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StartseiteKultur heute450 Millionen in den Wüstensand gesetzt?05.06.2019

Zweifel an angeblichem Leonardo-Werk450 Millionen in den Wüstensand gesetzt?

Stammt das teuerste Gemälde der Welt tatsächlich von Leonardo da Vinci? Auch eine Expertin des New Yorker Metropolitan Museums nennt den "Salvator Mundi" nun ein Werkstatt-Bild. Sie ist nicht die erste - und seit der Rekord-Auktion vor zwei Jahren war das Bild auch nicht mehr öffentlich zu sehen.

Stefan Koldehoff im Gespräch mit Anja Reinhardt

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"Salvator Mundi", angeblich von Leonardo da Vinci (imago / Future Image)
Trophäenbild: das Christusporträt "Salvator Mundi", angeblich von Leonardo da Vinci (imago / Future Image)
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Das Christusporträt "Salvator Mundi", das angeblich vom Renaissance-Meister Leonardo da Vinci stammen soll, war im November 2017 bei Christie’s in New York für 450,3 Millionen Dollar (inklusive Gebühren) versteigert worden. Einen Monat später gab das Ministerium für Kultur und Tourismus des Emirats Abu Dhabi bekannt, dass der Staat das Gemälde ersteigert habe und in der Museumsfiliale "Louvre Abu Dhabi"  ausstellen wolle.

Zweifel schon bei der Rekordauktion

Schon zum Zeitpunkt der Rekordauktion gab es allerdings Zweifel daran, dass das Gemälde tatsächlich von der Hand Leonardo da Vincis stammte. Dass es die National Gallery in London 2011 trotzdem als sein Werk ausstellte, war auf massive Kritik anerkannter Leonardo-Experten gestoßen. Der Leipziger Kunsthistoriker Frank Zöllner verwies auf Lücken in der Herkunftsgeschichte des Bildes und auf dessen massive Überarbeitung vor dem Verkauf: Erst dadurch sei der verschwommene "Sfumato"-Effekt entstanden, der für Leonardo-Werke typisch ist. Andere Kunsthistoriker hatten nach Angaben des Museums und des Auktionshauses bei einem Symposium in London die Echtheit bestätigt.

Nur "einige kleine Retuschen" von Leonardo?

Carmen Bambach, Leonardo-Expertin und  Altmeister-Kuratorin am Metropolitan Museum of Art in New York, bestreitet nun allerdings im Branchendienst artnet.com, dass sie – wie im Auktionskatalog behauptet – das Gemälde für einen eigenhändigen Leonardo halte. Der Maler habe höchstens "einige kleine Retuschen" vorgenommen. Christie’s hingegen sieht keinen Grund, seine Position zu überdenken.

Der Streit um die Echtheitsfrage könnte einer der Gründe dafür sein, dass das Bild seit seiner Versteigerung nicht mehr zu sehen war und auch bei einer Leonardo-Ausstellung im Herbst in Paris wohl nicht zu sehen sein wird: Mit einer Schülerarbeit will man sich weder in Abu Dhabi noch in Frankreich blamieren.

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