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StartseiteZur DiskussionEine sächsische Runde05.09.2018

Zuhören!Eine sächsische Runde

Alle Scheinwerfer sind seit Ende August auf Chemnitz gerichtet. Sachsen machte weltweit Schlagzeilen mit Gewalt von rechts außen. Vielfach war pauschalisierend von "den Sachsen" die Rede. Zeit für eine sächsische Diskussionsrunde - und fürs Zuhören.

Moderation: Alexandra Gerlach

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01.09.2018, Sachsen, Chemnitz: Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz versammenln sich vor dem Karl-Marx-Denkmal. Bei den für den 01.09.2018 angekündigten Demonstrationen rechnet die sächsische Polizei mit einer hohen Zahl von Teilnehmern. Foto: Boris Roessler/dpa | Verwendung weltweit (dpa)
Teilnehmer einer Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz am 1.9.2018 (dpa)
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Vielfach war nach den Ausschreitungen in Chemnitz Ende August pauschalisierend von "den Sachsen" die Rede. "Die schwerwiegenden Probleme benennen, aber bitte kein Sachsen-Bashing", schrieb ein Deutschlandfunk-Hörer.

Unter der Leitung von Alexandra Gerlach diskutierten:

  • Lars Fassmann, Unternehmer in Chemnitz
  • Antje Hermenau, Mitbegründerin von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen
  • Frank Richter, ehemaliger Direktor der sächsische Landeszentrale für politische Bildung
  • Lukas Rietzschel, Autor des Buches "Mit der Faust in die Welt schlagen"

Besorgte Bürger oder "besorgte Bürger"?

Es sei schiere Verzweiflung, dass viele Menschen mit Neonazis auf die Straße gingen, sagte Antje Hermenau, Mitbegründerin von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen, die 2015 aus der Partei ausgetreten ist. Ähnlich äußerte sich der Görlitzer Autor Lukas Rietzschel. Viele Bürger liefen mit, weil das in ihren Augen völlig legitim sei. Sie hielten es für die einzige Form des Protests, die überhaupt noch gehört werde. Wenn sie das Gefühl hätten, keine ihrer Interessen würden mehr vertreten, dann gingen sie eben dahin, wo die sogenannte Alternative stehe.

Hermenau drängte darauf, doch bitte die Gänsefüßchen bei den "besorgten Bürgern" weglassen - auch die mitgedachten. Sie machten aus den Wörtern eine Art sanften Kampfbegriff. Diesen würden bestimmte linke Kreise nutzten, um zu suggerieren, es handele sich bei allen um Nazis. Es gebe aber nun einmal Bürger, die besorgt seien, viele davon vereinsamt und älter, betonte Hermenau. Wenn die anderen Parteien hier nicht politisch einstiegen und stattdessen sagten, mit der AfD rede man nicht, die Themen interessierten sie nicht, dann "lehnen sie eine große Gruppe der Bevölkerung ab". Sie forderte die anderen Parteien auf, sich mehr zu engagieren.

Kein Freund der AfD - aber vieler AfD-Wähler

Das verlangte auch Frank Richter, ehemaliger Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und Oberbürgermeisterkandidat in Meißen. Er sei kein Freund der AfD, aber er sei ein Freund vieler AfD-Wähler. Wenn die anderen Parteien deren Probleme nicht aufgriffen, werde es zwangsläufig eine stärkere AfD geben.

Aus Sicht des Unternehmers Lars Fassmann, der für die Gruppe Volkssolidarität/Piraten im Chemnitzer Stadtradt sitzt, addressieren viele Bürger in Sachsen ihre Probleme verdeckt. Wenn etwa gefordert werde "Ausländer raus", habe er den Eindruck, dass die Leute eigentlich etwas anders meinten, sagte Fassmann. Vielleicht gehe es dem einen oder anderen nicht gut. Vielleicht habe er von den Lohnsteigerungen in den vergangenen Jahren nichts mitbekommen oder die Schule werde nicht saniert. Da müsse man halt schauen, warum solche Dinge nicht gemacht worden seien.

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