Montag, 09.12.2019
 
Seit 17:35 Uhr Kultur heute
StartseiteMikrokosmos - Die KulturreportageRom - die ewige Stadt der Kultur?06.12.2019

Italiens KulturpolitikRom - die ewige Stadt der Kultur?

Kann Italien in Zeiten von zunehmendem Nationalismus seine kulturelle Strahlkraft in Europa bewahren? Wir machen uns auf die Suche im Auditorium Parco della Musica in Rom, einem kulturellen Zentrum der italienischen Hauptstadt.

Von Christina Höfferer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Blick auf das Dach des Auditorium Parco della Musica in Rom, im Vordergrund ein Zweig mit Blüten (www.imago-images.de)
Im Auditorium Parco della Musica in Rom wird seit 2006 jeweils im Oktober das Römische Filmfestival veranstaltet (www.imago-images.de)
Mehr zum Thema

Italienexpertin Caroline Kanter "Diese Krise ist gekennzeichnet von Opportunität"

Italienische Kulturpolitik "Kunst ist in Italien viel politischer als anderswo"

Das Auditorium Parco della Musica, zu Deutsch "Park der Musik", wurde 2002 eingeweiht. Auf 55.000 Quadratmetern bietet es Platz für Konzerte, Theater und Film. So auch für das römische Filmfestival, das gerne in der Liga der ganz Großen mitspielen möchte – bis jetzt aber nicht für Aufsehen über die Grenzen Italiens hinaus gesorgt hat. Begleiten Sie uns hinter die Kulissen des Filmfestivals, zu Begegnungen mit dem Regisseur Andrei Kontschalowski und den Dardenne-Brüdern aus Belgien.

Kunsthistorikerin Anne Scheinhardt führt uns durch den Bau des Stararchitekten Renzo Piano. Das Herzstück des Kulturzentrums sind die drei riesigen mit Kirschholz getäfelten Konzertsäle, die mit einem Nachhall von 2,2 Sekunden über eine optimale Akustik verfügen. Scheinhardt erläutert, wieso Renzo Piano den Zuschlag für den Bau des Auditoriums bekam und dass ihn seine Heimat Genua genauso wie die Hauptstadt Rom beim Entwurf inspiriert hat.

Ein langer Weg zum fertigen Bau

Als Bürgermeister von Rom war auch Francesco Rutelli entscheidend an der Entstehung des Auditoriums beteiligt. Er erzählt, dass beim Bau viele Hindernisse überwunden werden mussten: "Es wurden Überreste einer antiken römischen Villa gefunden, wir richteten also ein kleines Museum rund um den Bereich der Villa ein. Dann hatten wir Streit mit der Firma, die die Arbeiten durchführte. Wir mussten also eine neue Baufirma beauftragen. Wir hatten auch einen Konflikt mit der Baubehörde, die bezweifelte, dass das Holzdach stabil genug ist und nicht einstürzen würde." Am Ende dauerte es fast zehn Jahre, bis der Bau eingeweiht werden konnte.

Der italienische Architekt Renzo Piano im September 2014. (ERIC FEFERBERG / AFP) (ERIC FEFERBERG / AFP)Renzo Piano: Schwerelose Gebäude über freien Plätzen schwebend
Mit dem umstrittenen Wolkenkratzer "The Shard" hat der italienische Architekt Renzo Piano die Skyline von London maßgeblich mitgeprägt. Ein wichtiger Teil seiner Baukonzepte ist die Erschaffung öffentlicher Räume.

Der Landschaftsplaner und Architekt Franco Zagari, der gemeinsam mit Renzo Piano das Großprojekt als Landschaftsgestalter verantwortet hat, erinnert sich noch immer gerne an die Kollaboration: "Er hat unser Büro entdeckt. Das war eine Auszeichnung für uns. Es begann eine sehr intensive Zusammenarbeit. Und schließlich dann das Auditorium. Hier hat Piano mich von Anfang an miteinbezogen bis zum Schluss."

Italien bleibt wichtig

Wird sich Italiens Kulturpolitik immer mehr vom Rest Europas abschotten, wie manche angesichts des Rückzugs von mehreren ausländischen Museumsdirektoren befürchten, oder gibt es Hoffnung auf neuen Aufschwung? Eike Schmidt, Museumsdirektor der Uffizien in Florenz, ist positiv gestimmt. Dass nun wieder eine Mitte-links-Regierung an der Macht ist, war ausschlaggebend für seine Entscheidung, Italien doch nicht zu verlassen, sondern noch eine weitere Amtszeit anzutreten. Außerdem habe Italien schon ganz andere Zeiten überstanden: "Italien hat eine große kulturelle Strahlkraft lange vor der EU und auch durchaus während des Nationalismus und übersteigerten Chauvinismus des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts immer bewahrt. Diese Rolle kann Italien sicherlich auch in der Zukunft spielen und spielt es auch jetzt noch."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk