
"Keine Kompromisse, das ist die Linie des Kreml", konstatiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Putin ist erst zufrieden, wenn die USA ihre Unterstützung für Kiew einstellen und die Sanktionen gegen Moskau aufheben. Bis dahin kann sich Trumps Laune jederzeit wieder gegen Moskau wenden. Er müsste dafür nur erneut einen Waffenstillstand fordern, dem Putin vor dem Winter sicher nicht zustimmt. Denn zu den Dingen, bei denen der Kreml keine Zugeständnisse macht, gehört der Donbass. Solange Trump die Ukraine nicht zum Rückzug zwingt, verlässt Putin sich auf seine Armee – genau das hat Lawrow gemeint. In der Zwischenzeit lenkt der Kreml Trump gern mit Wirtschaftsdeals und Gefangenenaustauschen von seiner Kompromisslosigkeit ab", moniert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
"Die gegenseitigen Dankesbekundungen zu Beginn des Treffens Putins mit dem amerikanischen Unterhändler Witkoff in Sankt Petersburg waren vielsagend", notiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG: "Der russische Präsident hat einen ausgeprägten Sinn dafür, politische Begegnungen so zu inszenieren, dass sie ein symbolisches Machtgefälle zu seinen Gunsten zeigen. Dass Trump und seine Leute sich auf solche Spielchen einlassen, die das tatsächliche Verhältnis wirtschaftlicher und militärischer Stärke zwischen Russland und den USA auf den Kopf stellen, ist fatal. Denn die Folgen sind nicht symbolisch, sondern real. Eine Waffenruhe oder gar ein Frieden in der Ukraine sind damit in noch größere Ferne gerückt", befürchtet die F.A.Z.
"Während Trump die Verbündeten verrät und immer offener mit Putin paktiert, spielen der Kreml und Europa auf Zeit", analysiert die TAGESZEITUNG – TAZ: "Die EU wartet auf den Ausgang der Midterm-Wahlen in den USA Anfang November und hält vorläufig still. Putin will bis April warten, in der Hoffnung, dass die rechtsextreme Le Pen die Wahlen gewinnt und die Einigkeit für EU-Ukrainehilfen dann ein baldiges Ende hat. Derweil taumelt die Ukraine, jeden Tag getroffen von Hunderten russischen Raketen und Drohnen, auf einen katastrophalen Winter zu. Trumps schändlichem Verrat setzt Europa bisher nur Heuchelei entgegen. Zwar wird mit Geld und Waffen geholfen. Doch die militärischen Rüstungsgüter, die die Ukraine wirklich bräuchte, um Putins Soldateska tief im Hinterland zu attackieren, werden nicht geliefert. Solange das so bleibt, sind Europas warme Worte für Selenskyj reine Verlogenheit. Und am Ende werden wir ein Vielfaches zahlen müssen für unsere Sicherheit vor Russland", warnt die TAZ.
Die NÜRNBERGER ZEITUNG betont: "So gut es gerade auch mit Blick auf Moskau ist, dass die demokratischen Parteien in Deutschland bei der Ukraine-Hilfe gar keine Diskussionen aufkommen lassen - es birgt auch Gefahren. In der Bevölkerung entsteht der Eindruck, die Gelder würden in einem Fass ohne Boden versinken. Wer verhindern will, dass aus dieser Thematik die Radikalen weiter Kapital schlagen, muss die Ukraine-Hilfe endlich besser erklären - oder ihr Ziele setzen", fordert die NÜRNBERGER ZEITUNG. Und damit zum nächsten Thema.
Die schwarz-rote Koalition will bei der Vergabe von Facharztterminen an gesetzlich Versicherte mehr Gerechtigkeit schaffen. Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG kritisiert, dass die Frage nach ausreichenden Kapazitäten offenbleibe: "Union und SPD haben versprochen, die Wartezeiten auf Arzttermine zu verkürzen. Nun müssen sie erklären, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Die Prognose der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist kein Beweis dafür, dass die Einsparungen falsch sind. Ignorieren kann die Bundesregierung die Warnung dennoch nicht. Sie muss zeigen, dass ihre Reform mehr bewirkt als eine Neuorganisation des Mangels. Denn dem Patienten ist am Ende egal, über welchen Weg er einen Arzttermin bekommt. Vermutlich wäre so mancher inzwischen bereit, seinen Namen zu tanzen, wenn er dafür schon morgen im Wartezimmer sitzen dürfte", heißt es in der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG.
