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StartseiteKommentare und Themen der WocheEs geht um mehr als um Batterien16.03.2019

Zukunft von VWEs geht um mehr als um Batterien

Mit einem früheren Umsteuern auf den Elektrokurs hätte VW keine besseren wirtschaftlichen Ergebnisse erzielt, kommentiert Burkhard Ewert im Dlf. Nun aber komme es auf Veränderung an: noch mehr Modelle, noch höhere Stückzahlen, das erste Werk bald nur noch für Elektroautos. Die Bremse ist gelöst.

Von Burkhard Ewert

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VW-Fahrzeuge stehen auf einem Autohof in Freiburg. (imago)
"Das Glück des Unternehmens sind die riesigen Gewinne. Mit ihnen im Rücken wird es ihm nicht schwerfallen, in seine Elektrostrategie und Digitalisierung zu investieren", kommentiert Burkhard Ewert im Dlf (imago)
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VW steckt im Umbruch und auch in der Krise. So viel ist sicher. Manchen Behauptungen dieser Tage aber gilt es deutlich entgegenzutreten. So hätte VW mit einem früheren und klareren Umsteuern auf den Elektrokurs mit ziemlicher Sicherheit keine besseren wirtschaftlichen Ergebnisse erzielt. Auch den offenkundig bevorstehenden Stellenabbau hätte das nicht vermieden - im Gegenteil. 

Beleg Nummer eins ist, dass der Konzern trotz aller Belastungen im vergangenen Jahr mehr als zwölf Milliarden Euro verdiente, wie er in dieser Woche bekanntgab. Rekord, und eine kaum zu glaubende Summe angesichts der Gesamtlasten aus der Abgasaffäre, die sich auf inzwischen rund 30 Milliarden Euro belaufen. 

Beleg Nummer zwei ist, dass die Geschäfte bei der Sportwagenmarke des Konzerns, Porsche, nach wie vor besonders blendend laufen. Dort aber geht es noch mehr als bei den anderen Marken um viele Verbrenner-PS und nicht etwa um Watt.

Mit rund 115.000 entfallenden Arbeitsplätzen in deutscher Autoproduktion wird gerechnet

Auch Stellenstreichungen, die der VW-Konzern plant, sind nicht die direkte Folge davon, dass das Management so lange wie möglich und auch mit verbotenen Tricks am Diesel als Brot- und Butter-Antrieb festhielt. 

Mit rund 115.000 entfallenden Arbeitsplätzen in der deutschen Automobilproduktion rechnet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit innerhalb der nächsten Jahre. Der Grund ist, dass Elektroantriebe wesentlich einfacher herzustellen sind als Diesel- oder Benzinfahrzeuge. Die angekündigten Sparmaßnahmen und der Ausbau automatisierter Prozesse in der Verwaltung sind daher nur Vorboten dessen, was zwangsläufig kommt und nicht an Mängeln im Management festzumachen ist. 

VW geht Veränderungen kraftvoll an

Man muss VW für all dies nicht dankbar sein. Zum Gesamtbild zählt aber schon, dass der Konzern trotz der Belastungen, die maßgeblich auch aus seinem Handeln erwuchsen, ungemein erfolgreich war und gute Gründe sah, sich in Sachen Elektromobilität nicht an die Spitze der Bewegung zu setzen.

Nun aber kommt es auf Veränderung an. VW geht sie durchaus kraftvoll an, wie bei der Bilanzvorlage deutlich wurde. Noch mehr Modelle, noch höhere Stückzahlen, das erste Werk bald nur noch für Elektroautos: Die Bremse ist gelöst. 

Zu den Herausforderungen zählt dabei auch, was Aufsichtsrat Wolfgang Porsche grantelnd hervorhob: Das "System VW" mit seinem außerordentlich einflussreichen Betriebsrat, das insbesondere in Wolfsburg greift und zu einer vergleichsweise geringen Rendite der Marke Volkswagen beiträgt.

Dieses System ist ein Relikt aus der Zeit des Wirtschaftswunders. Es muss nicht schlecht sein, ganz im Gegenteil. Und doch muss sich erst noch zeigen, dass es dem Umbau nicht im Wege steht, den VW in den kommenden Jahren leisten muss. 

Elektromobilität ist dabei nur der eine Faktor – vielleicht nicht einmal der wichtigste. Autos der Zukunft werden rollende Computer sein. Kann VW da mithalten? Und - das ist der dritte Trend - sie werden in bestimmten Milieus und zahlreichen Nutzungssituationen schlicht nicht mehr gefragt sein. Während früher auch dem Öko seine Ente, der Strich-Achter oder ein Bulli heilig war, scheint das Auto als Ausdruck von Individualität und Agilität in Teilen der Gesellschaft von anderen Statussymbolen abgelöst worden zu sein. 

Das Glück des Unternehmens sind die riesigen Gewinne. Mit ihnen im Rücken wird es ihm nicht schwerfallen, in seine Elektrostrategie und Digitalisierung zu investieren. 

Batterie wirklich die beste Wahl?

Ein passendes Image aber lässt sich nicht einfach so kaufen. Porsche hat ein solches für seine PS-starken Autos, Audi war der Renner unter leistungsorientierten Dienstwagenfahrern im mittleren Management. VW bot Autos für jede Lebenslage mit dem Versprechen eines guten Preis-Leistungsverhältnisses, Skoda richtete sich an die noch preisbewussteren Käufer. 

Aber welche dieser Marken steht für Innovation? 

Antriebe und Digitalisierung, Mobilitäts- und Imagewandel lauten daher die vier Herausforderungen, denen sich der VW-Konzern stellen muss. Immer nur an Batterien zu denken, wäre ein Fehler. 

Zudem bestehen bei diesem Punkt durchaus Risiken. Es reden zwar alle von der Batterie – aber ist sie wirklich die beste Wahl? Manche Experten sehen es anders. Individueller, komfortabler Mobilität steht das umständliche Laden derzeit entgegen. Wasserstoffantriebe böten viele Vorteile – aber VW will nicht mehr warten, um zu beurteilen, ob sie sich durchsetzen – VW kann nicht mehr warten, eben weil es ja auch um sein Image geht. Gut möglich, dass dies in einer nüchternen Rückschau einmal als großer Fehler betrachtet werden wird, ein viel größerer Fehler, als ein paar Jahre länger als nötig den Diesel gebaut zu haben.

Burkhard Ewert, Stellv. Chefredakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung (Michael Gründel)Burkhard Ewert, Stellv. Chefredakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung (Michael Gründel)Burkhard Ewert ist stellvertretender Chefredakteur der "Neuen Osnabrücker Zeitung" ("NOZ") und leitet die gemeinschaftliche Mantelredaktion, die über die "NOZ" hinaus u. a. den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag und die "Schweriner Volkszeitung" sowie mehrere digitale Produkte und externe Kunden mit Inhalten aus Politik und Wirtschaft, Kultur und Service versorgt. Ewert studierte Verfassungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Bielefeld und war vor dem Wechsel nach Osnabrück u. a. leitender Redakteur beim "Handelsblatt" in Düsseldorf.

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