Mittwoch, 22.09.2021
 
Seit 22:50 Uhr Sport aktuell
StartseiteForschung aktuellZukunft der Arbeit30.04.2008

Zukunft der Arbeit

Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Arbeitswelt

Demographie. - In Deutschland werden immer weniger Kinder geboren, gleichzeitig steigt die Lebenserwartung. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung steigt: Im Jahr 2040 wird in Deutschland über die Hälfte der Bevölkerung über 50 Jahre alt sein. Wie sich das auf die Arbeitswelt auswirkt, haben Demographen in Rostock ausgerechnet.

Von Kristin Raabe

Generationenvertrag für die Arbeitswelt (Stock.XCHNG / Dawn Allynn)
Generationenvertrag für die Arbeitswelt (Stock.XCHNG / Dawn Allynn)

1910: Die Mehrheit der Deutschen ist zehn Jahre alt oder jünger.
2005: Das Durchschnittsalter der Deutschen beträgt 41 Jahre.
2025: Die 60- bis 80-Jährigen bilden in Deutschland die Mehrheit.

Am Max-Planck Institut für Demographische Forschung in Rostock hat Elke Loichinger untersucht, wie sich der demographische Wandel auf die Arbeitswelt auswirkt. Als Grundlage dienen ihr die Statistiken von heute. Mit diesen Zahlen kann sie Modelle entwickeln, die Prognosen über die Entwicklung der Arbeitswelt erlauben. Bei einer dieser Berechnungen hat sich Elke Loichinger das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Nicht-Erwerbstätigen angesehen. Heutzutage stellt die Altersgruppe der Über-50-Jährigen einen großen Teil der Nichterwerbstätigen.

" Basierend auf der Annahme, dass alles auf dem heutigen Stand bleibt, würde in Zukunft die Zahl der Nichterwerbstätigen steigen. Heutzutage liegt die bei fünf Nichterwerbstätigen pro vier Erwerbstätige. Als nichterwerbstätig zählt wirklich jeder, der gerade nicht einer Arbeit nachgeht. 2025 wären das dann schon knapp sechs Nichterwerbstätige pro vier Erwerbstätige. Weniger Menschen werden viel arbeiten und viele Menschen werden gar nicht arbeiten. "

Bei diesen Berechnungen geht Elke Loichinger davon aus, dass weiterhin bereits 50-Jährige ihre Arbeitszeit reduzieren und 65-Jährige in Rente gehen. Dadurch würde natürlich auch die durchschnittliche Wochenarbeitszeit sinken. Für ihr Modell hat die Rostocker Demographin alle in Deutschland pro Woche geleisteten Arbeitsstunden auf die Gesamtbevölkerung verteilt. Wenn also jedes Kleinkind und jeder Greis mit einbezogen wird, dann liegt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in Deutschland bei 16,3 Stunden.

" Sagen wir die Erwerbsbeteiligung die 2005 vorlag, liegt auch noch in 2025 vor, dann wird diese Zahl von 16,3 auf 15 Wochenarbeitsstunden sinken, was einem Rückgang von 8 Prozent entspricht. "

Aber die Zahlen dienen nicht nur dazu zu zeigen, wie düster die Zukunft der Arbeit im Jahr 2025 aussieht. Anhand ihrer Modelle kann Elke Lochinger auch zeigen, wie leicht sich vieles zum Positiven ändern lässt.

" Wenn man die 50 bis 65-Jährigen, das ist eines unserer Modelle, mehr mit einbezieht bzw. wenn man es extremer machen will sogar bis 75, dann müsste eigentlich nicht viel gearbeitet werden in diesen Altersklassen, um trotzdem diesen Wert auf dem heutigen Niveau zu halten. "

Die älteren Arbeitnehmer müssten auch nicht unbedingt 40 Stunden pro Woche arbeiten. In ihren Modellrechnungen gehen die Rostocker Demographen von einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 20 Stunden in dieser Altersgruppe aus. Von der Umverteilung der Arbeit könnten auch die Jungen profitieren.

" Ein interessantes Ergebnis ist auch, wenn man Ältere mehr einbezieht, ergeben sich Spielräume in jüngeren Jahren. Also man könnte sagen, um diesen Trend der niedrigen Geburtenraten entgegenzuwirken, vielleicht würde es helfen, wenn nun gerade so bei den 30-Jährigen, wo Berufseinstieg und Familienplanung zusammentreffen, das Ganze ein bisschen entzerren würde und diese auch Teilzeitmodelle in Anspruch nehmen könnten und erst hinterher, wenn so die Familienplanung etwas abgeschlossen ist, dann wieder mehr in das Berufsleben eintreten. "

Das erscheint logisch: Wer mit Anfang 30 anstatt Überstunden für die Karriere zu machen, bereits mittags das Büro verlässt, ist eher motiviert, Kinder in die Welt zu setzten. Natürlich dürfte sich die Umverteilung der Arbeitszeiten nicht allzu negativ auf das Einkommen auswirken. Arbeitnehmer bräuchten so etwas wie lebenslange Arbeitszeitkonten, nach denen ihr Gehalt und später ihre Rente berechnet wird. Sollte das Konzept allerdings aufgehen, dann hat sich bis spätestens im Jahr 2050 die Diskussion um den demographischen Wandel womöglich von ganz allein erledigt, und die Kinder würden wieder die Mehrheit bilden in Deutschland.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk