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StartseiteKultur heute"Alles, nur nicht harmlos"09.02.2019

Zum Tod von Tomi Ungerer"Alles, nur nicht harmlos"

Kinderbücher, politische Karikaturen, pornografische Zeichnungen: All das hatte seinen Platz im künstlerischen Universum von Tomi Ungerer. Jetzt ist der französische Schriftsteller und Zeichner im Alter von 87 Jahren gestorben. "Der Mann war eine Offenbarung", würdigte ihn der Illustrator Nikolaus Heidelbach im Dlf.

Nikolaus Heidelbach im Gespräch mit Anja Reinhardt

Bei einer Pressekonferenz am 15.11.2011 zeigt der elsässische Künstler Tomi Ungerer lachend eine Seite seines neuen Buches, auf der die Karikatur eine halbnackte Frau von hinten zu sehen ist. (picture alliance / dpa / Rolf Haid)
Vielfältig und facettenreich: das Spektrum von Tomi Ungerers Werk reicht von Kinderbüchern bis zu erotischer Satire (picture alliance / dpa / Rolf Haid)
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Drei Herzinfarkte und vieles Andere hat er überlebt: 1931 wurde Tomi Ungerer in Straßburg geboren, die deutsche Besatzung und der Zweite Weltkrieg haben ihn geprägt, und vielleicht hat er sich deswegen auch nie nur an einem Ort zuhause gefühlt. Ungerer hat in Frankreich, Amerika, Kanada, Irland und der Schweiz gelebt und ist vor allem für seine Kinderbücher mit Titeln wie "Der Mondmann" oder "Die drei Räuber" bekannt geworden. Er hinterlässt über 40.000 Zeichnungen, mehr als 150 Bücher, außerdem zahlreiche Bilder, Lithographien und Skulpturen. Tomi Ungerer war ein Arbeitstier, das immer auch politisch und sozial dachte. Er engagierte sich gegen Rassismus und für die deutsch-französische Verständigung. 2007 widmete man ihm in Straßburg ein eigenes Museum, das Ungerers Werk seither in wechselnden Ausstellungen dem breiten Publikum zugänglich macht.

Bahnbrecher für die Kinderliteratur

In der Nacht zu Samstag ist Tomi Ungerer im Alter von 87 Jahren im Haus seiner Tochter in Irland gestorben. Der Illustrator Nikolaus Heidelbach, der Ungerer persönlich kannte, würdigte im Dlf die immense Bedeutung, die der Franzose für die Entwicklung des Kinderbuchs hatte. Ungerer sei davon überzeugt gewesen, dass Kinderliteratur alles, aber nicht harmlos sein dürfe. Heidelbach nannte ihn einen "Bahnbrecher, dem mindestens eine Generation [von Illustratoren] verdankt, dass sie sich wesentlich freier als vorher im Kinderbuch bewegen kann".

Der Illustrator beschrieb Ungerer außerdem als einen Künstler, der etwas riskiert habe, sich dabei aber immer selbst treu geblieben sei: "Der hatte keinen Strich für Kinder, sondern der hatte den Ungerer-Strich. Und mit dem hat er gearbeitet, egal ob es in die Erotik ging, gar in die Pornografie, oder ob es um Kinder ging."

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