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StartseiteHintergrundZwischen Skepsis und Hoffnung in Riga08.07.2013

Zwischen Skepsis und Hoffnung in Riga

Lettlands gespaltene Gesellschaft vor dem Beitritt zur Eurozone

Lettland wird zum 1. Januar 2014 der Eurozone beitreten. Auch wenn die finanziellen Voraussetzungen gut aussehen, gibt es bei der Bevölkerung Vorbehalte: Zu frisch ist die Erinnerung an die Sowjetzeit und den einstigen Verlust der Selbstständigkeit.

Von Sabine Adler

Ein Blick auf die lettische Hauptstadt Riga (AP)
Ein Blick auf die lettische Hauptstadt Riga (AP)

Lettlands Weg in die Eurozone können nur noch die Finanzminister der Euroländer aufhalten. Doch das werden Wolfgang Schäuble und seine Kollegen am 9. Juli schon deshalb nicht tun, weil sie viel eher jeden willkommen heißen, der hilft, die Gemeinschaftswährung zu stärken. Gerade jetzt in der Krise begrüßen sie jegliche Unterstützung. Dennoch sorgt der Beitritt zum 1. Januar 2014 bei Skeptikern für hochgezogene Augenbrauen.
In Lettland selbst hat jeder Dritte Vorbehalte gegen den Euro. Zum einen, weil die Letten an ihrem Lats hängen. War die eigene Währung doch schließlich der Beweis, dass sie sich vom großen Nachbarn Russland, früher der Sowjetunion, nach jahrzehntelanger Okkupation – wie sie sagen – befreit hatten.

Russische Minderheit ist skeptisch

Zum anderen sind viele Vertreter der russischen Minderheit in Lettland, die mit 30 Prozent größer als anderswo ist, euroskeptisch. Sie fürchten eine immer größere Distanz zu Moskau. Andere, weit weniger national gesinnte lettische Euro-Gegner betrachten die Einführung von Ferne, aus dem Ausland. Jeder zehnte Lette hat seine Heimat verlassen, weil sie ihm derzeit wirtschaftlich keine Perspektive bietet. Der Finanzexperte der lettischen Regierung, Nils Sakss, lächelt die Bedenken, ganz gleich, aus welcher Richtung sie kommen, weg:

"Wir hatten zwar nicht den Euro, aber ebenfalls eine Krise. Island ohne Euro erlebte eine Krise, Griechenland mit Euro steckt in einer Krise. Deswegen unterscheiden wir zwischen dem Euro als einer Währung, der Finanzpolitik der einzelnen Länder und Brüssels Fähigkeit, die aufgestellten Regeln zu kontrollieren und ihre Einhaltung durchzusetzen. Bei uns konnte man sich sehr leicht Geld leihen, ohne je gefragt zu werden, ob man überhaupt in der Lage ist, es zurückzuzahlen. Es wurden immer mehr Eigenheime gebaut, die Preise für Immobilien stiegen. So entstand eine regelrechte Immobilienblase. Und wie das mit Blasen so ist: Sie halten sich nicht lange. Das war der Hauptgrund für die Krise."

Dass sich Lettland freiwillig der Möglichkeit beraubt, den Lats einfach abzuwerten, halten Euro-Gegner für unklug. Die lettische Regierung glaubt dagegen, dass eine Währungsabwertung das Übel nicht an der Wurzel packt, sondern nur Symptome lindert. Deswegen hat sie die Staatsausgaben um 17 Prozent gekürzt, 30 Prozent der Staatsbediensteten entlassen, die Gehälter um 40 Prozent gesenkt, mit dem Ergebnis, dass die Arbeitslosigkeit von sechs auf 19 Prozent stieg, 100.000 Menschen ihrer Heimat den Rücken kehrten, andererseits aber das Wirtschaftswachstum wieder anzog - 2012 um fünf Prozent - und der Nothilfekredit drei Jahre früher als vorgesehen zurückgezahlt werden konnte.

