
Die NEW YORK TIMES urteilt: "Trump hat in den vergangenen zwei Jahren versucht, die amerikanische Demokratie zu untergraben. Am Dienstag stellten sich die Wähler ihm entgegen. Dies ist ein Tag, an dem man stolz sein kann. Aufstrebende Autoritäre nutzen Parlamentswahlen oft dazu, ihre Macht zu zementieren und die Demokratie weiter zu untergraben. 2026 hat das amerikanische Volk Trump dies verwehrt. Das System hat standgehalten."
Die italienische Zeitung LA STAMPA befindet: "Ein blauer Tsunami überrollt die Republikaner, demütigt Präsident Trump und belebt Amerika neu. Die Midterm-Wahlen bescheren den Demokraten mit einem einheitlichen und überwältigenden Ergebnis die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und den Senat: Von North Carolina bis Texas, von Kansas bis Ohio - überall dort, wo ein Sitz umkämpft war, setzten sich die liberalen Kandidaten mit eindeutigen Ergebnissen durch und schreiben damit ein Kapitel Geschichte für die amerikanische Republik", bilanziert LA STAMPA aus Turin.
"Der Appell von Trump, so zu wählen, als stünde sein Name auf dem Stimmzettel, entpuppte sich als kontraproduktiv", heißt es in einem Gastkommentar der japanischen NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio: "Die Wahlen wurden so zu einem Referendum über die Politik seiner Regierung. Die Wut der Bevölkerung ist groß. Hohe Lebenshaltungskosten, vor allem die teuren Spritpreise, machen sich im Geldbeutel der Bürger bemerkbar. Gleichzeitig ist die ungleiche Vermögensverteilung in dem Land unter Trump noch deutlicher geworden."
In der tschechischen Zeitung PRAVA aus Prag heißt es: "Donald Trump hat die Aura eines Visionärs verloren, der Politik anders und mehr für die Menschen machen will. Der Krieg mit dem Iran hat gezeigt, dass dies in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Zudem erinnern sich noch alle zu gut an Trumps Versprechen, dass hohe Zölle den Wohlstand steigern werden, was sich aber ebenfalls nicht erfüllt hat."
Auch in republikanischen Hochburgen wie Kansas und Texas haben sich Kandidaten der Demokraten durchgesetzt. Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA schreibt: "Festungen, die für die Demokraten jahrzehntelang als uneinnehmbar galten, sind gefallen. Der Schlüssel zu diesem Wandel war nicht eine rasante Säkularisierung der amerikanischen Südstaaten, sondern eine neue Generation von Kandidaten der Demokratischen Partei. Tief gläubige Demokraten übersetzten das parteipolitische Narrativ in eine Sprache der Gemeinschaft, der sozialen Gerechtigkeit und der Ethik. Demgegenüber vertraten die Trump-nahen Kandidaten den kompromisslosen Flügel der Rechten, der auf ideologischen Kämpfen basiert und lokale Bedürfnisse ignoriert", argumentiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die Zeitung EL FINANCIERO aus Mexiko-Stadt meint: "Texas ist symptomatisch für den Absturz der Republikaner. 40 Prozent der Wähler dort sind Latinos, und zweifelsohne sind sie für den Sieg von Gina Hinojosa über Gouverneur Greg Abbott und für den Erfolg von James Talarico bei den Wahlen für den Senat verantwortlich. Auch die gewalttätigen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE haben zur Niederlage der Republikaner beigetragen."
Die Zeitung USA TODAY fordert ein Umdenken bei den Republikanern: "Eine ehrliche Einschätzung dessen, was schiefgelaufen ist, erfordert das Eingeständnis, dass der Präsident und die Republikaner im Kongress schwerwiegende Fehler begangen haben, darunter ihr Versagen, den Krieg mit dem Iran zu beenden, und ihre Unfähigkeit, die Inflation endlich in den Griff zu bekommen. Konservative haben sich im letzten Jahrzehnt außerdem viel zu sehr an Falschinformationen und Desinformation gewöhnt, die als 'alternative Fakten' getarnt sind – insbesondere, wenn Trump die Quelle ist. Was wir uns als wahr wünschen, unterscheidet sich oft erheblich von dem, was tatsächlich wahr ist. Gerade Konservative sollten das verstehen, und wir müssen darauf bestehen, dass unsere Politiker es verstehen", folgert USA TODAY aus New York.
