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    Stefan Karl SchmidZwischen Tag und Traum

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    Stefan Karl Schmid Zwischen Tag und Traum
    Stefan Karl Schmid hat in Nürnberg Saxofon studiert, besuchte ein Jahr die Manhattan School of Music und machte in seiner Wahlheimat Köln einen Master in Komposition. Seine bisherigen Hauptprojekte: das "kühle" Quartett Schmid's Huhn, das energetische Subway Jazz Orchestra, für das er auch schreibt, und die teils jazzrockorientierte Band Niaque. Nun kommt noch ein achtköpfiges, Bläser-lastiges Ensemble hinzu. Ursprünglich sollte es ein Trio ohne Harmonieinstrument werden, dann entschied Schmid sich dafür, zwei Trompeten, Posaune und Bassposaune sowie Klavier hinzu zu nehmen. Trotz der Oktett-Besetzung klingt die Musik von Pyjama oft schlank und transparent. Ihre Grundstimmung: warm, entspannt und erwartungsvoll – passend zur Tageszeit, zu der Schmid seine Musik bevorzugt schreibt.
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    Schmid
    Schmid: Ja, der Grund für das Schlaraffenland ist relativ einfach, weil sechs kompetente Unternehmen oder Unternehmensgruppen, die sehr viel Erfahrung haben im Handy-Bereich und in Telekommunikation, eine Lizenz für viel Geld ersteigert haben. Und wenn Wettbewerber viel Geld investieren, sind sie unter dem Zugzwang - unter dem Zwang, schnell viele Kunden zu bekommen, damit die Lizenzen sich auch rentieren. Das heißt, alle müssen versuchen, möglichst schnell in Deutschland einen Massenmarkt zu machen. Und den Massenmarkt erreicht man nicht zu hohen Preisen, sondern den erreicht man mit niedrigen Preisen und sehr vielfältigen Produkten, einfachen Produkten und Produkten, die für die Kunden auch tatsächlich einen Nutzen bringen. Deshalb glaube ich fest daran, dass die UMTS-Lizenz dazu führen wird, dass die Kunden in einem Schlaraffenland leben werden, wenn es um Multimediadienste gehen wird. Und die Produkte, die es da geben wird, sind sehr vielfältig. Die reichen vom Bezahlen mit dem Handy zum Beispiel, über Informationen holen mit dem Handy, über Internetsurfen mit dem Handy, über Transaktionen - übers Handy tatsächlich etwas zu veranlassen, zu buchen, zu kaufen. Das heißt also, das Handy wird für Kunden dann künftig zu einem multifunktionalen Terminal; es wird zu einem Werkzeug, mit dem man mehr kann, als telefonieren. Und deshalb wird es eine tolle Geschichte sein. Harke: Sie gehen ja - wie auch der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten - davon aus, dass die hohen UMTS-Kosten nicht auf den Verbraucher abgewälzt werden; die Kunden würden vielmehr auch weiterhin vom harten Wettbewerb profitieren - das haben Sie ja gerade angedeutet. Der Präsident des Branchenverbandes, Joachim Dreyer, hat allerdings in einem Interview erklärt, die Zeche zahlt der Verbraucher, die Lizenzkosten würden sich sogar kurzfristig auf die Mobilfunkpreise auswirken. Versuchen Sie, uns also Sand in die Augen zu streuen? Schmid: Ich weiß nicht, wie Herr Dreyer auf diese Aussage kommt, dass die Zeche der Verbraucher bezahlt. Ich meine, so populistische Aussagen verkaufen sich gern und vielleicht auch ganz gut in der Presse. Nur, wenn man dahinterschaut und sich die normalen wirtschaftlichen Zusammenhänge mal nüchtern anguckt, dann