Das Feature / Archiv /

 

Totleben

Eine russische Insel, die es nicht gibt

Von Paula Schneider

700 Meter zieht sich das Inselfort hin, vorn großkalibriger Geschützstandort (Robby Dannenberg)
700 Meter zieht sich das Inselfort hin, vorn großkalibriger Geschützstandort (Robby Dannenberg)

Düstere Gewölbe, Kammern, Tunnel, 1000 Meter lang. Darüber zugewucherte Treppen, Geschützterrassen, Fensterluken in dickem Beton. Ringsum wassergrauer Horizont. Eine Festung, eine Insel – "Totleben". Fast unbekannt selbst im nahen St. Petersburg.

Ein Verteidigungsfort nach dem anderen war gebaut worden seit der Stadtgründung, künstliche Inseln aus Holz und Granit, immer weiter in den Finnischen Meerbusen hinaus. Fort Totleben war die letzte. Als wäre der Name ein Fluch, verschwand die Insel mehrfach von den Karten, zog Legenden an und Leidenschaften.

Alter Geschützstandort am Hafen von Fort Totleben (Robby Dannenberg)Alter Geschützstandort am Hafen von Fort Totleben (Robby Dannenberg)Einen Maler, der seit frühester Kindheit das verbotene Eiland liebte und sein einziger Beschützer ist. Oder einen deutschen Abenteurer, der Leningrad als Erster ein Joint Venture anbot und später, als Rache für staatlich eingefrorene Konten, die Insel mit Trockeneis besetzte. Nicht weniger spannend ist die Herkunft des Namens "Totleben": aus thüringischem Adel, der baltische Festungsbauer, russische Generäle und verwegene Romanhelden hervorgebracht hat.

Regie: Wolfgang Rindfleisch
DLF 2012

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Das Feature

Arbeitssklaven in Kalabrien Labor des Wegwerf-Menschen

Afrikanische Einwanderer ernten Orangen in Rosarno, Kalabrien. (picture-alliance / dpa / Franco Cufari)

Rosarno ist eine Kleinstadt im Süden Kalabriens, deren Wirtschaft seit jeher auf dem Anbau von Zitrusfrüchten gründet. Einst ein florierendes Städtchen, hat es seit den 70er-Jahren einen stetigen Niedergang erlebt. Denn irgendwann konnten die kalabrischen Orangen der billigen Konkurrenz aus dem Ausland nicht mehr standhalten.

Berlins jüdische Israelis Meschugge Mischpoke und West-Ost-Divan

Schaufenster eines Lebensmittelgeschäfts mit Jüdischen Spezialitäten in Berlin. (imago / Lem)

Wenn Ronit Land am Denkmal "Züge ins Leben - Züge in den Tod" vor dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin steht, dann denkt sie an ihre Mutter. Ende August 1939 saß das zwölfjährige jüdische Mädchen Cilly Salomon hier und wartete auf den Kindertransport, mit dem ihr die Flucht aus Nazideutschland gelingen sollte.

Orson WellesEin Puzzle

Der US-amerikanische Regisseur und Schauspieler Orson Welles (1915-1985) begrüßt im Februar 1982 bei der Verleihung des Filmpreises "Cesar 82" in Paris das Publikum.

"Rosebud!": Es ist eines der großen Rätsel der Filmgeschichte, das letzte Wort des Tycoons Citizen Kane in jenem Film, der regelmäßig an erster Stelle genannt wird, wenn es um Kinoranglisten geht. Zum 100. Geburtstag begibt sich der Schriftsteller Thomas von Steinaecker wie der Reporter in Citizen Kane auf die Suche nach den Puzzlesteinchen.