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StartseiteKultur heuteOptimistischer Universaldenker02.06.2019

Zum Tod des Philosophen Michel SerresOptimistischer Universaldenker

Nur wenn Menschen lernen, über ihren Tellerrand zu schauen, ist das globale Inferno noch abwendbar - so mahnte der französische Philosoph Michel Serres immer wieder in seinen Büchern. Dabei war er eigentlich ein Optimist, so Jürgen Ritte im Dlf. Gestern ist Michel Serres mit 88 Jahren gestorben.

Jürgen Ritte im Gespräch mit Kathrin Hondl

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Der französische Philosoph Michel Serres (Joel Saget / AFP)
Der französische Philosoph Michel Serres (Joel Saget / AFP)
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Vom Verhältnis Mensch zu Ding

"Meine Damen und Herren, hören Sie gut zu, denn was Sie jetzt hören werden, wird Ihr Leben verändern" - so begann der französische Philosoph Michel Serres seine Vorlesungen, die zwar vielleicht nicht das ganze Leben seiner Zuhörerschaft verändern konnten, aber ihr Denken.

An der Sorbonne in Paris war Michel Serres Professor für Wissenschaftsgeschichte. Er unterrichtete Philosophie an der Stanford University in Kalifornien, schrieb mehr als 50 Bücher, war Mitglied der Académie francaise und regelmäßig auch im französischen Radio zu hören. Da sprach er jeden Sonntag über "Gott und Welt" – wobei es Michel Serres um letztere ging.

Früher war nichts besser

Unsere Welt und die Gestaltung unserer Zukunft waren seine Thema. "Was genau war früher besser?", fragte er in seinem letzten Buch. Dabei war Michel Serres überzeugt, dass früher nichts besser war. Er sei ein Philosoph gewesen, der immer ein Optimist geblieben sei, betont der deutsch-französische Literaturwissenschaftler Jürgen Ritte.

Michel Serres war ein unkonventioneller Philosoph - ein Schelm und Querdenker. Er habe sich stets dadurch ausgezeichnet, am Konkreten zu philosophieren, so Ritte. Zum Beispiel habe er über Wein genauso gesprochen wie über Fast Food, Malerei, Jules Vernes oder "Tim Struppi".

Der Körper wusste sich zu retten

Der Philosoph stammte aus dem südwestfranzösischen Agen. Vor dem Philosophiestudium war er bei der Marine, was sich auch in seinen Werken niederschlug. So schildert Michel Serres in seinem Buch "Die fünf Sinne" am Anfang die Erfahrung eines Schiffbruchs, den er selbst bei der Marine erlebte. Sein Körper habe gewusst, wie man sich rettet. Und da habe er erfahren, was seine Seele sei und wo sie sei.

Serres galt als Universaldenker und überschritt dabei Wissenschaftsgrenzen. Er vertrat den Ansatz eines ganzheitlichen Wissenschaftsverständnisses: Denn nur wenn die Menschen lernen, über ihren eigenen Tellerrand zu blicken, sei das globale Inferno noch abwendbar, warnte Serres in Büchern und Interviews.

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