ist es ja so, dass eine Wettbewerbssituation da ist. Und die Wettbewerbssituation wird nicht dadurch gelöst, indem man so wie früher bei der Old Economy oder ganz, ganz früher beim Staatshandel Kosten umwälzt, sondern indem man Kunden mit attraktiven Produkten gewinnt und diese Kunden dann zufriedenstellt. Und dafür ist dann der Kunde bereit, zu bezahlen. Man kann doch nicht mehr Kostenumlage betreiben oder Kostenumwälzung oder Kosten verteilen, sondern man muss Kunden gewinnen, weil keiner ist ja - anders als beim Staat, wenn es um Steuern geht -, gezwungen, ein Handy zu kaufen und es zu benutzen, sondern er macht das ja freiwillig. Und warum macht er das? Weil er eben eine Leistung hat und für diese Leistung einen günstigen Preis bezahlt. Wenn er einen zu teuren Preis bezahlen müsste, würde er das nicht nutzen. Oder würden Sie mit dem Handy telefonieren, wenn Sie 3 Mark pro Minute bezahlen müssten? Ich kenne sehr viele, die Handy-telefonieren, weil sie 29 Pfennig pro Minute bezahlen. Das heißt also, man muss das Pferd anders herum sehen, man darf nicht sagen: ‚Kosten werden umgewälzt', sondern man hat Möglichkeiten und hat mit diesen Möglichkeiten natürlich auch den Druck, möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, dass es gute Produkte sind. Und das erreicht man nicht mit hohen Preisen, sondern mit niedrigen Preisen. Harke: Der Aufbau dieses Schlaraffenlandes - das deuten Sie an - kostet, wie wir wissen, viel Geld. Rechnen wir grob, so kommen durch die Lizenz und die Investitionen in Infrastruktur und Dienste annähernd 30 Milliarden Mark auf Sie zu. Wie wollen Sie das Geld aufbringen? Schmid: Wir sind ja sehr gut finanziert. Wir haben ja über 7,4 Milliarden Mark von unserem Partner France Telecom in cash bekommen. Wir haben eine Projektfinanzierung, um die Lizenz zu bezahlen und um das Netz, den Netzaufbau zu bezahlen. Und wir glauben, dass wir innerhalb der nächsten Jahre - bis 2005, 2006 - dann schon aus dem Netz heraus wieder Geld verdienen, das wir später wieder re-investieren können. Das heißt, der gesamte Finanzbedarf, den wir sehen für den Aufbau dieses Netzes - bis zu dem Zeitpunkt, wo wir in positivem Rückfluss aus dem Netz sind -, ist ungefähr 25 Milliarden. Und den haben wir sehr sauber finanziert und meinen, dass das auch eine sehr gute Investition ist, weil - sonst würden ja die Banken nicht so hohe Milliardenbeträge an uns geben. Wir sind ja immer noch - trotz über 4 Milliarden Umsatz - ein relativ kleines Unternehmen. Harke: Wann beginnt denn nun das UMTS-Zeitalter hier in Deutschland? Wann wollen Sie am Markt sein? Schmid: In Japan beginnt es erst einmal im 4. Quartal 2001, und ich glaube, in Deutschland wird's irgendwann im ersten Halbjahr 2002 beginnen. Das wird natürlich noch keine Flächendeckung sein, aber wir sind überzeugt, dass wir irgendwann im Jahr 2003/2004 mindestens 50 Prozent der deutschen Bevölkerung erreichen können mit dem Multimediadienst. Harke: Und wann beginnt für Sie das Zeitalter der schwarzen Zahlen, wann werden Sie also Gewinn machen können? Schmid: Also, der Rückfluss aus dem Netz ist nach unserer Planung, die wir relativ vorsichtig gemacht haben und auch konservativ durchgeführt haben, irgendwo zwischen 2005 und 2006 - da beginnt er. Und dann haben wir normalerweise so um 15 Jahre Zeit, um gutes