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StartseiteKultur heuteWas diese Frau so alles trieb13.05.2019

Zum Tod der Schauspielerin Doris DayWas diese Frau so alles trieb

97 Jahre alt ist sie geworden, die Hollywoodlegende Doris Day. Ihre Filmlaufbahn war schon 1968 zu Ende. Und doch wurde sie von erstaunlich vielen noch gekannt und verehrt, vor allem in den USA. Doris Day stand für einen neuen Frauen-Typ, der das Ende der Nachkriegs-Restauration markierte.

Von Beatrix Novy

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Schwarzweiss Portrait von Doris Day. (imago images / ZUMA Press)
Schauspielerin und Sängerin Doris Day (1922 - 2019) (imago images / ZUMA Press)
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Eine Reise durch das Genre der romantischen Komödie

Ein Typ, der nicht jedermanns und jederfrau Sache war: Das frische Gesicht wie ein Stück Kernseife, dazu die skulpturale kunstblonde Dauerwellfrisur auf dem Kopf und die Mode der frühen 60er. Sackartige Blazer, ungünstige Rocklängen, eine Mode, die selbst die aufregendste Schönheit im wörtlichen Sinne alt aussehen ließ. Heute, die Perspektive hat sich mehrfach gedreht, erscheint gerade Doris Days Hausfrauen-Appeal samt Nerzjäckchen und Krokotäschchen als das amüsant-widersprüchliche Element ihrer erfolgreichen Komödien.

Von wegen harmlose Hausfrau

In diesen Komödien, mit denen sie seit den späten 50ern Erfolg hatte, spielte sie eben keine harmlosen Hausfrauen, sondern vielmehr toughe, patente, schlagfertige und berufstätige junge Damen, die auf den Hafen der Ehe und das dazugehörige Küchendasein zwar zusteuern, aber so, dass Jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat: Das Ende der Nachkriegs-Restauration war nah, der Feminismus stand vor der Tür. Vorerst aber blieben Doris Days Film-Männer, allen voran Rock Hudson, vor der Tür - der zum Schlafzimmer. Das Erotische zündelte nur in den vorehelichen Disputen, im Schlagabtausch zwischen Mann und Frau. "Bettgeflüster", "Ein Pyjama für zwei", "Was diese Frau so alles treibt": Filme in der Tradition der Screwball-Comedy - weniger verrückt, weniger atemlos, aber keineswegs lahm.

Viele Gesichter und Stimmfarben

Und oft gab es eine Gesangseinlage. Denn Sängerin war Doris Day von Haus aus. Die Tochter eingewanderter Deutscher wurde als Doris von Kappelhoff in Cincinnati geboren - ob 1922 oder 24, war lange fraglich, sie hielt sich verständlicherweise an die letztere Version.

Nachdem ein Autounfall die angestrebte Tanzkarriere zunichte gemacht hatte, verlegte sie sich auf das Singen. Schon als 17-Jährige trat sie im lokalen Radio auf, mit den Songs ihrer jazzbeschwingten Ära. Ihr erster Erfolg "Day by Day" bescherte ihr den neuen Nachnamen: Der war einfacher auszusprechen als von Kappelhoff. Das berühmte "Que sera" hatte sie im Repertoire, lange bevor Alfred Hitchcock sie im Thriller "Der Mann, der zuviel wusste" mit James Stewart zusammenspannte.

In solchen Filmen hatte Doris Day Gelegenheit, mehr zu zeigen als ihr oft allzu prägnantes komödiantisches Minenspiel: einen Hauch von Hysterie, eine Fähigkeit zur Schwermut. Ihre Stimme klang rauer, ihre Sprechweise distanzierter, als es die deutsche Synchronisation vermuten ließ.

Letzter Chart-Erfolg mit 89

In ihrer eisernen Adrettheit sah Doris Day nicht nur aus wie eine typische Republikanerin. Sie, die Reagan- und Bush-Freundin, war auch eine. Aber an erster Stelle galt ihr Engagement den Tieren und dem Tierschutz: Konsequenz aus einem Leben, das weit entfernt war von dem ihr aufgedrückten Sauberfrau-Image und vom Komödiantischen: eine sehr frühe Ehe, die scheiterte, ebenso wie die zweite. Ihr dritter Ehemann verjubelte ihr Geld, bevor er starb. Und Doris Day musste erleben, dass ihr Sohn, das einzige Kind, vor ihr starb, an Krebs. Zuvor hatte er ihren letzten großen Erfolg vorbereitet: eine CD mit unveröffentlichten Songs, die 2011 ein internationaler Chart-Erfolg wurde. Da war Doris Day 89  - nicht mehr stupsnasig-niedlich wie früher, sondern eine schöne alte Frau.

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