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StartseiteKultur heuteZum Tod der amerikanische Komiker-Legende Bob Hope28.07.2003

Zum Tod der amerikanische Komiker-Legende Bob Hope

Ein halbes Hundert Doktorhüte, vier Oscars, mehr als anderthalbtausend Awards aller Art, "The Most Honored Entertainer", wie ihn das Guinness Book of Records verzeichnet. Hinzu kommen die American Congressional Medal of Honor, die Medal of Liberty, unzählige Woods und Irons des leidenschaftlichen Golfers und gut und gerne 500 Millionen Dollar -: das ist nur ein Teil des sichtbaren Erbes von Bob Hope.

Ein Beitrag von Peter W. Jansen

Ein anderer sind mehr als 70 Filme, von denen man durchaus einige vermissen möchte, und sind mehr als 300 Fernsehshows; ausserdem hat er in gut tausend Radiosendungen mitgewirkt. Ferner hinterlässt der nach Chaplin (in Amerika) beliebteste amerikanische Komiker seinen Landsleuten eine Skandalgeschichte, die einen der treuesten und standhaftesten Ehemänner Amerikas (seit rund siebzig Jahren) in fast ebensovielen fremden Betten sieht.

Sie wurde den Familien des Landes 1993 auf den Weihnachtstisch gelegt und hat der Popularität des Stars kein bisschen geschadet. Vielleicht weil sie von Arthur Marx geschrieben war, einem Sohn von Groucho, dem dreistesten Schandmaul unter den Brothers. Vielleicht weil sie so wunderbar passte zu dem Titel des Buchs, das Dolores Hope, geborene Read, vor Jahren über ihre Ehe verfasst hatte: "Falls Sie Bob sehen, grüssen Sie ihn bitte von mir". – Angeblich am 9. Juli 1903 – es gibt aber auch Daten, die ihn noch ein paar Jahre älter machen - in London als Engländer geboren, was ihn daran gehindert haben soll, sich um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten zu bewerben, war er vier, als er mit seinen Eltern und fünf Brüdern nach Amerika kam. Er wuchs in Cleveland/Ohio auf und ging, wie er einmal sagte, zur Schule in "Vaudeville". Er hiess eigentlich Leslie, Leslie Hope, doch als die Mitschüler seinen Namen Hope,Leslie zu "hopeless" verbalhornten, entschied er sich für Bob. Sein erstes Geld verdiente als Schuhputzer, Zeitungsverkäufer, Boxer. Ein unwiderstehliches Nachahmungstalent und ein Mundwerk, das nicht still stehen konnte, liessen ihn mit kleinen Trupps durch die Staaten tingeln, bis er Anfang der dreissiger Jahre am Broadway landete, als Tänzer und Sänger und Komiker in Operetten, Musicals, Revüen. - Seine britisch geschliffene und amerikanisch breit gewordene Sprechweise brachte ihn geradezu zwangsläufig zum Radio. Als er dort sein erstes Honorar bekam, so hat er jedenfalls erzählt, fühlte er sich, als hätte er eine Bank ausgeraubt; "sie gaben mir so viel, dass ich ein paar Runden drehen musste, um es zu zählen; ich hatte das Gefühl, es gestohlen zu haben". Er hatte bald seine erste eigene Radioshow, beschäftigte acht Pointenschreiber ("the joke factory") rund um die Uhr - und verheizte (ähnlich wie die Stand-up-Komiker Woody Allen, Mel Brooks und in Deutschland Harald Schmidt) an einem Abend, woran sie einen Monat geschrieben hatten. Denn wo andere eine Pause einlegten, um Platz zu lassen für das Gelächter, da raste seine Suada weiter, so dass die Lacher erst in der Mitte der nächsten Geschichte kamen. Das war seine trade mark genauso wie das unmögliche Gesicht mit dem Unterkiefer einer deutschen Dogge und den kleinen Augen eines Reptils. - So war er nach Hollywood gekommen, wo er mit Bing Crosby in einer der erfolgreichsten Filmserien aller Zeiten spielte.

Es waren in den 40er Jahren und bis in die 60er hinein die "Road to..."-Filme (nach Singapur, Sansibar, Rio, Hongkong, Utopia), und Bob Hope war der Trottel, der die Frau - meistens Dorothy Lamour - nie bekam und seinem Partner überlassen musste. In Road to Morocco sorgt er sich darum, dass die Leute in der Mitte des Films noch keine Ahnung haben vom Preis des Abenteuers.

Mit Bing Crosby hatte er auch musikalische Debatten, aber dass es ihm ein Genuss war, allein zu singen, bewies er etwa in dem Musical-Film Fancy Pants, der in Deutschland Herz in der Hose hiess und Bob Hope einen Schmierenkomödianten sein liess, der sein Glück als Butler einer neureichen Lady macht:

Sein schönster Film aber war "Paleface", in Deutschland "Sein Engel mit den zwei Pistolen", und das war Jane Russell als Calamity Jane, die in dieser Westernparodie dem reisenden Zahnarzt Peter Potter den Fluchtweg vor seinen wütenden Patienten freischiessen muss. - So liebten ihn seine Amerikaner, wie sie den Patrioten in ihm liebten, der von 1941 an und dann ein halbes Jahrhundert lang an allen Fronten, zuletzt noch beim Golfkrieg, die Gis mit seinen stets hygienischen harmlosen Witzen zulaberte. Längst war er, obwohl nie Soldat, Ehrengeneral der US-Army, und zuletzt sogar noch Ehrenveteran. Er konnte es sich leisten, von Ronald Reagan, als der Präsident wurde, zu sagen, dass er in Washington ein besserer Schauspieler sei als er es in Hollywood gewesen sei. Er konnte immerhin darauf verweisen, dass er elf Präsidenten unterhalten und einen Buddy bezahlt hatte, Prescott Bush, dessen Sohn und Enkel Präsidenten der Vereinigten Staaten wurden. Er hat immer seinen Preis gekannt; noch als 90jähriger nahm er für den Auftritt bei privaten Partys 16.000 Dollar, und als man ihm für eine dreistündige Lesung aus seiner Autobiographie 100.000 Dollar anbot, lehnte er ab, weil es ihm zu wenig schien. Kein Wunder, dass der Gagaholic wenig zu Hause in San Fernando war. "Meine Frau zog die Kinder auf", sagte er, "und ich war der Ehrengast. Jahrelang glaubten sie, ich sei der Gasmann." - Jetzt kommt er überhaupt nicht mehr nach San Fernando.

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