Musik in den Ohren derer, die für ihre Sparpolitik derzeit viel gescholten werden. Der Finanzexperte Nils Sakss:

"Wir haben uns für die interne Abwertung entschieden. Wir haben unsere Gehälter und Löhne auf ein Niveau gebracht, das unserer Produktivität entspricht. Und wir haben aufgehört, auf Pump zu leben. Das hatte zur Folge, dass die Einkommen sanken und auch das Bruttosozialprodukt zurückging. Gleichzeit aber haben wir unsere Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen, die wir während der Immobilienblase verloren hatten. Lettland hat gezeigt, dass dieser Weg funktioniert. Wir können nicht erkennen, dass wir irgendetwas opfern, um den Euro zu bekommen."

Angst vor einem Identitätsverlust

Damit die Letten den Euro schnell auch als ihr Geld empfinden, ziert die Milda, das lettische Nationalsymbol, die Münze. Die Frauengestalt in einer Volkstracht, die hoch über dem Kopf drei Sterne in den Himmel hebt, steht für die Unabhängigkeit der kleinen baltischen Republik. Genau diese Eigenständigkeit könnte mit der europäischen Einheitswährung verloren gehen, fürchten viele Bürger, die deshalb dem Euro gegenüber skeptisch sind.

Anna Muhka:
"Es ist schade. Vielleicht ist es ein Identitätsverlust."

Sagt Anna Muhka und schränkt zugleich ein, dass der Lats bereits 2005 an den Euro gekoppelt wurde, die alte Währung also schon länger nur noch Fassade war.

Die Lettin kehrte erst vor 20 Jahren, nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit, in ihre Heimat zurück. Die Familie hatte jahrzehntelang im schwedischen Asyl das Ende der Sowjetbesatzung abgewartet.

Andere, die meisten, harrten zu Hause aus, übten sich in stillem Protest, wie der Lettland-Spezialist Detlef Henning vom Nordost-Institut der Universität Hamburg beobachtet hat. Er weiß um die Empfindlichkeit der Letten und deren Stolz auf ihre Identität. Der auch an einem Ort deutlich wird, wo man ihn zunächst nicht vermutet: auf dem sogenannten Brüderfriedhof in der Hauptstadt Riga.

Detlef Henning:
"Also wir gehen gleich auf den Seitenfriedhof. Und da ist eine Allee und auf dieser Allee ist das Grabmal des ersten lettischen Staatspräsidenten und Staatsgründers Janis Cakste, ein überzeugter Demokrat. Und dieses Denkmal ist während der Sowjetzeit nicht abgerissen oder vernichtet worden, sondern die Sowjets haben versucht, das Denkmal mit Büschen und Bäumen zuzupflanzen. Und die Letten sind am verbotenen Nationalfeiertag, am 18. November, nachts mit Kerzen hier hergekommen und haben versucht, die Bepflanzungen zu zerstören, indem sie Salz gestreut und die kleinen Pflanzen rausgerissen haben. Das waren verbotene Aktionen, und wenn man erwischt wurde, wurde man vom NKWD, später KGB, verhaftet und bekam große Schwierigkeiten."

Schlechte Erinnerung an UdSSR-Zeiten

Die sowjetischen Besatzer haben mit harter Hand regiert, sich um die Gefühle der unterworfenen Menschen nicht geschert. Dabei stand das proletarisch geprägte Lettland mit seiner starken Arbeiterbewegung am Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst auf der Seite Lenins, des Führers der Oktoberrevolution, weil der ihnen die Unabhängigkeit versprochen hatte. Aber der Revolutionsführer hielt nicht Wort, er dachte nicht daran, nach dem siegreichen Kampf gegen den Zaren die kleine Baltenrepublik in die Freiheit zu entlassen. Deswegen erkämpften sich die Letten ihre Souveränität in dem Krieg von 1918 bis 1920. Sie währte nur 20 Jahre. Auch deshalb begegnen die Letten ihre östlichen Nachbarn bis heute mit Argwohn.

Im Zweiten Weltkrieg wurde gemäß dem 1939 von Hitlerdeutschland und der Sowjetunion unterzeichneten Nichtangriffspakt mit seinem geheimen Zusatzprotokoll Lettland Teil der UdSSR, nahm sich Stalin, was ihm der Molotow-Ribbentrop-Pakt zugestand. Eine Herrschaft, die durch die deutsche Besatzung ab 1941 unterbrochen, nach dem Sieg über Hitlerdeutschland aber fortgesetzt wurde.

