
Zu den Schwachstellen bei der Programmiersprache PHP fragt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG: "Wie dramatisch ist die Lage? Ist das Internet kaputt? Die zweite Frage lässt sich sicher mit einem Nein beantworten. Die erste Frage leider noch gar nicht präzise.Schätzungen zufolge läuft PHP im Hintergrund von mindestens zwei Dritteln aller Internetseiten; es handelt sich um einen zentralen Web-Baustein. Und offenbar starteten Cyberkriminelle innerhalb kürzester Zeit Millionen Angriffe, nachdem die Schwachstellen öffentlich geworden waren. Wen sie erfolgreich getroffen haben oder noch treffen, welcher Schaden gerade entsteht, wird sich vielleicht erst in Wochen zeigen", mutmaßt die F.A.Z.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG stellt fest: "Seit mehr als zehn Jahren gibt es einen Generalschlüssel für die digitale Welt. Durch eine Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP, in der ein Großteil der globalen Webseiten programmiert wurde, stand jahrelang bei fast jedem digitalen System die Hintertür sperrangelweit offen. Dass die Welt überhaupt von dieser Hintertür erfährt, ist Künstlicher Intelligenz zu verdanken. Denn nicht Informatiker, sondern große Sprachmodelle von OpenAI und Google spürten die Sicherheitslücke auf. Die Modelle haben die Messlatte auf ein Niveau gehoben, bei dem Menschen schlicht nicht mehr mithalten können", analysiert die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Dass KI Softwarelücken aufspürt, war nur eine Frage der Zeit, stellt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG fest - und fährt fort: "Entdeckt haben die Lücke zwei Sicherheitsfirmen, die versucht haben, möglichst verantwortungsvoll zu handeln. Sie meldeten die Lücke den Programmierern von PHP. Dummerweise sickerte dann doch etwas durch, und so kam es zu dem ungewöhnlich dringlichen Aufruf etwa des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, die Reparatursoftware unverzüglich aufzuspielen. Es ist zu erwarten, dass Cyberkriminelle sich die Chance nicht entgehen lassen, schlafmützige Seitenbetreiber automatisiert zu attackieren. Andere werden versuchen, Internetnutzer mit gefälschten E-Mails etwa zum Eingeben von Passwörtern zu verlocken. Die Sache ist also längst nicht ausgestanden und Vorsicht geboten", ist die SZ überzeugt.
Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg sieht in den PHP-Sicherheitslücken einen Weckruf für jeden einzelnen: "Wir müssen unseren digitalen Alltag endlich besser absichern. Wir erledigen Bankgeschäfte online, speichern Verträge und vertrauen Diensten unsere Familienfotos an. Sicherheitsupdates dulden keinen ewigen Aufschub. Damit schließen wir keine Lücke auf fremden Servern. Anbieter bleiben verantwortlich. Aber das entbindet uns nicht von der eigenen Vorsorge. Wir schließen unsere Haustür ab. Es ist höchste Zeit, mit unseren digitalen Schlüsseln ebenso sorgfältig umzugehen", mahnt die Schwäbische Zeitung.
Das HANDELSBLATT aus Düsseldorf geht auf die Folgen für die Wirtschaft ein: "Anwenderunternehmen müssen ihre Systeme gegen eine Flut von Schwachstellen absichern, die gerade bekannt werden, und sich zugleich auf bislang unsichtbare Bedrohungen einstellen. Die Konsequenz ist in der IT-Sicherheit ähnlich wie im Militär: Wenn die eine Seite technisch aufrüstet, muss die andere nachziehen. Unternehmen können also Bedrohungen künftig nicht mehr allein mit manuellen Prüfungen und menschlichen Analysten abwehren, sie müssen auch die Verteidigung automatisieren", bilanziert das HANDELSBLATT.
Themenwechsel. Bayern ist eines der Geberländer im Länderfinanzausgleich - und hat nun eine sogenannte Extremismusklausel ins Spiel gebracht, die Länder treffen soll, in denen AfD oder Linke an der Regierung beteiligt sind. Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg führt aus: "CSU-Chef Markus-Söder will das unbotmäßige Sachsen-Anhalt abstrafen. Wegen des AfD-Siegs sollen die Mittel aus dem Länderfinanzausgleich gekürzt werden. Eine 'Extremismusklausel' ist dafür vorgesehen. Der Kreis der Delinquenten wurde noch um Berlin erweitert. Dort soll das mögliche Linksbündnis finanziell ausgetrocknet werden. Das Strafsystem wird so nicht kommen. Sonst könnte das gesamte System der föderativen Beziehungen gefährdet werden. Das können wahrlich nur Extremisten wollen. Und das ist Markus Söder nicht - höchstens ein Populist", urteilt die VOLKSSTIMME.