Geld zu verdienen. Und deshalb - glaube ich - ist das auch eine ganz tolle Investition, die wir da getätigt haben. Harke: Und wieviel Kunden haben Sie dabei zugrunde gelegt, welchen Marktanteil? Schmid: Wir glauben daran, dass - langfristig gesehen - der UMTS-Multimedia GSM ablösen wird. Wir glauben daran, dass irgendwann im Jahr 2008/2010 das Verhältnis zwischen UMTS- Handy oder UMTS-Terminal und dem heutigen GSM ungefähr so ist, wie das heutige GSM, das heutige D-Netz zum C-Netz ist. Das heißt also, die neue Technologie wird die alte Technologie ablösen. Und wir glauben, dass insgesamt dann um 2010 - das sagen auch sehr viele Studien - es über 70, 80 Millionen Anschlüsse geben wird in Deutschland, vielleicht sogar ein paar mehr. Das heißt, es wird viele Anschlüsse geben, die mobil sind. Es wird aber auch Anschlüsse geben, die über die gleiche Technologie dann zu Hause genutzt werden können. Wenn Sie sehen, dass heute der ISDN-Anschluss Internetsurfen ermöglicht mit 64 Kilobit pro Sekunde Geschwindigkeit und bei UMTS ist es dann ungefähr das fünffache an Tempo, mit dem man im Internet surfen kann, dann lohnt es sich wahrscheinlich auch zu Hause, mal vom PC aus über UMTS-Technik im Internet zu surfen. Und wir meinen, bei diesem Riesenmarkt können wir von der Vertriebskraft her und von der Stärke her so um die 15 Prozent Marktanteil für uns reklamieren. Und das ist unser Ziel. Harke: Wieviel muss denn der Kunde nach Ihrer Einschätzung für dieses multimediafähige Handy dann auf den Tisch legen, und wieviel wird er monatlich zahlen müssen, um das Multimedia-Angebot tatsächlich nutzen zu können? Schmid: Wir glauben, dass es heute viel zu früh ist, um konkrete Preisaussagen zu machen. Außerdem wollen wir ja unsere Wettbewerber nicht über unsere Pläne schlau machen - jetzt zwei Jahre vor Beginn des Service. Wir glauben aber, dass das Kundenverhalten, das sich heute zeigt - nämlich, dass jemand ein Budgetverhalten hat, dass jemand sagt: ‚Für mich ist zum Beispiel mobiles Telefonieren 100 Mark oder 120 Mark im Monat wert' -, dass dieses Budgetverhalten auch künftig gelten wird. Wir sehen ganz deutlich, dass man bei den Kunden unterschiedliche Kundengruppen sieht, nämlich Leute, die das sehr viel geschäftlich nutzen, die dann bei 300 bis 400 Mark-Budget pro Monat liegen, weil es eben genehmigt ist in der Firma. Wir sehen, dass es viele private Nutzer gibt, die auch um die 100 - 120 Mark pro Monat bezahlen. Wir sehen auch, dass es viele junge Nutzer gibt, die 50 bis 70 Mark pro Monat bezahlen. Das heißt, dieses Budgetverhalten wird künftig auch bleiben. Nur künftig glauben wir, dass der Kunde für dieses Budget, das er ausgibt, sehr viel mehr Leistung bekommt. Das ist ungefähr so: Ich gehe davon aus, dass die Preise für das Telefonieren weiter nach unten gehen werden, und der Kunde wird dann zusätzliche Services nutzen, wie zum Beispiel die Übertragung von Bildern, zum Herunterladen von bestimmten Erkennungsmelodien, chatten übers Handy, einkaufen, bezahlen. Das heißt also, er wird mehr Leistung bekommen und wird ungefähr das Budget bezahlen, das er heute bezahlt. Harke: Das hört sich aber alles andere an, als das Schlagwort vom ‚Billigangebot', Herr Schmid. Schmid: Natürlich ist das ein Billigangebot. Wenn Sie sehen, dass der Kunde heute bereit ist, relativ viel Geld