Die Sowjetunion gab Lettland nicht frei. Die Bürger wehrten sich im Partisanenkrieg, der auch und besonders auf dem dünn besiedelten Lande geführt wurde, das mit den weit von einander entfernten Gehöften ideale Bedingungen bot für Guerilla-Aktionen. Detlef Henning:

"Um diese Unterstützung der Partisanen zu brechen und die Individualität der baltischen bäuerlichen Bevölkerung zu brechen, hat man dann 1947 begonnen, die Landwirtschaft zu kollektivieren. Zunächst freiwillig. Als das zu keinen Ergebnissen führte, hat man am 25. März 1949 in einer großen Aktion nochmals 50.000 Bauern, damals als Kulaken bezeichnet, in einer Nacht nach Sibirien deportiert und die restlichen gezwungen, in Kolchosen und Sowchosen umzuziehen und ihre Bauernhäuser zu verlassen."

Das war die dritte Massendeportation durch die Sowjets. Die Erste fand am 14. Juni 1941 statt, kurz bevor Deutschland die Sowjetunion und damit auch Lettland überfiel. 15.000 Menschen wurden nach Sibirien transportiert. Ein Datum, das sich eingebrannt hat ins kollektive lettische Gedächtnis und auch Künstler bewegt. Ein Glasmaler beispielsweise stellte die Deportation auf einem Kirchenfenster dar, die sonst Bibelszenen vorbehalten sind. Während der Sowjetzeit wurde das verbotene Kirchenfenster versteckt, erst 1989 wieder hervorgeholt, wie die heutige Diakonin Ausma Rozentahle erzählt. Sie kennt sich aus in der Geschichte des ehemals deutsch-baltischen Gutes Groß-Roop, eine Autostunde von Riga entfernt. Es ist eine Widerstandsgeschichte von unzähligen, eine am Ende erfolgreiche:

"1989 als die Kirche ihr Eigentum zurückbekam, hat man dann nach den alten Skizzen die Arbeiten an dem Fenster zu Ende geführt und dieses Fenster eingesetzt."

"14. Juni 1941" steht zu Füßen der Gottesmutter auf dem Bleiglas des Kirchenfensters. - In der Hauptstadt Riga zeigt Detlef Henning, der Lettland-Kenner, auf ein Denkmal, das heute Symbol ist für die andauernden Spannungen zu dem übermächtigen östlichen Nachbarn Russland.

"Da hinten neben der Nationalbibliothek sehen Sie eine lange hohe Stele, drei Finger, die in den Himmel gucken, das ist das sogenannte Siegesdenkmal der Sowjetarmee über den Hitlerfaschismus. Und da feiern die Russen am 9. Mai ihr großes Volksfest, mit roten Fahnen und den alten Orden. Eine Zeit lang dachte man, diese Sowjet-Nostalgie stirbt aus, aber seit Putin nimmt das wieder zu und wird von russischer Seite bewusst gefördert."

Der Lats als einstiges Unabhängigkeitssymbol

Mit der sowjetischen Besatzung verschwand auch der lettische Lats, die Währung in der kurzen Phase der Unabhängigkeit. Weil ab Januar 2014 der Lats endgültig der Vergangenheit angehören soll, werden die alten Ängste wieder wach, dass mit dem eigenen Geld auch ein Teil der Selbstständigkeit verloren geht. Das Zweimillionenvölkchen besteht zu fast 40 Prozent aus Minderheiten, wobei die russische die größte ist. Über ein Viertel der Bevölkerung hat russische Wurzeln. In Riga leben die meisten von ihnen, sie machen 50 Prozent der Einwohner aus. Die meisten russischen Letten lehnen den Euro zwar ebenfalls ab, haben aber völlig andere Gründe: Für sie ist er die unwiderrufliche Anbindung Lettlands an den Westen, die endgültige Loslösung von Russland. Die freilich wirtschaftlich nach wie vor besteht, vor allem bei der Abhängigkeit von russischen Energieträgern.

Die lettische Hauptstadt wird im nächsten Jahr nicht nur den Euro bekommen, sondern auch Europäische Kulturhauptstadt sein. Anna Muhka gehört zu den Organisatorinnen der zahlreichen Veranstaltungen. Trotz aller Empfindlichkeiten mag sie keine Grenze ziehen zwischen russischen und lettischen Landsleuten, weil man die einen wie die anderen nicht über einen Kamm scheren könne.