Die FINANCIAL TIMES stellt heraus: "Donald Trump trägt die Verantwortung für das historische Ausmaß der Niederlage der Republikaner. Es gab aber noch zahlreiche andere Verlierer. Einer von ihnen ist Elon Musk, der mehr als 200 Millionen Dollar aus eigener Tasche in den Senatswahlkampf in Texas gesteckt hat. Aus der Wahl folgen nun zwei unmittelbare Konsequenzen. Die erste ist, dass der Wahlkampf der Republikaner um Trumps Nachfolge als Kandidat für 2028 sofort beginnen wird. Die zweite Konsequenz ist, dass Trumps Unberechenbarkeit wahrscheinlich zu einem noch prägenderen Merkmal seiner Präsidentschaft werden wird", glaubt die FINANCIAL TIMES, die in London erscheint.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG unterstreicht: "Das Weiße Haus und der Präsident haben in der Außen- und Sicherheitspolitik weiterhin ein hohes Maß an Handlungsfreiheit. Die USA werden nicht über Nacht wieder von einer Unordnungs- zu einer Ordnungsmacht. Die kommenden zwei Jahre, 2027 und 2028, könnten besonders gefährlich werden: Donald Trump ist noch im Amt, Wladimir Putin noch nicht am Ziel seiner Revision der russischen Geschichte, und für Xi Jinping öffnet sich - nach seiner eigenen Planung - das Taiwan-Fenster: die Möglichkeit, die Insel militärisch mit China zu vereinen", warnt die NZZ aus der Schweiz.
Am Tag der Wahl hat Präsident Trump in einem Interview angekündigt, die jährlichen Militärhilfen für Israel von vier Milliarden Dollar einzustellen. Die JERUSALEM POST äußert sich irritiert: "Ministerpräsident Netanjahu hatte sich zwar öffentlich dafür ausgesprochen, die US-Militärhilfe im Laufe des nächsten Jahrzehnts schrittweise abzubauen. Doch ein geordneter, sich über ein Jahrzehnt erstreckender Übergang unterscheidet sich erheblich von der Einstellung von Hilfsgeldern in Milliardenhöhe innerhalb weniger Wochen. Dies wirft nun unmittelbare Fragen hinsichtlich der Beschaffung von Verteidigungsgütern und der Haushaltsplanung auf - und hat damit auch Einfluss auf die Regierungsbildung in Israel. Wir fordern deshalb sowohl Netanjahu als auch Trump auf, klar zu sagen, was zwischen beiden Seiten vereinbart wurde und wie sich dies auf Israels Sicherheit auswirken wird", erklärt die JERUSALEM POST.
Die israelische Zeitung HAARETZ aus Tel Aviv bemerkt: "Dass der US-Präsident diese Entscheidung lautstark am Tag der Wahl verkündet, zeigt, wie toxisch Israel in der amerikanischen öffentlichen Meinung geworden ist. Trump versteht nur zu gut, dass Israels Image bei den Amerikanern, auch unter Republikanern, schwer beschädigt ist."
Abschließend geht es um die Cyberangriffe auf Supermärkte in Europa. Die Zeitung DAGENS NYHETER aus Stockholm erläutert: "In der Nacht zu Montag begannen in Supermärkten in Schweden und mehreren anderen Ländern die Kühl- und Gefriertheken verrückt zu spielen. Die Anlagen wiesen Temperaturen von bis zu 50 Grad auf. Enorme Mengen Lebensmittel wurden dabei zerstört. Wir wissen nicht, wer dahintersteckt und was das Motiv war, aber wir kennen die möglichen Folgen. Solche Anschläge könnten auch die Kühlanlagen für Medikamente und andere wichtige Infrastruktur treffen."
Die spanische Zeitung EL PAIS ergänzt: "Wir müssen unseren Umgang mit sensibler Infrastruktur überdenken. Wird die Lebensmittelversorgung in Krisenzeiten lahmgelegt, ist das weder Science Fiction noch eine reine Anekdote. Cybersicherheit betrifft auch unsere Betriebstechnologie für alltägliche, mit dem Internet verbundene Geräte wie Aufzüge oder Klimaanlagen. Auch verfügen immer mehr Menschen durch die generative Künstliche Intelligenz über die Möglichkeit, Computerprogramme zu entwickeln und damit die Schwachstellen in Systemen aufzuspüren, die für einen reibungslosen Alltag unerlässlich sind. Das ist ein beunruhigendes Szenario und zwingt uns zu einer Debatte über den Schutz vor Angriffen jeder Art", betont EL PAIS aus Madrid.
