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StartseiteUmwelt und VerbraucherVorsicht vor Farbstoffen mit Warnhinweisen 16.08.2018

Zusatzstoffe in LebensmittelnVorsicht vor Farbstoffen mit Warnhinweisen

Wer die Geburtstagstorte fürs Kind so richtig bunt gestalten möchte, der greift schon mal zur Lebensmittelfarbe. Übersehen wird dabei manchmal, dass einige Döschen, Tuben und Fondantpakete Warnhinweise tragen. Unverträglichkeiten oder Ausschläge können die Folge sein. Doch was sind die Alternativen?

Von Anke Petermann

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Zuckergusstüten mit Lebensmittelfarbe in verschiedenen Farben liegen auf einem Tisch in einer Bäckerei. (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
So richtig bunt wird es mit Lebensmittelfarbe. (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
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Christa Göllner will die Torte fürs neu geborene Enkelkind mit Zuckerpaste, also Fondant, dekorieren.

"Ich färbe jetzt Mond und Stern mit Fondant– für eine Babyparty."

Im Koblenzer Fachgeschäft "Tortenstyling" lässt sich die Hobby-Bäckerin von Inhaberin Margit Hoffmann ein 25-Gramm Farbtöpfchen zeigen.

Farbstoffe mit Warnhinweisen

Das gelbste Gelb des britischen Herstellers heißt Melon, dahinter verbirgt sich die Azo-Farbe E 102 Tartrazin. Einer von sechs Farbstoffen, der seit 2010 einen Warnhinweis tragen muss, und zwar: "Kann die Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen". Im quietschbunten Sortiment von "Tortenstyling" tragen viele Döschen, Tuben und Fondantpakete solche Warnhinweise. Doch die Kundinnen ignorieren sie. Denn für den feierlichen Anlass kommt es darauf an, dass die Torten-Deko starkfarbig, haltbar und geschmacksneutral ist.

Außerdem: "Man isst es nicht kiloweise."

Am besten gar nicht, meint Atanaska Dimova, die rote Schmetterlinge auf eine Kindertorte zaubern will. Der Azofarbstoff Allurarot kann bei empfindlichen Menschen Unverträglichkeitsreaktionen wie Ausschlag hervorrufen. Dimova kauft die Paste mit E 129 trotzdem. Eine Zahnstocher-Spitze davon reicht zum Färben aus.

"Nur für die Deko brauche ich die Lebensmittelfarbe."

Im Alltag liest Atanaska Dimova die Etiketten genau, gefärbten Joghurt lässt sie im Regal stehen.

"Wir sind aus Bulgarien, wir wissen, was Joghurt bedeutet – und deshalb essen wir natürlichen Joghurt."

Obst wird zuhause frisch dazu gegeben. Käse darf gern blass aussehen – gute Qualität kommt ohne Beta-Karotin aus, findet die Bulgariendeutsche.

"Ich bin Chemielehrerin. Ich weiß, worum es geht. Und deshalb nutze ich solche Lebensmittelfarbe nicht."

Kritisch wird es, wo Farbe darüber hinwegtäuschen soll, dass Hersteller wenig von der Wert- und Namengebenden Substanz verwenden, ob das nun teure Erdbeeren im Joghurt oder scharfer grüner Meerrettich alias Wasabi im Erdnuss-Mantel sind. So beschreibt Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz die schwammige Grenze zur Kundentäuschung.

Bei Wasabi-Nüssen haben Tester zum Beispiel festgestellt, "dass der Anteil von Wasabi an diesen Nüssen verschwindend gering ist – im Promillebereich nahezu, dafür wird Spirulina-Algenextrakt hinzu gegen, der hat eine grüne Farbe"
oder Chlorophyll-Farbstoff.

Rückgriff auf natürliche Farbstoffe

Beim Alltagseinkauf geht der Trend jedenfalls weg von den synthetischen Farbstoffen, weshalb die Hersteller auf natürliche Farbstoffe setzen, konstatiert Susanne Umbach, sei es Karminrot aus Schildläusen, Schwarz aus Sepia-Tinte oder Cucurmin aus der Gelbwurzel.

"Oder färbende Lebensmittel verwenden, die gar nicht als Zusatzstoffe gekennzeichnet werden müssen."

Die Koblenzer Konditormeisterin Gabriele Mürtz hat vom Chef Weisung bekommen, genau das zu tun - und greift nun in die Tiefkühltruhe:

"Also, wir arbeiten viel dann mit TK-Früchten, die wir auftauen und pürieren zum Beispiel. Mit Rote-Beete-Saft kann man arbeiten, da gibt es verschiedene Möglichkeiten."

Flüssigen Paprika-Extrakt bietet der Fleischereibedarf an, ein bis zwei Gramm pro Kilo Wurst, lautet die Empfehlung an den Metzger. Fleisch dagegen darf man nicht durch Zusätze röten, weiß Lebensmittel-Expertin Umbach.

"Bei einer sehr großen Palette an unverarbeiteten Lebensmitteln - das sind 32 Produktgruppen von Ölen über Tomatensauce, Fisch, verschiedene Getränke, Kaffee, Tee – all diese Produkte dürfen nicht gefärbt werden."

Brot auch nicht. Dennoch ist es Trend, dass Bäcker Brote dunkel präsentieren, um sie vollkornhaltig wirken zu lassen. Diesen Effekt erreichen sie oft mit Malz-Extrakt, der nicht als Zusatzstoff zugelassen und deklariert werden muss. Besser nachfragen, um an echte Vollkornbrote zu kommen, rät Susanne Umbach, denn in Farbe und Konsistenz können sie variieren.

"Man sollte sich auf jeden Fall nicht von einer dunklen Farbe täuschen lassen."

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