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StartseiteSport AktuellOpfer der eigenen Diskretion19.04.2021

Zur Autobiografie von Arsène WengerOpfer der eigenen Diskretion

Zu den erfolgreichsten Fußballtrainern der Welt gehört Arsène Wenger. Über zwei Jahrzehnte führte er den FC Arsenal und gewann mehrere Meisterschaften und Pokalsiege. Durch seine Autobiografie "Mein Leben in Rot und Weiß" hatten sich viele Fans tiefgehende Einblicke erhofft.

Buchrezension von Stefan Osterhaus

Der französische Ex-Fußballtrainer Arsène Wenger (picture alliance / Solo Syndication / Daily Mail)
Der französische Ex-Fußballtrainer Arsène Wenger (picture alliance / Solo Syndication / Daily Mail)

Unter den großen Trainern des Weltfußballs war Arsène Wenger ein ganz besonderer Kandidat. Nicht nur sein Auftreten ragte heraus: Stets tadellos gekleidet, mutmaßlich in einen Maßanzug von der Londoner Savile Row, die Ausdrucksweise wohl gewählt, dazu in einem Maße diskret, dass er den Boulevard verzweifeln ließ.

Loyaler Ausnahmetrainer

Beinahe 22 Jahre hielten Arsenal London und er es miteinander aus – auf diesem Niveau eine unerreichte Marke, die sogar noch die Dauer des Engagements seines Kollegen Alex Ferguson von Manchester United übertrifft. In Deutschland gibt es nicht einen einzigen Trainer, der auch nur annähernd auf eine solche Verweildauer kommt, nicht einmal Otto Rehhagel und Thomas Schaaf, die beide 14 Jahre lang Werder Bremen trainierten.

Woran hat es also gelegen, dass Wenger derart lange bei Arsenal blieb? Auskunft könnte die Autobiografie geben. "Mein Leben in Rot und Weiß" – die Clubfarben des FC Arsenal – heißt das Werk des Trainers aus dem Elsass. Wenger verspricht zu erklären, wie man Niederlagen verdaut und Erfolge erringt.

Wenig Erheiterndes, wenig Einblicke

Zunächst einmal fällt auf: Für ein derart langes Berufsleben als ehemaliger Profifußballer und Trainer ist die Biografie recht übersichtlich ausgefallen. 192 Seiten genügen Wenger, um das zu sagen, was er für nötig hält. Das sind weniger erheiternde Episoden als die Schilderung der Bedingungen, unter denen er jeweils tätig war.

Dies fällt mitunter recht detailliert aus. Bemerkenswert nüchtern geht Wenger, der heute bei der Fifa als "Direktor für globale Fußballförderung" ein Amt ausfüllt, vor. Nicht einmal der Name seines alten Rivalen José Mourinho fällt. Darüber könnte man fast vergessen, dass Wenger immerhin einmal ungeschlagen Meister in England wurde, dass er spektakulären Fussball spielen liess, dass er 2006 das Finale der Champions League erreichte. Und dass er solche Spieler wie Thierry Henry, Patrick Viera und Nicolas Anelka förderte. Nicht jeder von ihnen war ein einfacher Kandidat.

Nichts zu Özil

Einer der umstrittensten Profis in den letzten Jahren bei Arsenal war Mesut Özil. Wenger hat eine extrem hohe Meinung von ihm. Gerne hätte man ein wenig mehr darüber erfahren, warum Özil als eine derart ambivalente Figur wahrgenommen wird.
Seriös, aber alles andere als aufregend, so schildert Wenger sein Leben als Profitrainer. Und so wird der Autobiograph Wenger gewissermaßen Opfer der eigenen Diskretion. 

Arsène Wenger: "Mein Leben in Rot und Weiss"
Ariston-Verlag, 192 Seiten, 20 Euro

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