noch zu bezahlen für die Telefonie, dann wird durch die neue Technologie natürlich die heutige Telefonie billiger werden. Und dann gibt es - wie auch immer - zusätzlichen Nutzen, und dieser zusätzliche Nutzen kostet eben dann auch Geld. Nur, die bringen natürlich dem Kunden auch einen Vorteil. Harke: Also, Sie sehen kein Problem darin, was der Internetverband ECO befürchtet, nämlich hohe Preise, mangelhafte Netzqualität und ein eingeschränktes Dienste-Angebot - wegen der hohen Kosten, meint er. Also, er sieht daher auf absehbare Zeit keinen UMTS-Massenmarkt, zumal die Internetnutzer auch nicht mehr als 40 Mark pro Monat ausgeben wollten - die tatsächlichen Monatsbeiträge aber bei 300 Mark liegen müssten? Schmid: Ich weiß nicht, wie er auf diese 300 Mark kommt. Ich meine, das ist immer eine Annahme, die irgendwie mal schnell gesagt ist. Nur ich sehe, dass ich, wenn ich einen Kunden habe zum Beispiel, der zu Hause für 40 Mark im Internet surfen würde, gleichzeitig ein Handy hat, das er unterwegs braucht, und ungefähr 100 oder 120 Mark pro Monat bezahlt, und zwar Leistungen kauft, die Telefonie sind und auch Daten- und Bildübertragung sind, dann ist das für mich ein profitabler Kunde. Und dann sehe ich das auch nicht als überteuert an. Harke: Denken Sie nicht, dass die UMTS-Mobilfunkgeneration oder -zukunft auch behindert wird dadurch, dass den meisten Menschen die Angebote der Zwischentechniken - wie GPRS - reichen, mit denen ebenfalls Datenübertragung und mehr ja möglich sind? Schmid: Zwischenlösungen sind immer schwierig, das ist so wie ‚halb schwanger', das ist auch schwierig. Also, wenn ich jetzt im nächsten Jahr 2001 eine gewisse Geschwindigkeit von Datenübertragung bekomme im Handy, bekomme aber die um Klassen bessere Lösung im Jahr 2002, dann werde ich mich - auf Dauer gesehen - nicht durch die halb schwangere Lösung abhalten lassen, doch noch UMTS zu machen. Ich glaube nicht, dass es da eine Substitution gibt. Harke: Bei allen Visionen von der goldenen und langfristig erfolgreichen Zukunft, die auch Ihr Kollege von Viag Interkom sieht, mögen aber die Börsenprofis zur Zeit dem nicht so recht zu folgen, Herr Schmid. Sehen Sie kurzfristig überhaupt Möglichkeiten, das zu ändern? Schmid: Ich glaube, die Investoren, die in der Telekommunikation investiert sind und sich mit Telekommunikation beschäftigen, die honorieren alle den Schritt unseres Unternehmens in UMTS, weil wir davon überzeugt sind - genau wie die Investoren -, dass das eine weitere Entwicklung des Unternehmens ist, weil wir an dem Zukunftsmarkt teilhaben. Einer von sechs in Deutschland zu sein, der an dem Markt mit 250 oder 300 Milliarden Marktvolumen dabei ist und da als Schnellstarter vielleicht eine wesentliche Rolle zu spielen - das ist schon eine ganz tolle Sache. Ich glaube, dass die Investoren das absolut auch so sehen. Und die Response - ich war ja wieder unterwegs und habe mit Investoren gesprochen, werde nächste Woche auch wieder unterwegs sein - ist positiv. Dass im Rahmen von schwachen Tätigkeiten am Neuen Markt, im Rahmen von Diskussion über Zinsbelastungen von Telekommunikationsunternehmen, vor dem Hintergrund von Unkenrufen sogenannter Experten, die eigentlich nur Beratungsaufträge haben wollen, dass da eine Unsicherheit da drin ist und - kurzfristig gesehen - die Kurse der