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StartseiteKultur heuteVerführer und Überraschungstäter16.11.2018

Zum Tod von Rolf Hoppe Verführer und Überraschungstäter

Er wird vielen fehlen: Der Schauspieler Rolf Hoppe konnte in den denkbar verschiedensten Rollen beeindrucken, ob als König im kultigen Märchenfilm "Drei Nüsse für Aschenbrödel" oder als Hermann Göring in Istvan Szabos "Mephisto". Er starb in Dresden im Alter von 87 Jahren.

Von Andreas Berger

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Der Schauspieler Rolf Hoppe  (dpa / picture alliance / Arno Burgi)
Der Schauspieler Rolf Hoppe (dpa / picture alliance / Arno Burgi)
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Er freute sich immer wieder, dass ihm mit weit über 80 nach wie vor Drehbücher zugeschickt wurden:

"Ja, dass ich immer wieder gewollt wurde, dass man mich immer wieder besetzt hat, das ist doch ein Glück. Ich bin gern Schauspieler gewesen."

Auf der Suche nach dem Heiteren

Wieviel unterschiedliche Charaktere hat er uns in all den Jahren vor Augen geführt: In ihrer Liebenswürdigkeit wie in ihrer Abscheulichkeit - in hellen wie in dunklen Momenten.

"Dass die Menschen das erkennen, dass die freundlichsten Menschen auch die gefährlichsten sein können. Weil man ihnen glaubt."

Für viele Regisseure war er genau dafür die Idealbesetzung. Er selbst sah sich genauso gern als Mann mit der roten Nase:

"Gut, ich habe mich mit dem Clownesken, der Suche nach dem Heiteren immer beschäftigt. Das Lachen als Lebenshilfe wollte ich schon gern unter die Leute bringen." 

Rolf Hoppe erinnerte sich gern an seine gut 400 Rollen im Kino und Theater sowie fürs Fernsehen:

"Ich glaube, zugefallen ist mir nichts. Ich glaube schon, ich bin einer der immer was tun musste. Ich bin fleißig gewesen, jawohl."

"Nichts war anders. Nichts wie vorher. Nichts war anders. Nichts wie vorher."

"Musste zum Schluss alles am Klang erkennen, ob Weib oder Kind. wenn sie zu mir an den Notentisch traten. Wenn ich vor meinen Thomanern stand. Herrlich, dieser Klang der Knabenstimmen!"

Zwei Oscarnominierungen

Rolf Hoppe für den Mitteldeutschen Rundfunk als nachdenklicher Naturgeist "Grummling", der nach der Jahrhundertflut 2002 in Weesenstein mit den Menschen haderte, immer wieder Raubbau an der Natur zu treiben. Und als kurzzeitig erblindeter Johann Sebastian Bach. Ob fürs Radio oder in Filmen: Rolf Hoppe war dank seiner Stimme und seines markanten, meist bärtigen Gesichtes immer sofort zu erkennen. Für Jan Josef Liefers war Rolf Hoppe sogar das Zünglein an der Waage, überhaupt den Beruf des Schauspielers zu ergreifen.

"Der Einzige, dem ich mich jemals getraut habe, was vorzusprechen, das war Rolf Hoppe. Wenn der Rolf gesagt hätte damals: Das ist ganz toll, weiß ich nicht genau, ob ich die Aufnahmeprüfung bestanden hätte, weil es war natürlich auch 'ne Motivation, dass jemand, den man selber sehr verehrt, dass der einem dann sagt: Du hast mich nicht überzeugt. Das, dachte ich, ist scheinbar was Wichtiges in dem Beruf, dass man als Schauspieler überzeugend ist."

Rolf Hoppe, der gebürtige Ellricher aus dem Harz, war der einzige aus dem Osten stammende Charakterdarsteller, der das Glück hatte, in gleich zwei oscarnominierten Spielfilmen mitgewirkt zu haben: in der Satire auf die Hitlertagebücher "Schtonk" und 11 Jahre zuvor, 1982, in "Mephisto"

"Wir werden über ganz Europa herrschen, die ganze Welt, wir schaffen das 1000jährige Reich. Hendrik Höfgen!"

"Ein gefährliches Raubtier auf leisen Pfoten"

Für "Mephisto"mit Rolf Hoppe als Göring gab`s 1982 den Oscar als besten fremdsprachigen Film. Der österreichische Schauspielstar Klaus Maria Brandauer, in "Mephisto" der Hendrik Höfgen, schwärmt von der Zusammenarbeit mit dem Wahldresdner Hoppe:

"Als Schauspieler ist er ein gefährliches Raubtier, das auf ganz samtenen leisen Pfoten daherkommt. Er ist ein Verführer als Schauspieler, ein Überzeugungs- und Überraschungstäter."

"Es ist ein Glücksbringer gewesen, dass ich in diese Truppe geraten bin und dass ich mich mit Klaus Maria Brandauer so gut verstanden habe. Das war schon ein Glück."

In Vergessenheit droht er nicht zu geraten, denn schon zu Weihnachten wird er uns als König im Märchenklassiker "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" in mehreren Fernsehprogrammen wiederbegegnen.

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