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StartseiteWirtschaft am MittagProteste gegen geplante Werksschließungen11.12.2017

Zukunft der deutschen SiemenswerkeProteste gegen geplante Werksschließungen

Mindestens 3.000 Stellen will Siemens in Deutschland abbauen, die Standorte Görlitz und Leipzig sollen ganz geschlossen werden. Das Bundeswirtschaftsministerium hat daher zu Gesprächen über die Zukunft der Werke eingeladen. Zuvor gab es lautstarke Proteste der IG Metall.

Von Verena Kemna

Janina Kugel, Personalvorstand der Siemens AG, spricht am 11. Dezember 2017 in Berlin im Wirtschaftsministerium zum angekündigten Stellenabbau im Berliner Dynamowerk neben Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa)
Janina Kugel, Personalvorstand der Siemens AG, spricht am 11. Dezember 2017 in Berlin im Wirtschaftsministerium zum angekündigten Stellenabbau im Berliner Dynamowerk neben Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa)
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Früh am Morgen vor dem Bundeswirtschaftsministerium. Etwa einhundert Mitarbeiter des Berliner Dynamowerks von Siemens schlagen Trommeln, halten Transparente hoch. Der IG-Metaller Andreas Schünemann arbeitet seit drei Jahrzehnten im Berliner Dynamowerk. Die Nachricht, dass sein Arbeitsplatz von Kündigung bedroht ist, hat ihn kalt erwischt. Doch der Zusammenhalt unter den Mitarbeitern sei in den vergangenen Wochen gewachsen. 

"Da kommt eine Träne aus den Augen weil ich das unglaublich finde. So einen Zusammenhalt, das habe ich noch nicht gesehen. Und ich denke mir, das muss auch so sein sonst haben wir überhaupt keine Chance um was zu bewegen." 

Auch Klaus Murawski trommelt und pfeift. 

"Es geht darum, wie stark sind die Leute und der Betrieb Dynamowerk, das ist der stärkste Betrieb von Siemens in Berlin und wenn die es nicht schaffen, dann schafft das kein anderer." 

Auf einem Transparent heißt es: Nein zur Gier im Management. Eine lebensgroße Pappfigur von Siemensvorstandschef Joe Kaeser steht quasi am Pranger. Der Konzern hatte bereits vor Wochen angekündigt, dass allein in Deutschland mindestens 3000 Stellen abgebaut werden sollen. Als Grund werden schlechter laufende Geschäfte in der Kraftwerks- und Antriebstechnik angeführt.

Weiteres Treffen verabredet

Während die Mitarbeiter des Berliner Dynamowerks draußen trommeln, sitzen hinter den verschlossenen Türen des Bundeswirtschaftsministeriums Vertreter der Länder und Vorstandsmitglieder von Siemens mit Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries an einem Tisch. Gleich mehrere Standorte in Deutschland, darunter im sächsischen Görlitz und in Leipzig, stehen vor dem Aus. Nach dieser ersten Gesprächsrunde betont SPD-Ministerin Zypries die offene Atmosphäre:

"Wir sind uns einig geworden, dass wir ein weiteres Treffen anstreben. Wann dieses Treffen sein wird, haben wir noch nicht verabredet, weil zuvor Gespräche der Siemensgeschäftsführung mit den Betriebsräten stattfinden und wir diesen Ergebnissen und den Vorstellungen der Betriebsräte nicht vorgreifen wollten." 

Weitere Gespräche sollen auf jeden Fall folgen, wann genau bleibt an diesem Tag offen. Doch laut Bundeswirtschaftstministerin Zypries scheint festzustehen, dass Bund und Länder den angekündigten Strukturwandel bei Siemens positiv begleiten sollen. Auch Janina Kugel vom Siemens Personalvorstand bleibt vage, spricht lediglich von Dialogbereitschaft. 

"Es ist uns klar, dass die Einschnitte die wir geplant haben, sehr schmerzhaft sind und dass das natürlich Sorgen und Verunsicherung auslöst, ist verständlich. Und deshalb ist es jetzt unser Anliegen, verantwortlich zu handeln und in den Dialog zu treten."

Ein weiteres Treffen sei für kommendes Frühjahr verabredet worden.

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