Dienstag, 16.07.2019
 
StartseiteBüchermarkt"Er war zuständig für die deutsche Avantgarde seiner Zeit"13.12.2018

Zum Tod von Jürgen Manthey"Er war zuständig für die deutsche Avantgarde seiner Zeit"

Jürgen Manthey arbeitete als Kritiker und Redakteur, als Lektor und Professor. Nun ist er im Alter von 86 Jahren gestorben. Manthey sei ein außerordentlich kluger, belesener und denkender Publizist gewesen, sagte der Autor und ehemalige Hanser-Verleger Michael Krüger im Dlf.

Michael Krüger im Gespräch mit Miriam Zeh

Bildnummer: 56958623 Datum: 12.11.2004 Copyright: imago/teutopress Dr. Jürgen Manthey (re.) mit Lutz Seiler 11/04 thg Mann Literatur Treffen Treffen in Telgte Autor Autoren Schriftsteller grauhaarig dunkelhaarig kurzhaarig leger halb quer sitzend lächelnd Gespräch Gesprächsrunde sprechend Werkstattgespräch 4. Schriftstellertreffen am 12.11.2004 in Telgte People x0x xkg 2004 quer 56958623 Date 12 11 2004 Copyright Imago Dr Jürgen Manthey right with Lutz Seiler 11 04 THG Man Literature Meeting Meeting in Telgte Author Authors Writer grauhaarig dark haired short casual half horizontal seated smiling Conversation Round of talks Spoken Workshop discussion 4 at 12 11 2004 in Telgte Celebrities x0x xkg 2004 horizontal (imago stock&people)
Der Kritiker und Redakteur Jürgen Manthey ist im Alter von 86 Jahren gestorben (imago stock&people)

Jürgen Manthey prägte die Literatur und den Literaturbetrieb in zahlreichen Funktionen. Er arbeitete als Kritiker und leitete die Literaturredaktion des Hessischen Rundfunks. Manthey war Cheflektor beim Rowohlt Verlag und Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Essen. Heute ist er im Alter von 86 Jahren gestorben.

Im Gespräch erinnert sich der Autor und ehemaligen Hanser-Verleger Michael Krüger an Manthey als "außerordentlich klugen, belesenen und denkenden Publizisten" und "Universalhistoriker". Mit dem Rowohlt Literaturmagazin und der Reihe "das neue buch" betreute er ab 1973 zwei der bedeutendsten Schriftreihen der Literatur seiner Zeit. "Das Rowohlt Literaturmagazin war das Sprachrohr meiner Generation für die deutsche Literatur", so Krüger. Regelmäßig meldeten sich hier Autoren zu politischen und gesellschaftlich relevanten Fragen zu Wort.

Seit 1970 in der Funktion als Cheflektor förderte Manthey außerdem im besonderen Maße die Poesie und die amerikanische Literatur. Er betreute etwa das Werk von Peter Rühmkorf und machte Thomas Pynchon, unter anderem in der Übertragung von Elfriede Jelinek, in Deutschland bekannt. "Er war für die deutsche Literatur dieser Zeit, für die damalige Avantgarde zuständig", resümiert Krüger.

Als Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, 1986 bis 1998 an der Universität Essen lehrend, bemühte er sich für die Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis. Immer wieder lud Manthey Schriftsteller und Literaturkritiker für ein Semester an die Universität ein. Seit 1976 betreute er das bis heute an fortgeführte poet in residence-Programm.

Eine wichtige literaturwissenschaftliche Studie Mantheys "Wenn Blicke zeugen könnten" von 1983 beschäftigt sich mit dem Sehen in der Literatur. Sein Hauptwerk "Königsberg. Geschichte einer Weltbürgerrepublik" wurde zum Bestseller. Zum ersten Mal beschrieb Manthey die Stadt nicht nur als Geburtsort Immanuel Kants, sondern als Zentrum des deutschen Geistes.

In den letzten zehn Jahren seines Lebens arbeitete Jürgen Manthey an einem Buch über die Ostsee. "Von diesem Buch gibt es 2000 Seiten Handschrift, aber es ist leider nicht vollendet worden", so Krüger.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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