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StartseiteInformationen am MorgenTrumps Kampagne gegen Gesundheitsberater Fauci14.07.2020

Zwist bei Umgang mit Corona Trumps Kampagne gegen Gesundheitsberater Fauci

Die Zerrüttung zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Chef-Gesundheitsberater Anthony Fauci wird immer deutlicher. Trump hat Fauci inzwischen ein Interview-Verbot erteilt und diskreditiert ihn offen vor Journalisten. Denn der Präsident möchte zurück zur Normalität, mahnende Stimmen stören da nur.

Von Thilo Kößler

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Donald Trump und Anthony Fauci im April bei einem Pressebriefing (picture alliance/dpa/CNP/Michael Reynolds)
Donald Trump und Anthony Fauci im April bei einem Pressebriefing (picture alliance/dpa/CNP/Michael Reynolds)
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Hinweise auf wachsende Entfremdung gibt es seit langem: Seit Wochen ist Anthony Fauci der Zugang zum Oval Office verwehrt. Seit dem 2. Juni hat Trumps Chef-Gesundheitsberater den Präsidenten nicht mehr von Angesicht zu Angesicht über die Lage unterrichtet. Doch jetzt holt Donald Trump zu persönlichen Angriffen auf den 79-jährigen grauhaarigen Wissenschaftler aus, der seit 36 Jahren das Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten leitet und mit Trump den sechsten Präsidenten in seiner Amtszeit berät. Fauci sei ein netter Mann, sagte Trump dem Sender Fox News – aber er habe eine Menge Fehler gemacht.

Diese Art der öffentlichen Demontage ist bei Donald Trump stets ein untrügliches Zeichen für zerrüttete Verhältnisse in professionellen Beziehungen. Für einen Moment sah es so aus, als gelte der Zorn des Präsidenten der gesamten Zunft seiner Gesundheitsberater – so leitete er am Montag einen Tweet eines ehemaligen Show-Masters weiter, in dem jener geschrieben hatte: "Alle lügen. Die CDC (Anmerkung der Redaktion: die staatliche Gesundheitsbehörde) die Medien, unsere Ärzte". Doch dann konzentrierte sich Trump wieder auf Anthony Fauci und warf ihm eklatante Fehleinschätzungen vor. Das ist auch die Zielrichtung einer Aktion des Weißen Hauses, die wie eine gezielte Kampagne zur Rufschädigung wirken muss. Journalisten wurde am Montag eine Liste mit angeblichen Fehleinschätzungen Faucis zu Beginn der Coronakrise ausgehändigt. So habe Fauci noch im Februar behauptet, niemand müsse sein Verhalten im Alltag ändern.

Das stimmt zwar – doch tatsächlich hatte Fauci in demselben Interview bereits erklärt, aus den wenigen Infektionen, die es heute gebe, könnten morgen ganz schnell sehr viele Fälle werden.

Donald Trump verlangte früh nach Normalität

Deutlicher könnten die unterschiedlichen Haltungen kaum sein. Anthony Fauci hat in dieser Krise seine Rolle als Warner und Mahner gefunden. Donald Trump hingegen verharmlost COVID-19 konsequent und behauptete schon früh, die Lage völlig unter Kontrolle zu haben.

Im Laufe der Krise sind der Präsident und sein Berater zunehmend zu Gegenspielern geworden. Die Meinungsunterschiede geraten immer offener zur Konfrontation, seit Donald Trump vor dem Hintergrund der einsetzenden Rezession anordnete, die Wirtschaft zu öffnen und zur Normalität zurückzukehren. Seither schnellt die Zahl der Infektionen dramatisch in die Höhe. Mit fast 60.000 neuen Infektionen täglich droht den Behörden die Lage zu entgleiten – und niemand hat davor eindringlicher gewarnt, als Anthony Fauci: Es sei ganz offensichtlich, dass das Land nicht auf dem richtigen Kurs sei, ließ er dieser Tage unverblümt wissen.

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Alle Beiträge zum Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Donald Trump verfolgt die öffentlichen Verlautbarungen seines prominenten Beraters mit offensichtlichem Ärger. Dass er Fauci mittlerweile ein Interview-Verbot erteilte, mag auch mit dessen öffentlicher Wirkung zu tun haben. Die Zustimmung für Faucis Krisenmanagement liegt laut Umfragen bei 67%. Trump kommt nur auf 26%.

Noch ist die Trennung nicht offiziell vollzogen. Doch wie tief der Graben zwischen dem Wissenschafts-Skeptiker Donald Trump und seinem Gesundheitsexperten ist, vermittelte sich erst gestern wieder: Während Donald Trump seine Behauptung wiederholte, es gebe nur deshalb so viele neue Infektionen, weil man so viel teste, blieb Fauci bei den Fakten: Bei einer Veranstaltung der Stanford University machte er die viel zu schnelle Öffnung für den dramatischen Anstieg der Infektionszahlen verantwortlich.

Donald Trump indes lässt sich nicht beirren: Als nächsten Schritt zurück zur Normalität will er alle Schulen öffnen. Trotz eindringlicher Warnungen von Dr. Anthony Fauci. 

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