Telekommunikationsunternehmen ein bisschen stärker schwanken: Ich glaube, das ist ganz normal. Es ist auch dadurch bedingt, dass es auch eine kleine Umschichtung innerhalb der Investoren gibt, weil - bis zur Entscheidung UMTS waren sehr viele Spekulanten drin, die kurzfristig denken. Und nach der Entscheidung weiß jeder, dass es jetzt darauf ankommt, auf zwei bis drei Jahre gute Arbeit zu leisten und das Unternehmen weiterzuentwickeln. Und da gehen halt die kurzfristigen Investoren raus und dafür kommen die langfristigen rein. Und das hat mit Kursschwankungen zu tun. Also, ich sehe das als eine ganz normale Reaktion der Börse, die jetzt im Moment passiert ist, wobei das von Aktie zu Aktie auch wieder unterschiedlich ist. Wir haben gemerkt, dass bei unserer Aktie vor ungefähr einer Woche auch ganz andere Dinge eine Rolle spielte, zum Beispiel das Verfallsdatum für einen Optionsschein. Da hat man ganz deutlich gemerkt, dass gezielt versucht worden ist, den Aktienkurs durch Käufe und Verkäufe zu beeinflussen, um den Optionsschein-Verfalltag zu beeinflussen. Das ist sehr vielschichtig, so eine Aktienbewegung. Ich glaube, insgesamt ist UMTS für uns positiv, und von den Investoren wird das auch so gesehen. Harke: Und die mögliche Herabstufung durch Ratingagenturen sehen Sie nicht als Gefahr? Schmid: Das interessiert uns überhaupt nicht, weil wir eine einwandfreie Finanzierung haben. Wir hatten in der Vergangenheit fast alles aus Eigenkapital bezahlt. Wir hatten fast keine Schulden. Wir hatten auch deshalb keine Ratingagenturen. Wir mussten auch kein Rating haben, weil wir keine großen Schulden hatten. Und jetzt wird zum ersten Mal mit dieser Projektfinanzierung geratet, und insofern ist das für uns überhaupt kein Thema, weil - solange man noch in der Spitzengruppe ist und im Vergleich zu anderen Branchen noch weit vorne ist, dann kann auch eine Einschätzung, die wir jetzt erwarten, sehr zufriedenstellend sein. Harke: Herr Schmid, Ihr Verbandspräsident Dreyer - vielleicht müssen Sie ihm da zustimmen - sagte auch einen erbarmungslosen Verdrängungswettbewerb voraus. Telekom-Chef Ron Sommer erwartet wegen dieses harten Wettbewerbs zusätzliche Fusionen und Kooperationen. Neben den vier etablierten Mobilfunkbetreibern in Deutschland müssen sich MobilCom und die Gruppe 3G doch ein bisschen wie Außenseiter fühlen. Während die anderen auf ihren digitalen GSM-Netzen aufbauen können, die ja weiterhin genutzt und fortentwickelt werden, müssen Sie und 3G völlig neu anfangen. Ist das nicht ein Wettbewerbsnachteil, oder ist es ein Vorteil für Sie? Schmid: Also, es tut mir ein bisschen weh, wenn Sie uns als ‚Außenseiter' bezeichnen. Wir sind ja die drittgrößte Telefongesellschaft in Deutschland und wir haben insgesamt über 10 Millionen Kunden, davon sind über 5 Millionen ungefähr Kunden, die übers Festnetz mit uns telefonieren - Call-Kunden -, davon sind 2,8 Millionen Kunden, die wir heute als Handy-Kunden betreuen, über 1,3 Millionen Kunden im Internet. Und wir haben auch sehr viele Vertragskunden im Festnetz, die laufend und immer mit uns telefonieren, weil sie ihren Anschluss umgestellt haben von der Telekom auf uns. Also, wir fühlen uns eigentlich als einer der Treiber oder einer der größeren Spieler im Markt. Wir sind die Nummer 2 im Internet hinter der Telekom, wir sind die