"Die medizinische Notwendigkeit, die jetzt als Kriterium hoch gehandelt wird, ist vermutlich gut biegbar und für Menschen in Notsituationen nicht immer beweisbar", erläutert die Zeitung ND DER TAG: "Es sei denn, er oder sie hat den Medizinanwalt gleich bei der Hand. Vielleicht gibt es vorübergehend eine ganz einfache Lösung: Wer Behandlungsbedarf hat, darf bei der Terminvergabe gar nicht gefragt werden, wie und wo er versichert ist. Die Idee kam vom CSU-Politiker Holetschek, aber er meinte dabei nur die Online-Portale. In den Arztpraxen würde dann also weiter die Gretchenfrage gestellt – und wer will das schon kontrollieren? Vermutlich müssen in Zukunft eben auch Arzttermine vergesellschaftet werden, ernsthaft und flächendeckend, für Praxen ab 3000 Patientenkontakten im Jahr", empfiehlt ND DER TAG.
Die Vereinten Nationen warnen in einem aktuellen Bericht vor einer Erderwärmung um 2,8 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts. Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf schreibt dazu: "Die klimaschädlichen Emissionen müssen rasch runter, aus der Energieerzeugung mit fossilen Brennstoffen muss man raus. Nun gibt es den Reflex, mit dem Finger auf die weltweit größten Verursacher von Treibhausgasen zu zeigen, China und die USA. Mögen die doch vorangehen. Doch mit dieser Haltung lässt sich keine positive Veränderung gestalten. Es braucht Regierungen, die Fakten anerkennen, die Wissenschaft ernst nehmen und darauf Politik aufbauen. Europa und Deutschland sollten hier vorangehen", meint die RHEINISCHE POST.
"Deutschland war lange eines der Länder, das sich eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben hatte", erinnert der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER: "Kanzlerin Merkel ließ sich einst vor den Eisbergen fotografieren. Doch das ist Schnee von gestern. Mittlerweile ist Klimaschutz politisch nicht mehr sexy. Der Kampf gegen die Wirtschaftskrise scheint wichtiger als der Kampf gegen die Klimakrise. Der Hitzesommer 2026 dürfte kein einmaliges Extremwetter, sondern ein Vorbote auf die nächsten Jahre gewesen sein", prognostiziert der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
"Das kann keine Zukunft sein, die wir wollen", mahnt der KÖLNER STADT-ANZEIGER: "Der Rückzug der USA aus dem Klimaschutz hat die Erwärmung noch befeuert, wie der UNO-Bericht nahelegt. Dass das passieren würde, war absehbar, wo die Vereinigten Staaten nach China doch der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen sind. Doch die Folgen der Erderwärmung machen an keiner Landesgrenze halt, selbst vor der US-amerikanischen nicht. Was US-Präsident Trump nicht begreifen will, ist: Indem er den Ausstieg aus den fossilen Energien verschleppt, rettet er nicht die Wirtschaft, sondern gefährdet die eigene Lebensgrundlage", unterstreicht der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
"Viele tagesaktuelle Themen überlagern die Klimakrise", beobachten die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN: "Sie ist aus den Nachrichten, aus den Gesprächen verschwunden – außer, es gibt besonders heiße Tage oder mehrere Wochen ohne Niederschlag. Der Klimawandel aber ist da – und nein, es geht hier nicht um Wetter oder dass es früher ja auch immer wieder mal heiß war. Es geht darum, dass Ackerböden brach liegen, Brunnen austrocknen, Pflanzen und Tiere in kühlere Regionen abwandern – und andere Arten verdrängen. Dass irgendwann Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden, weil die Umweltbedingungen ein Leben dort nicht mehr zulassen. Es geht um Milliardenschäden für die Wirtschaft – allein die Hitzewellen im Sommer schmälerten laut einer Studie des Versicherungskonzerns Allianz die Wirtschaftsleistung um rund 25 Milliarden Euro", bilanziert die MEDIENGRUPPE BAYERN. Und damit endet diese Presseschau.