Anna Muhka:
"In gewisser Weise gibt es Parallelgesellschaften. Es gibt verschiedene Feiertage, Traditionen. Dann haben wir einen verschiedenen Glauben, der russisch-orthodoxe und Letten sind doch katholisch oder evangelisch. Dann wiederum ist man an der Arbeitsstelle, da gibt es alles. Dann sitzt man in der Kneipe, im Restaurant, da trifft man auch alle."

Lettland als Nationalstaat existiert noch keine hundert Jahre. Das Gebiet gehörte mal zu Polen-Litauen, mal zu Russland, wobei die deutschen Spuren bis heute unübersehbar sind.

Ein Erbe, das wie das russische, nicht nur freundliche Gefühle weckt, das auch die neue gemeinsame europäische Währung nicht vergessen macht. Das hat auch Thomas Taterka festgestellt. Der Germanist lehrt derzeit für den Deutschen Akademischen Austauschdienst an der lettischen Universität.

Thomas Taterka:
"Das nationale Argument der Letten im 19. Jahrhundert, um das die Nation herum sich konstituiert hat, ist natürlich ein antideutsches. Wie das deutsche nationale Argument ein antifranzösisches ist. Das ist einfach nicht weg. Meine Studenten haben das aber anders im Kopf. Die Letten auf der einen Seite, die Deutschen auf der anderen. Wenn ich ihnen dann sage, die Deutschen sind hier fünf Prozent gewesen, Anfang des 19. Jahrhunderts. Das sind 140 adlige Familien gewesen, aber die Geschichtserzählungen haben dieses antideutsche Argument ziemlich stark drin. Es wird überlagert von anderen Sachen, von antisowjetischen, die schnell antirussische Stimmungen werden. Das wird verwechselt, Sowjetunion, Russland ist dann immer irgendwie eins. Und die Russen, die hier herumlaufen, sind alles Okkupanten, obwohl die hier auch geboren worden sind. Man kann es sich da sehr leicht machen, sich da herauszuholen, aus unangenehmen Situationen."

Die Geschichte wirft ihre dunklen Schatten bis in die Gegenwart. Das kleine Volk der Letten fürchtet kaum etwas mehr als seine Nachbarn. Erst die Mitgliedschaft in der EU, NATO sowie jetzt in der Eurozone versprach Schutz, der heute gegenüber Russland immer noch als nötig erachtet wird. Dem Historiker Ilgvars Misans fällt seit einiger Zeit eine Ungereimtheit auf: Als die Deutschen einmarschierten, erhofften sich die Letten durch sie die Befreiung von den Sowjets, deswegen kollaborierten sie freiwillig mit den Nazis. Doch die deutschen Besatzer brachten rund 90 000 Letten um, davon 70 000 Juden. Trotzdem, so der Historiker Misans, sind die Erinnerungen an die Gräueltaten der Nazis, wohl auch aus Scham über die Beteiligung daran, in den Hintergrund geraten, die der sowjetischen Besatzer dagegen weit stärker präsent.

"Die größte Auseinandersetzung findet zwischen Letten und Russen statt. Also das heißt, der vorletzte Okkupant ist immer ein bisschen lieber als der letzte Okkupant."

Nur 140.000 Russischstämmige besitzen die lettische Staatsbürgerschaft, 300.000, also der überwiegende Teil, hat sich nicht einbürgern lassen. Ihnen wurde ein sogenannter "Nicht-Bürger-Pass" ausgestellt, mit dem sie zwar nicht wählen, aber unbeschränkt reisen können. Wer in Lettland mindestens 250.000 Euro investiert, kann neuerdings einen Schengen-Pass bekommen. Ein Anreiz vor allem für wohlhabende Bürger der Russischen Föderation, die ihr Geld in dem baltischen Nachbarland anlegen sollen. Doch statt Unternehmen zu gründen, kaufen die Russen, Ukrainer, Kasachen und auch Chinesen allenfalls Immobilien. Lettlands Regierung hat dieses Angebot "Investitionen gegen Visum" den Vorwurf eingebracht, sie wolle ein zweites Zypern schaffen, ein sicherer Hafen für Auslandsgelder werden.

Als die Kommission des Europäischen Parlaments im Juni die Euro-Fähigkeit Lettlands prüfte, bemängelte sie das zunehmende Fremdkapital. Doch noch fließt nach Lettland weit weniger ausländisches Geld als in viele andere EU-Länder. Kritisiert wurde von den Gutachtern außerdem die geringe Zustimmungsrate zur neuen Währung, was sie allerdings nicht wirklich wunderte. Ainars Dimants vom staatlichen Rundfunk-Rat erklärt die verbreitete Euro-Skepsis nicht nur mit der Krise, sondern auch mit der traditionell eurokritischen russischen Minderheit.

"Im Jahre 2003 haben drei Viertel oder sogar vier Fünftel der berechtigten Vertreter der Minderheiten gegen den Beitritt zur EU abgestimmt. Ich glaube, auch gegenüber dem Euro ist die Auffassung ähnlich, dass das den Einfluss Russlands mindert. Der Ansporn kommt in den meisten Fällen aus Russland. Über Lettland kann man ja auch Einfluss auf die Entscheidungen der Europäischen Union und der NATO nehmen. Wenn zum Beispiel eine Partei, die auf Russland orientiert ist, an die Macht kommt. Und es gibt offizielle Papiere der russländischen Föderation über die humanitäre Dimension der Außenpolitik. Man muss die ethnischen Russen außerhalb Russlands unterstützen, dass sie praktisch als fünfte Kolonne wirken. Ich bin sehr klar in dieser Hinsicht, denn es erinnert mich an die Situation in den 30er Jahren, als Hitler an die Macht kam. Da wurde auch die deutsche Minderheit instrumentalisiert. Hier war eine liberale Zeitung gegenüber auf dem Domplatz – "Rigaische Rundschau". Die wurde von Berlin aus übernommen und auf andere Gleise gestellt."

Kaum wirtschaftliche Bedenken für den Beitritt

Selten gab es so viele politische und zugleich so wenige wirtschafts- und finanzpolitischen Bedenken gegen die Euro-Einführung wie im Falle Lettlands. Das Land wollte den Euro schon 2008. Die Krise in jenem Jahr machte einen Strich durch die Rechnung. Die internationale Rating-Agentur Standard & Poor’s hob Lettlands Triple-B-Note auf ein Triple B plus an, die dem Land eine stabile finanzielle Zukunft prophezeit.

Arina Andreicika, eine russischstämmige Beamtin im lettischen Finanzministerium, soll die Bevölkerung auf die Einführung des Euros vorbereiten. Sie kennt die Sorgen der Menschen, die nicht zuletzt auch um ihr Erspartes fürchten:

"Wir hatten Rubel, die in Lats getauscht wurden, mit großen Verlusten. Deshalb zweifeln die Bürger, dass sie für einen Lat wirklich 75 Cents bekommen und nicht etwa nur 68 oder 70 Cent und sie einbüßen. Aber die Umtauschrate besteht schon seit 2005, daran rütteln wir nicht, sie ist fest."

Weder in der Krise noch jetzt vor der Währungsumstellung regt sich trotz aller Bedenken kaum Protest. Das liege an der Leidensfähigkeit der Letten, sagt Nils Sakss vom Finanzministerium mit einem Augenzwinkern, aber auch daran, dass die Mehrheit der Bürger, egal ob lettisch oder russischstämmig, auf das Potenzial des neuen Geldes vertraut.

"Derzeit geht von Russland keine Bedrohung aus, wie wir sie in den Jahrzehnten zuvor erlebt haben. Aber Russland hat wirtschaftliche Interessen im Baltikum und wir können davon profitieren, quasi als Brücke von Russland in die EU, denn bei uns hat jeder Dritte Russisch als Muttersprache. Ein Unternehmer sagte mir: Wenn man der Eurozone angehört, befindet man sich in einem zivilisierten Land und genießt mehr Vertrauen. Die Älteren erinnern sich an wirklich schwere Zeiten. Verglichen damit geschieht derzeit nichts furchtbar Schreckliches. Diese historischen Erfahrungen spielen natürlich eine Rolle."

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