Nummer 2 bei den netzunabhängigen Gesellschaften - Service-Providern - hinter debitel. Wir sind die Nummer 2 der Wettbewerber der Telekom im Festnetz - mit der Arcor zusammen ungefähr auf gleicher Höhe. Also, wir haben ganz gute Voraussetzungen: Wir haben die Kundenbasis, wir haben einen sehr starken Vertrieb, der zum Beispiel im Mobilfunk im Juni neun Prozent Marktanteil erreicht hat. Wir haben bereits Infrastruktur, das heißt, wir haben 3.500 Kilometer Glasfaser durch ganz Deutschland, die unser Eigentum sind und die unsere Kunden nutzen. Was wir jetzt aufbauen müssen, sind halt ein paar tausend Basisstationen. Aber dafür haben wir ja die France Telecom als Partner. Die hat das schon insgesamt 18 mal weltweit gemacht; die weiß, wie man das macht. Und mit denen arbeiten wir eng zusammen. Also, wir sehen uns gut gerüstet und nicht als Außenseiter. Harke: Manche haben, Herr Schmidt, große Partner: Vodafone hat Mannesmann geschluckt, KPN hat E-Plus übernommen, Viag-Intercom geht an British Telecom. Wäre es da nicht folgerichtig, wenn der von Ihnen erwähnte Partner - France Telecom - MobilCom übernehmen würde? Schmid: Ich glaube nicht, dass das ‚Schlucken' oder die Übernahme das Problem löst, das eigentlich alle haben, nämlich viele Kunden zu bekommen und viele Kunden zufriedenzustellen. Schiere Größe alleine macht den Kunden nicht zufrieden. Ich glaube, Kunden macht zufrieden, dass man die richtigen Produkte hat zum richtigen Preis und dass man schnell und richtig agieren kann und auch schnell und richtig den nächsten Schritt im Management macht, das Unternehmen entwickelt. Und das passiert eigentlich normalerweise immer dann, wenn das nationale Management stark ist. Und wir haben die ideale Kombination gefunden mit der France Telecom, dass wir in Deutschland den Markt entwickeln und uns eingeklinkt haben in das internationale Geschäft von der France Telecom dadurch, dass wir eben innerhalb der Gruppe den wichtigen Markt Deutschland bedienen, aber trotzdem in Deutschland selbständig agieren und deshalb in Deutschland wahrscheinlich uns schneller bewegen, als alle Wettbewerber, die Konzerngesellschaften sind. In der Vergangenheit haben wir es bewiesen. Wir waren immer mit den Produkten schneller und wir werden es auch so belassen. Harke: Und Sie können sich nicht vorstellen, dass es mal zu einem großen internationalen Konzern - France Telecom/MobilCom und vielleicht auch mit dem Festnetz von Mannesmann Arcor - kommt? Schmid: Wir sind ja schon so weit, wir haben ja schon einen großen Konzern: France Telecom, und France Telecom hat eine Beteiligung an MobilCom. Und wir haben eine Verabredung, dass France Telecom nur über MobilCom in Deutschland die Geschäfte betreibt, und wir werden nicht in Frankreich Geschäfte betreiben. Also insofern haben wir diese Gruppe ja schon. Und wie denn nun die Eigentümerstruktur untereinander ist, darauf kommt es ja gar nicht an, sondern es kommt darauf an, dass alle, die dabei sind, das gleiche Ziel haben, nämlich ein europäisches Netz aufzubauen. Und das haben wir. Ich halte es eigentlich lieber mit Michel Bon, dem Chef der France Telecom, für den es wichtiger ist, Märkte zu entwickeln in Partnerschaft, als mit dem Chef unseres Wettbewerbers, der Deutschen Telekom, der laut tönt in seinem eigenen Stil: ‚Wir fühlen uns eben immer