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StartseiteBüchermarkt"Eine Eleganz des Denkens"26.10.2017

Zum Tod von Silvia Bovenschen"Eine Eleganz des Denkens"

Die Berliner Erzählerin und Essayistin Silvia Bovenschen ist heute im Alter von 71 Jahren verstorben. Ihre Schriften zur weiblichen Identität seien ein "feministischer Meilenstein" gewesen, so der Autor Thomas Meinecke im Dlf. Aber auch ihr literarischer Stil habe große ästhetische Qualitäten.

Thomas Meinecke im Gespräch mit Hubert Winkels

Silvia Bovenschen, deutsche Literaturwissenschaftlerin, Autorin, Essayistin und Schriftstellerin. (picture alliance / Erwin Elsner)
Mitglied der Akademie der Künste sowie der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung: Die Literaturwissenschaftlerin, Autorin, Essayistin Silvia Bovenschen (picture alliance / Erwin Elsner)
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Bei ihren frühen Schriften aus den 70er Jahren handele es sich um eine "unglaubliche Leistung der frühen feministischen Dekonstruktion", erklärte Thomas Meinecke im Dlf. So sei er von Anfang an von ihrem Buch 'Die imaginierte Weiblichkeit' fasziniert gewesen. Der Band aus dem Jahr 1979 sei ein Werk, "in dem Bovenschen den Unterschied zwischen schreibenden und beschriebenen Frauen so auseinander setzt, dass man wirklich unglaublich viel davon lernen konnte", so der Autor und Theoretiker. "Das war für mich ein feministischer Meilenstein."

Bovenschen habe eine "Eleganz des Denkens" ausgezeichnet. "Eigentlich war in ihrer gesamten Haltung eine unglaubliche Eleganz." Das habe sich auch in ihrem Erscheinungsbild geäußert, aber ebenso in ihrem Schriftbild. Deswegen habe er die Lektüre ihrer Texte immer auch als ein ästhetisches Vergnügen empfunden.

Eine aufrechte Haltung

Ihrer Erkrankung an Multipler Sklerose - eine Krankheit, wegen der sie in den letzten Jahren auch auf den Rollstuhl angewiesen war - sei Bovenschen sei sie mit ungewöhnlicher Selbstdisziplin begegnet. "Trotz der Erkrankung blieb sie aufrecht und gab sich dem nicht einfach hin, dass sie gebrechlich wurde." Er habe das als eine "Frida Kahlo'sche Tapferkeit" empfunden. Da sie bereits mit Mitte 20 an Krankheiten gelitten hat, war das ihre Art durchs Leben zu gehen.

Über die Beziehung zu ihrer Lebenspartnerin, der Künstlerin Sarah Schumann, sagte Meinecke, es sei eine "absolut faszinierende Liebesbeziehung" gewesen. "Es gibt ja schließlich auch in diesem letzten Buch von Silvia Bovenschen, 'Sarahs Gesetz', eine unglaublich tolle Liebeserklärung an diese Lebenspartnerin, die aber immer noch ganz stark gezeichnet ist von einem Wundern, einem Staunen über diesen Menschen, der einem da am nächsten steht."

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