Das Feature / Archiv /

 

Schmutzfink der Aufrichtigkeit

Der Journalist und Vortragskünstler Anton Kuh

Von Karena Lütge und Walter Schübler

Anton Kuh war ein bekannter Kaffehausliterat  in Wien
Anton Kuh war ein bekannter Kaffehausliterat in Wien (Stock.XCHNG / Gerd Marstedt)

"Mensch gewordener Nerv. Zerplatzender Intellekt. Fakir, der sich die Nadeln gespitzter Gedanken aus dem Gehirn zieht", so begeisterte sich die Vossische Zeitung nach einem Vortrag des österreichischen Journalisten, Essayisten und Redners Anton Kuh 1920 in Berlin.

Anton Kuh, 1890 in Wien geboren, ist einer der interessantesten Köpfe unter den gern als Kaffeehausliteraten verharmlosten Intellektuellen des Wiener Café Central und des Berliner Romanischen Cafés.

Dabei ist Kuh alles andere als harmlos. Seinem Selbstverständnis nach ein "Schmutzfink der Aufrichtigkeit", stellt Kuh gesellschaftliche und politische Missstände und Bigotterien bloß und reibt sich an geistiger Provinzialität.

Mit Witz und Bosheit entlarvt er die Attitüden prominenter Zeitgenossen; Karl Kraus ist ihm eine Lieblingszielscheibe. Von den Nazis angefeindet, emigriert Kuh 1938 in die USA, arbeitet, statt wie bisher für "Weltbühne" und "Querschnitt", für die jüdische Zeitschrift "Aufbau".

Als er 1941 in New York stirbt, beklagt sein Freund Franz Werfel in einem berührenden Nachruf, "dass dieser Redendste aller Redenden" nun verstummt ist.


DLF 2012

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Das Feature

Ein PräzedenzfallMercedes-Benz Argentina - Rechtsweg ausgeschlossen?

Der Stern von Mercedes-Benz

Während der argentinischen Militärdiktatur 1976 bis 1983 hatten sich viele Betriebe ihrer kritischen Gewerkschafter entledigt, indem sie sie als "Terroristen" denunzierten. Auch Mercedes-Benz Argentina soll Betriebsaktivisten ans Messer geliefert haben. Der Fall ging um die Welt.

AntikriegsfilmDie Waffen nieder!

Die österreichische Pazifistin und Schriftstellerin Bertha von Suttner.

Noch im Juli 1914 annonciert die Berliner "Lichtbild-Bühne" den in Dänemark produzierten Antikriegsfilm "Die Waffen nieder" nach dem vielgelesenen Roman von Bertha von Suttner (1889). Rund zwei Wochen später sucht man im selben Blatt vergebens nach diesem Filmtitel.

Schutztruppen Die Sieger von Kundus

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD, l) sowie der Generalmajor und Kommandeur des ISAF-Regionalkommandos Nord, Jörg Vollmer, gedenken am 09.02.2014 im Ehrenhain im Camp Marmal in Masar-e-Scharif (Afghanistan) der gefallenen Soldaten.

"Wir haben Großartiges geleistet", bilanziert Generalmajor Jörg Vollmer, Kommandeur der ISAF-Schutztruppe in Nordafghanistan. "Die afghanische Bevölkerung im Norden bewegt sich durch ihre Provinzen völlig normal."