wohler, wenn wir die Mehrheit haben, weil wir dann bestimmen können'. Harke: Glauben Sie denn, dass alle sechs durchhalten, Herr Schmidt, hier in Deutschland - alle sechs Anbieter, UMTS-Lizenznehmer? Schmid: Ich bin mir ganz sicher, dass alle durchhalten, weil - es sind ja Großkonzerne, die hier auf dem Markt sind. Und für die spielt der deutsche Markt eine ganz wesentliche Rolle. Deshalb war für mich von Anfang an auch beim Bieten klar, dass die sechs bereit sind, sehr viel Geld zu bezahlen. Und deshalb war es für mich auch klar, dass die Lizenz teuer wird. Harke: Aber so ein Unternehmen wie 3G - aus Telefonica und Sonera - hat weder ein altes Netz noch einen Kundenstamm hier in Deutschland. Wie wollen die sich etablieren? Schmid: Neueinsteiger haben es immer sehr viel schwerer, das ist ganz klar. Die werden auch Riesenverluste in Deutschland fahren. Nur diese Riesenverluste werden nicht dazu führen, dass Telefonica - weltweit, in Südamerika aufgestellt und in Südeuropa - und Sonera, die ja in Skandinavien sehr erfolgreich sind, dass die da erhebliche Probleme bekommen. Ich glaube, für die ist halt Deutschland ein wichtiger Markt, und die müssen halt neben den Lizenzgebühren, die ja nicht niedrig sind und neben der Infrastruktur-Investition natürlich noch Markterschließungskosten auf sich nehmen. Und das sind erhebliche Anlaufverluste, die die fahren. Nur, wenn für sie der deutsche Markt so wertvoll ist, dass sie auch das noch dazu bezahlen - die paar Milliarden, die da noch anfallen -, dann glaube ich, werden die auch langfristig am Markt sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgend jemand einen zweistelligen Milliardenbetrag für die Lizenz bezahlt und dann nach drei Jahren aus dem Markt geht. Harke: Telekom-Chef Ron Sommer schließt nicht aus, sein UMTS-Netz auch anderen Firmen zur Verfügung zu stellen. Mit den Einnahmen können die Kosten schneller wieder eingefahren werden. Wäre das auch für Sie eine Möglichkeit, etwa durch Zusammenarbeit mit debitel? Davon war ja schon vorher die Rede, vor dem Versteigerungsende. Schmid: Wir würden ganz gerne - wenn Herr Sommer das anbietet - mit der Deutschen Telekom ein gemeinsames Netz haben. Dann wäre das ja eine tolle Geschichte. Am einfachsten wäre es ja, wenn alle sechs Lizenznehmer nur ein Netz bauen würden, das wäre das Schönste. Aber ich glaube, da würden die langfristig strategischen Interessen von manchen dagegen sprechen. Harke: Das wäre ja auch etwas, was Sie gar nicht wollten, was Sie eben halt reduzieren wollten - das Monopolangebot. Schmid: Ich glaube, da muss man sich ein bisschen davon lösen. Wenn Sie in die Autoindustrie gehen: In der Autoindustrie gibt es eine vielfältige Verflechtung. Es gibt zum Beispiel Firmen, die sich von Wettbewerbern Motoren bauen lassen, und andere Firmen, die sich von Wettbewerbern Fahrgestelle bauen lassen und kreuz und quer liefern. Und ähnlich ist es doch auch in der Telekommunikation. