Politik nicht kümmern, an dieser Stelle sagen, das geht überhaupt nicht!"

An der Haltung Guttenbergs in den letzten Tagen wie auch in der heutigen Rede, kritisierte Matthias Kreck, dass er bisher mit keinem einzigen Wort auf seine Fehler eingegangen sei.

"Die Aussage: 'Ich habe Fehler gemacht!' Er hat keinen einzigen Fehler benannt! Er hat einfach nur gesagt, global: 'Ich habe Fehler gemacht.' Das könnten ein paar Rechtschreibfehler sein, dann hätte er auch Fehler gemacht. Er hat zwar gesagt: "Ich habe schwerwiegende Fehler gemacht und ich bedauere das". Aber wenn, dann muss der Fehler benannt werden. Es ist eben kein Fehler, sondern es ist Betrug."

Der langjährige Sprecher des "Ethiknetzwerkes Baden-Württemberg", Dietmar Mieth betonte heute, es müsse weiterhin über das "Trauerspiel" des Umgangs mit dem Minister nachgedacht werden. Die Regierungsparteien hätten den Fall in einer Weise abgewiegelt, die "beschämend und entwürdigend" für den Wissenschaftsbereich sei. Wörtlich sagte er: "Man kann nicht auf der einen Seite den Wissenschaftsstandort Deutschland hervorheben und fördern, auf der anderen Seite aber die dazu notwendigen Regelungen im Verletzungsfalle durch einen Minister wie eine 'quantité negligeable' behandeln". Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) nannte den Rücktritt richtig, er sei aber zu spät gekommen; die Internetplattform "GuttenPlag Wiki" erklärte lediglich, der Rücktritt des Verteidigungsministers sei nicht Ziel des Projekts gewesen, Ziel sei die detaillierte Aufklärung der Umstände, unter denen die Dissertation entstanden ist. Man werde also auch weiterhin an der Analyse und Dokumentation der Doktorarbeit arbeiten.

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