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StartseiteKultur heute"Es ist ein Jammer, dass er genau jetzt sterben muss"07.09.2018

Zum Tod von Burt Reynolds"Es ist ein Jammer, dass er genau jetzt sterben muss"

Schnurrbart, enge Hosen, offener Hemdkragen und Kippe im Mund - in den 1970er-Jahren verkörperte Burt Reynolds das Männlichkeitsideal seiner Zeit. Er ließ sich sogar nackt auf einem Bärenfell ablichten. Gestern ist der US-amerikanische Schauspieler im Alter von 82 Jahren gestorben.

Daniel Kothenschulte im Gespräch mit Kathrin Hondl

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Schauspieler Burt Renoylds in dem Spielfilm "Heat" (1987) (pciture alliance / dpa / Cover Images)
Der amerikanische Schauspieler Burt Reynolds galt als männliches Sexsymbol - für "Cosmopolitan" posierte er nackt und schnauzbärtig auf einem Bärenfell (pciture alliance / dpa / Cover Images)
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1972 gelang Burt Reynolds mit dem Film "Beim Sterben ist jeder der Erste" der Durchbruch. Ein Film, in dem sich ein paar Großstädter auf Kanutour begeben, dabei ereignen sich einige "böse Dinge", so Kothenschulte. Eigentlich ein "ganz untypischer Film" für Reynolds, der erst später in einem anderen, leichteren Genre Karriere gemacht habe: In Filmen, "wo ein Schurke zehn Polizisten crashen lässt" und es "immer lustig" zuging. Filme, wie sie in Europa vielleicht Jean-Paul Belmondo gespielt hätte. Burt Reynolds spielte in Filmen, deren deutsche Titel gut wiedergeben, worum es in ihnen ging, wie etwa "Auf dem Highway ist die Hölle los" oder "Ein ausgekochtes Schlitzohr". Dem Filmkritiker Daniel Kothenschulte zufolge ging es hier "um Männlichkeitsideale": Ein "charmanter Ganove, der irgendwo unter den ganzen Muskeln trotzdem noch ein Herz hat".

"Fetischisierung von Sexualität, Schönheit und Körperlichkeit"

In den 1970er Jahren galt Burt Reynolds als ein männliches Sexsymbol. Für die "Cosmopolitain" posierte er nackt und schnauzbärtig auf einem Bärenfell. Das erste Centerfold, das einen Mann im Pin-Up-Genre zeigte. "Man konnte darüber streiten, was mehr Haare hatte von den beiden Objekten, das war ein Durchbruch, damit haben wir viel erreicht in der Feminismusdebatte, dass da eben auch von beiden Seiten eine Objektivierung, eine Fetischisierung von Sexualität, Schönheit und Körperlichkeit stattfand", resümiert Kothenschulte. Fotos, die Reynolds im eigentlichen Wortsinn "von allen Seiten" zeigten: "Er war jemand, der zu seiner Schönheit stand" und der zu dieser Zeit sogar Robert Redford als schönsten Mann Hollywoods den Rang ablief.

Vertrauter Männertyp

Woody Allen hatte Reynolds 1972 als Testosteron- und Spermakontrolloffizier in seinem Film "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten" besetzt. Laut Kothenschulte kommt uns dieser Männer-Typ heute durch die Nostalgie- und Retrowelle "wieder total vertraut und liebenswürdig vor": "Es ist ein Jammer, dass er gerade jetzt sterben muss."  Auch bei Paul Thomas Anderson, der Mann, der ihn entdeckt hat, strotzt Reynolds in "Boogie Nights" vor praller Männlichkeit: Dort spielt er einen Porno-Darsteller, den er "so gut" spielte, dass er dafür sogar eine Oscar-Nominierung bekam.  In seinen späteren Jahren hatte er einen hohen Schuldenberg angehäuft, konnte sich aber wieder "nach oben" spielen.

Die 70er Jahre: "Welle von Spaß und Selbstironie"

Kothenfolge kennt "nur ganz wenige Schauspieler, die so typisch sind für den Geschmack ihrer Zeit" wie es Burt Reynolds war. Ein Schauspieler, der für ihn Filmgeschichte geschrieben habe: "Wenn man einen Film sieht wie Auf dem Highway ist die Hölle los", fühle man sich so, wie sich die Leute 1978 gefühlt haben, als der Film gedreht worden ist: Man sei inmitten "dieser unglaublichen Welle von Spaß und Selbstironie, die man damals vielleicht gar nicht so gesehen hat. Heute sehen wir aber, dass das eine Zeit war, die über ihre ganze Verschwendung lachen konnte."

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