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StartseiteForschung aktuellZucker für den Elch02.01.2008

Zucker für den Elch

Schwedens Straßenbehörde suchen neues Streugut für den Winter

Umwelt. - Als Mittel gegen eisglatte Straßen wird im Winter vor allem Koch- oder Steinsalz verwendet. Weil Salze aber Natur und Autokarosserie angreifen, experimentieren Forscher in Schweden mit Mischungen aus Salz und Zucker. Ihre größte Sorge dabei: Elche könnten eine Vorliebe für den süßen Straßenbelag entwickeln.

Von Sönke Gäthke

Vorsicht, süße Fahrbahn. (AP)
Vorsicht, süße Fahrbahn. (AP)

Alle Tiere lieben Süßes, erzählt die Biologin Frida Hedin. Der Elch macht da keine Ausnahme. Aber ausgerechnet Zucker will die schwedische Straßenbehörde Vägverket im Winter künftig dem Salz beimischen, das nach Schneefall und bei Eisglätte auf den Wegen des nordischen Landes für Sicherheit sorgen soll. Zucker oder Melasse tauen zwar Schnee und Eis nicht auf, sorgen aber trotzdem für mehr Reibung auf glatten Reichsstraßen.

Doch das Vorhaben könnte unangenehme Folgen für die Autofahrer des nordischen Landes haben: Vom schmackhaften Zucker im Salz angelockt, stünden die Tiere wohlmöglich zuhauf auf den Straßen des Landes und leckten die gestreute Oberfläche ab, befürchtet die Biologin.

Die 550 Kilogramm schweren Tiere provozierten dabei Unfälle, die für Mensch und Tier mit dem Tode enden können. Elche haben lange Beine. Beim Unfall reißt das Auto die Beine weg, der Rest des Elches aber pflegt - dem Gesetz der Masse-Trägheit folgend - sich nicht davon zu bewegen und landet folglich in der Windschutzscheibe des Wagens. Das kann zum Tode des Fahrers führen, sollte der Elch seinen Weg ins Wageninnere fortsetzen und ihn erschlagen. Was pro Jahr bis zu 20 Mal der Fall ist. (Über die Zahl der getöteten Elche liegen keine gesicherten Daten vor.) Um diese Zahl nicht dramatisch ansteigen zu lassen, kam die Straßenbehörde auf die Idee, überhaupt erst einmal zu untersuchen, ob die Elche das süß-salzige Streugut mögen. Das war die Aufgabe von Frida Hedin; die Biologin testete die Vorlieben der Elche mit Salzlecksteinen:

" Es gab zwei verschiedene Lecksteine. Einer bestand zu 100 Prozent aus Natrium-Chlorid, also Salz, der andere zu 75 aus Salz und zu 25 Prozent aus Glukose, also Zucker. "

Eine Auswahl von beiden Lecksteinen befestigte die Biologin zunächst an Wildtier-Raufen in der Forschungsstation Grimsö im Zentrum des Landes. Im Abstand von je einer Woche wog sie die Steine, um festzustellen, an welchen die Tiere mehr geleckt hatten.

" Das Ergebnis war: Elche leckten mehr vom Zucker-Salz Gemisch. Daher machten wir im Frühjahr 2007 einen weiteren Versuch. "

Diesmal allerdings im Wildtiergehege Moose-Garden in Östersund. Anders als auf freier Wildbahn wissen die Forscher hier, wie viele Tiere im Wildgehege leben, und können daher genauer bestimmen, wie weit die Vorliebe der Elche für den zuckerhaltigen Salzleckstein geht.

" Die Differenz war sehr groß, die Elche hatten wieder mehr vom Zucker-Salz-Stein geleckt. "

Keine guten Aussichten also für das Vorhaben der schwedischen Straßenbehörde Vägverket. Deren Forscher suchen jetzt nach einem Ausweg.

" Die schwedische Straßenbehörde testet jetzt verschiedene Mischungen von Zucker und Salz, die Versuche laufen noch bis zum Sommer 2008. Dann werden sie hoffentlich einen Bericht vorlegen, wie das Projekt ausgegangen ist. "

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