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StartseiteCorsoDas klangliche Geheimnis von King Crimson29.06.2019

Zum 50. GeburtstagDas klangliche Geheimnis von King Crimson

Der Bandname verrät es schon: King Crimson sind die Könige des Progressive Rock und immer noch nicht reif für die Rente. Bandleader Robert Fripp stellt sein Ensemble vor immer neue Herausforderungen. Wie Fripp tickt, erzählt einer seiner Schüler, Markus Reuter von den Stick Men.

Von Florian Fricke

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King Crimson im Jahr 1969 - vorne rechts ist Bandleader Robert Fripp zu sehen (imago stock&people)
Kaum ein Bandleader hat so viele großartige Musiker um sich geschart wie Robert Fripp (v.r.) (imago stock&people)
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"Letztes Jahr in New Jersey passierte es . Wir spielten gerade 'Construction of Light' und alle spielen unterschiedliche Taktmaße. Tony kam dann 2 Schläge zu spät raus – das war wie ein Autounfall. Wir spielen nun mal keinen Blues, wo du jederzeit einfach über einen Beat spielen kannst."

Jakko Jakszyk ist der aktuelle Sänger und einer der Gitarristen von King Crimson. Er hat die Band bereits 1971 live gesehen, stieß aber erst 2012 hinzu, als Robert Fripp eine neue Tour-Band zusammenstellte. Neben Frank Zappa gibt es wohl keinen Bandleader, der im Lauf seiner Karriere so viele virtuose Musiker um sich scharen konnte, und ähnlich wie Zappa führt er seine Ensembles mit eiserner Disziplin. Fripp gründete zudem mit Guitar Craft eine eigene Gitarrenschule, der sich jeder anschließen konnte. Gitarrist Markus Reuter, heute selber im erweiterten Crimson Clan aktiv, war einer von ihnen.

"Das Problem bei der E-Gitarre mittlerweile, also E–Gitarre und akustische Gitarre natürlich, ist, dass es ziemlich viele klassische Klischees gibt. Und auf der E-Gitarre ist es eben der Blues und gewisse Fingersätze, die automatisch quasi unter den Fingern liegen, weil jeder Jugendliche die Gitarre in die Hand nimmt und immer dasselbe findet. Das erste, was man eben bei den Kursen mit Fripp lernt, ist: es gibt eine neue Stimmung."

C-Dur rauf und runter

Damit diese Klischees eben nicht mehr funktionieren. Es geht Robert Fripp dabei um die ganz bewusste Beschäftigung mit Klang. Um das zu erreichen, greift er in seinen Kursen zu extremen Methoden. Markus Reuter sagt:

"Ich kann mich an einen Kurs erinnern, wo wir sieben Tage lang nur die C-Dur-Tonleiter gespielt haben im Cycle, im Kreis herum, wo jeder jeweils einen Ton spielen musste, und immer wenn ein Fehler passierte, fing es wieder von vorne an. Die Person, der der Fehler passiert, fing wieder von vorne an. Das heißt, man hatte nicht immer denselben Ton zu spielen. Man musste also immer aufpassen, wo man war. Und ich muss sagen, das war die absolut tollste Lehrerfahrung meines Lebens, weil da habe ich wirklich verstanden, wie man eine Tonleiter lernt."

Kleine None - große Wirkung

Ziel ist eine Meisterschaft am Instrument, die nicht nur technisch, sondern auch mental erreicht wird, über rhythmische Präzision und eine gewisse klangliche Fettheit. Überhaupt dieser Fripp'sche Klang: Die meisten Musikliebhaber kennen ihn wahrscheinlich, ohne es zu wissen. Denn seinen berühmtesten Gitarrenpart spielte Robert Fripp für den Jahrhundertsong "Heroes" von David Bowie ein – einen schwebenden Feedback-Ton, der nur mit einer Gitarre und einem Verstärker entstand.

In der ersten Phase von King Crimson war Robert Fripp nur einer von mehreren Songschreibern. Nach den ersten vier Alben wurde 1973 "Larks' Tongues in Aspic" veröffentlicht, was einen radikalen musikalischen Bruch darstellte hin zu freier Improvisation und extrem virtuosem, hartem Prog-Rock.

"Es gibt eben diesen Akkord, den Larks-Akkord, die kleine None, und das ist so ein Merkmal, das findest du in fast allen alten Kompositionen…" / "Erzeugt viel Drama." / "Erzeugt viel Drama und ist halt wirklich dissonant. Er passt halt nicht in die traditionellen diatonischen Tonleitern in der Regel."

"Keine andere Band hat sowas jemals gemacht"

"Meiner Meinung nach gibt es keine andere Band, die sowas in der Art jemals gemacht hat, schon gar nicht im Rock-Kontext, weil wenn man eben verzerrt spielt, alles was eben nicht eine Oktave oder eine Quinte ist, klingt halt eben sehr knarzig, sage ich mal. Und deswegen mit zwei Gitarristen kann man das machen, diese Parts aufteilen und dadurch auch diese Hocketing-Geschichte und so."

Hocketing heißt, dass man eine Tonfolge auf mehrere Instrumente aufteilt. So klingt Dissonanz auch verzerrt gut und der Sound insgesamt wirkt modern und aggressiv. Dieses Patent hat sich bis heute bewährt. Auf der Jubiläums-Tour kann man sich ein Bild vom gesamten Oeuvre von King Crimson machen, denn die Band - inklusive dreier Schlagzeuger - wird Songs aus allen Schaffensperioden spielen.

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