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StartseiteKommentare und Themen der WocheDas Recht auf Privatsphäre bleibt03.01.2019

Zum 50. Geburtstag von Michael SchumacherDas Recht auf Privatsphäre bleibt

Fünf Jahre nach seinem Ski-Unfall begeht Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher seinen 50. Geburtstag zurückgezogen im Kreise der Familie. Das habe er schon auf dem Höhepunkt seiner Karriere so gemacht, kommentiert Jonas Reese - und das dürfe er auch weiterhin.

Von Jonas Reese

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Michael Schumacher bei einer Pressekonferenz im Jahr 2012.  (dpa/ picture alliance/ Shizuo Kambayashi)
Der ehemalige Rennfahrer Michael Schumacher (dpa/ picture alliance/ Shizuo Kambayashi)
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Michael Schumacher feiert seinen 50. Geburtstag so wie in den letzten Jahren auch. Abgeschirmt, fernab der Öffentlichkeit. Aber nicht ohne Öffentlichkeit. In einer Facebook-Nachricht bedankt sich die Familie Schumacher bei den Fans fürs "Mitfeiern" und bittet darum, Schumachers Willen, seinen Gesundheitszustand in der Privatsphäre zu belassen, zu akzeptieren. So wie früher auch.

Auch früher hat Schumacher eine klare Grenze gezogen zwischen Privatem und Öffentlichem. Er war nie jemand, der sich stets eine Bühne gesucht hat oder der Kameras liebte. Er schien das öffentliche Interesse an seiner Person immer als Pflichtaufgabe zu bedienen. Als Teil seines Jobs. Genauso wie das Fitnesstraining oder das Finetuning seines Autos. Das sagen Beobachter, die ihn lange begleitet haben, von Anfang bis Ende seiner Karriere.

Nach seinem Ski-Unfall vor fünf Jahren hat sich daran nichts geändert. Warum sollte es auch? Man weiß nicht, wie es ihm geht, weder physisch noch psychisch. Man kann nur vermuten. Das zu schaffen und durchzuhalten, dem medialen Druck, dem öffentlichen Interesse nicht nachzugeben, das ist eine große Leistung. Dazu kann man Schumacher und seinem Umfeld nur gratulieren.

Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. Sie beschweren sich über neue Fan-Apps oder Ausstellungen und beklagen den Widerspruch von Zurückgezogenheit bei gleichzeitiger Vermarktung. Aber ist dem wirklich so? Geldmangel wird im Hause Schumacher kein Thema sein. Außerdem sind die meisten vorgestellten Maßnahmen kostenlos. Im Gegenteil: Viel eher scheinen sie ein Angebot zu sein für diejenigen Anhänger, die ihre Zuneigung und Bewunderung noch irgendwie ausleben wollen, die gerne in Erinnerungen schwelgen und zumindest noch irgendein Lebenszeichen ihres Idols sehen wollen.

Das Recht auf Privatsphäre steht über dem öffentlichen Interesse

Es gibt Menschen, die glauben, sie hätten einen Anspruch darauf zu erfahren, wie es Michael Schumacher geht, wie er lebt und was er macht. Sieben Weltmeister-Titel, knapp 100 Grand-Prix-Siege und zig Rekorde haben ihn zu einer öffentlichen Person gemacht. Schumacher hat viel Geld mit seinen Erfolgen verdient. Vor allem deshalb, weil ihm dabei viele Menschen zugeguckt haben. Aber daraus entsteht noch keine Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit, sein Privatleben preiszugeben. 

Wenn man in den Zeitungsarchiven nachschaut, dann findet man zu Schumachers 30. und 40. Geburtstag kaum Berichte. Das Interesse an seinem 50. heute ist offenbar auch so groß, weil er nicht mehr nur der erfolgreichste Rennfahrer aller Zeiten ist. Seine schicksalhafte Geschichte bewegt: Da setzt jemand jahrzehntelang ständig sein Leben aufs Spiel, fährt in Höchstgeschwindigkeiten an der Grenze zum Tod und dann passiert ihm ein lebensgefährlicher Unfall beim Hinabwedeln einer Ski-Piste. So eine Tragik zieht an.

Manchmal sind Neugier und Mitgefühl schwer auseinanderzuhalten. Jeder hat das Recht, sich beidem zu entziehen.

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