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass - wenn denn jetzt von hier eine Leitung bis zu meinem nächsten Sender, dem UMTS-Multimedia-Sender, die Telekom schon die Leitung liegen hat: Warum kann ich die Leitung der Telekom nicht kaufen, nicht mitbenutzen? Harke: Die brauchen Sie ja nicht mehr mit UMTS . . . Schmid: . . . doch . . . Harke: . . . Sie haben doch mal gesagt, die UMTS würde die Möglichkeit eröffnen, den Monopolanbieter im Ortsnetz zu umgehen. Schmid: Man muss ja die Funkstationen untereinander verbinden, und das wird nicht nur allein durch Funk gehen, sondern es geht auch durch Leitungen. Das heißt also: Man muss nicht jeden Haushalt an die Leitung anbinden, aber man muss innerhalb einer Stadt 20 - 30 Funkstationen miteinander verbinden, dass von dort über die Luft der Haushalt erreicht wird. Und ich glaube, das wird auch weiterhin so sein. Und da kann man ohne weiteres Infrastruktur gemeinsam nutzen. Heute gibt es ja auch schon Standorte, an denen mehrere Netzbetreiber gleichzeitig Sender stehen haben. Das heißt, es gibt Hausdächer, die haben drei bis vier Sender dort stehen. Das heißt ja nichts andres, als Infrastruktur gemeinsam nutzen. Harke: Aber konkret gefragt, Herr Schmid: Verhandeln Sie mit debitel, wie Sie vormals angekündigt hatten? Schmid: Ich hatte nie angekündigt, dass wir mit debitel verhandeln. Wir hatten nur gesagt, dass dann, wenn debitel keine Lizenz hat, dass wir uns freuen würden, wenn die debitel-Kunden bei uns wären. Die debitel-Kunden können zu uns kommen, indem wir mit debitel zusammenarbeiten, oder aber indem die debitel-Kunden eben bei debitel nicht mehr Kunden sind, sondern unsere Kunden. Also, es gibt mehrere Möglichkeiten. Genau so, wie es viele Wege nach oben gibt, gibt es da auch mehrere Möglichkeiten. Harke: Sie führen gegenwärtig viele Beratungen. Geht es um neue Allianzen oder Vertragsverhandlungen zum Aufbau des UMTS-Netzes, oder geht es um die Finanzierung des UMTS-Netzes, den Aufbau, und die Finanzierung der Lizenzen? Schmid: Die Finanzierung ist ja schon lange sichergestellt, sonst hätten wir ja nicht zur Lizenzversteigerung gehen können, zur Auktion gehen können. Das heißt, wir haben die Finanzierung vorher sichergestellt. Unser Finanzierungsrahmen ist deutlich höher, als das, was wir heute brauchen. Jetzt geht es darum - im ersten Schritt -, möglichst schnell mit Infrastrukturlieferanten klarzukommen und diese Infrastrukturlieferanten schnell zur Lieferung zu bewegen und schnell das Netz aufzubauen und gleichzeitig Produkte zu entwickeln. Und das ist ein Kraftakt, den jetzt jeder der 6 betreiben muss. Und ich glaube, da kommt es drauf an, wer am schnellsten einen guten Service hat. Und da haben wir den Ehrgeiz, dass wir einer der ersten sind. Und deshalb ist das die Hauptarbeit im Moment.
  • Cologne DuetsLars Duppler & Stefan Karl Schmid

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    Cologne Duets Lars Duppler & Stefan Karl Schmid
    Lars Duppler und Stefan Karl Schmid sind jeweils Kind eines deutschen Vaters und einer isländischen Mutter. Die Beschäftigung mit ihren nordischen Wurzeln zieht sich durch ihre eigene Musik. Der Saxofonist interpretierte und arrangierte mehrfach traditionelle Melodien, der Pianist nahm sogar ein ganzes Album mit Bearbeitungen auf. 2013 taten sie sich unter diesem Vorzeichen zum Duo Rímur zusammen: Ihre Stücke entstehen auf der Basis isländischer Volks- und Tanzlieder, deren Stoffe und Motive der Saga-Tradition entstammen. Gemeinsam erschaffen Schmid und Duppler melodiöse, mal tänzerische, mal kontemplative, mal expressive Song-Improvisationen. Im Kölner "Loft" spielten sie ihr atmosphärisches Programm live ohne Publikum ein.