Die NÜRNBERGER ZEITUNG wirft ein: "Nun sollte man im Land der Bedenkenträger nicht jeden Vorschlag gleich mit dem Totschlagargument 'Geht nicht' niedermachen, aber es fällt schwer, Söders Vorschlag auch nur einen Hauch an Realisierungschancen zuzubilligen, denn er stößt auf kaum überwindbare verfassungsrechtliche Hürden. Die massivste: Solange eine politische Partei wie die AfD oder die Linke nicht verboten ist, darf sie an Regierungen beteiligt werden", argumentiert die NÜRNBERGER ZEITUNG.
Beim Treffen der Ministerpräsidenten in Berlin gab es auch Kritik an Bayerns Initiative; beschlossen wurden hingegen Initiativen zur Senkung der Stromsteuer und für einen Spritpreisdeckel. Dazu schreibt die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen: "Zum vielleicht letzten Mal hat die Ministerpräsidentenkonferenz getagt, ohne dass die AfD und die Berliner Linke mit am Tisch saßen. Die Runde hat mit strategischen Manövern reagiert. Sie hat verdeutlicht, dass sie das Ziel in der Geschlossenheit des gemäßigten Blocks sieht. Die Botschaft: Wenn es nicht mit den Extremen geht, dann halt ohne sie", konstatiert die RHEINPFALZ.
Und nun zum Treffen des russischen Staatschefs Wladimir Putin mit Vertretern der USA, die zuletzt wieder auf Abstand zur Ukraine gegangen sind. Das Magazin CICERO ist folgender Meinung: "Donald Trumps jüngste Äußerungen lassen darauf schließen, dass er sich immer mehr die von Putin verkündeten Positionen zu eigen macht: Wolodymyr Selenskyj müsse als Verhandlungspartner ersetzt werden, da er die längst überfälligen ukrainischen Präsidentenwahlen blockiere. Man hat von ihm in der Tat noch nie gehört, dass Russland der Aggressor ist, was sogar sein Kriegsminister Pete Hegseth klar so formuliert hat. Trump aber überraschte nun sogar mit dem Satz, Russlands Verhalten in diesem Krieg sei 'in Ordnung'."
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf sieht es so: "Auch wenn sich Kremlchef Wladimir Putin offen für neue Verhandlungen mit den USA und der Ukraine zeigt. Grund zur Hoffnung ist das kaum. Die russische Zusage dürfte vielmehr taktische Gründe haben: Moskau beschwichtigt damit kurz vor den Midterms, den wichtigen Kongresswahlen in den USA, Präsident Donald Trump. Der kämpft wegen hoher Benzinpreise und des Iran-Krieges mit historisch niedrigen Zustimmungswerten. Putin gewinnt zudem mit dem Anschein der Gesprächsbereitschaft Zeit, ohne mit seiner Verweigerungshaltung erneut Trumps Zorn auf sich zu ziehen. Zumal dieser erst kürzlich nach dem Diesel-Deal Sanktionen gegen Russland ausgesetzt hat. Derweil greift die russische Armee die Ukraine weiterhin massiv mit Raketen und Drohnen an", erinnert die RHEINISCHE POST.
Parallel zur US-Annäherung an Russland soll laut Medienberichten der Trump-Vertraute Elon Musk dafür gesorgt haben, dass die Ukraine nur noch gedrosselten Zugriff auf das Satellitensystem Starlink hat. Dazu der MÜNCHNER MERKUR: "Ein Wirtschafts-Tycoon als Herr über Leben und Tod, Sieg und Untergang ganzer Staaten: Das stellt den Irrwitz des Trump-Universums noch einmal auf eine neue Stufe und übertrifft noch den Verrat des Präsidenten, der dem Kriegsverbrecher Putin im Ernst 'korrektes Verhalten' bescheinigt, und die Dummheit des Sondergesandten Witkoff, der den Kreml-Herrscher als 'Humanisten' rühmt. Den Mann, der Tag für Tag, Nacht für Nacht die Menschen in der Ukraine mit seinem Raketenterror tötet." Mit diesem Auszug aus dem MÜNCHNER MERKUR endet die Presseschau.
