
Die lettische Zeitung NEATKARIGA RITA AVIZE hält fest: "Die Niederlage der Republikaner bei den US-Wahlen ist ein Signal an all jene europäischen Parteien, die ihre Politik an den Ideen des 'Trumpismus' ausgerichtet haben. Das heißt, sie haben in erster Linie versucht, anspruchslose, unkritische Wähler anzusprechen. Doch Versuche, sich politisch an Trump anzulehnen, zahlen sich politisch nicht mehr aus. Trump selbst hat durch sein unangemessenes politisches Verhalten sein politisches Image ruiniert", folgert NEATKARIGA RITA AVIZE aus Riga.
Die GAZETA WYBORCZA aus Warschau notiert: "Solange Trump selbst auf dem Wahlzettel stand, ließen sich die verschiedenen Fraktionen der MAGA-Bewegung leicht durch sein Charisma sowie durch den gemeinsamen Hass auf Liberale und die Linke vereinen. Wenn es bei Wahlen jedoch um konkrete, den Wählern näherstehende – weil eher lokale – Probleme geht, reichen Charisma und Kulturkämpfe nicht mehr aus. Dies ist der Anfang vom Ende des 'Trumpismus'. Donald Trump selbst hat dieses Ende beschleunigt."
Die schwedische Zeitung SVENSKA DAGBLADET bemerkt: "Die Trump-Regierung steht als Verlierer da, und es ist zu hoffen, dass ihr havariertes populistisches Projekt nicht mehr dieselbe Anziehungskraft für Kulturkrieger in Europa hat. Schon in Ungarn und in Serbien waren die Einmischungen der USA in den Wahlkampf aus Sicht der "Make America Great Again"-Bewegung kontraproduktiv. Die Zwischenwahlen bieten für die EU jetzt die Gelegenheit für eine Stabilisierung nach den Unruhen der letzten Monate - und da ist es umso wichtiger, dass es jetzt einen Kongress gibt, mit dem sie in Dialog treten kann." Das war SVENSKA DAGBLADET aus Stockholm.
Das europäische Nachrichtenportal RAPPORTEUR mit Sitz in Brüssel notiert: "Das transatlantische Bündnis muss dringend wieder instand gesetzt werden. Die Demokraten täten gut daran, dies ganz oben auf ihre außenpolitische Agenda zu setzen. Doch die Zwischenwahlen werden Europa nicht retten. Selbst nach einem derart eindeutigen Votum wird sich vieles nicht ändern. Denn Donald Trump wird bis zum 20. Januar 2028 weiter die Machtposition des Präsidenten innehaben. Die einseitige Verkündung politischer Maßnahmen über Soziale Medien und per Executive Order wird bestehen bleiben", mutmaßt das Portal RAPPORTEUR, das zuvor EURACTIV hieß.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA meint zum Krieg in der Ukraine: "Mit ihrer Stimme für die Demokratische Partei haben die Amerikaner gegen den Präsidenten und seinen Kurs gestimmt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass nur noch zwei Monate bis zum Abschluss dessen verbleiben, was Trump als 'Deal mit Russland' bezeichnet. Und eine Vereinbarung mit der Russischen Föderation ist für jeden amerikanischen Politiker ein äußerst riskanter Schritt. In der US-Gesellschaft herrscht derzeit ein pro-ukrainischer Konsens. Bis der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt, kann Trump seine bisherige Politik fortsetzen. Wenn er denkt, dass es für ihn wichtig ist, Russland und die Ukraine zu versöhnen, sind November und Dezember der optimale Zeitpunkt dafür. Danach wird Trump mit anderen Dingen beschäftigt sein", prophezeit NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Nun in den Nahen und Mittleren Osten. Die iranische Zeitung ARMAN MELLI schaut auf die Auswirkungen der Zwischenwahlen auf den Krieg der USA und Israels gegen den Iran: "Die Gegebenheiten könnten Trump einen Vorwand bieten, um sich gesichtswahrend aus diesem Krieg zurückzuziehen. Er könnte so einerseits versuchen, dem verlorenen Rückhalt in der Bevölkerung entgegenzuwirken, und andererseits die iranische Seite, also die Islamische Republik, dazu bewegen, den Krieg ohne Gesichtsverlust zu beenden. Von größter Bedeutung ist zunächst einmal, dass dieser Krieg endet. Dass wir keine weiteren Schäden erleiden, keine Menschenleben mehr verlieren und einen Weg finden, aus dieser Situation herauszukommen", hofft ARMAN MELLI aus Teheran.
Die pan-arabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London schreibt: "Auch ein Wahlsieg der Demokraten oder ein Erstarken des linken Parteiflügels ist noch keine Garantie für einen Kurswechsel in der amerikanischen Außenpolitik. Und doch deutet sich ein tiefer Riss in jenem politischen Gefüge an, das Israel bislang die Unterstützung der USA gesichert hat. Mit dem Aufstieg einer neuen politischen Generation dürften sich diese Bruchlinien weiter vertiefen. Die entscheidende Frage lautet nun, ob es den neuen politischen Kräften in den USA gelingt, ihren Widerstand gegen Kriege in politische Gestaltungsmacht zu übersetzen – und damit die politischen Spielregeln im Verhältnis Washingtons zum Nahen Osten grundlegend zu verändern."
Die taiwanesische Tageszeitung LIANHE BAO hebt die künftige Rolle der USA in Bezug auf die Bedrohung der Insel durch China hervor: "Die künftige US-Politik gegenüber Taiwan gibt eher Anlass zur Vorsicht als zum Optimismus. Schon in den Wahlversprechen der Demokratischen Partei hat das Land keine Rolle gespielt. Die Lebenshaltungskosten, die wirtschaftliche Entwicklung, die Energiepreise und der Krieg im Nahen Osten standen im Mittelpunkt. Es zeichnete sich ein wachsender parteiübergreifender Konsens ab, dass die Verbündeten der USA einen größeren Anteil ihrer Verteidigungskosten selbst tragen müssen und die amerikanischen Verpflichtungen im Ausland grundsätzlich überprüft werden sollten. Der Wahlerfolg der Demokraten sollte aus taiwanesischer Sicht nicht als Erfolg überschätzt werden", mahnt LIANHE BAO aus Taipeh.
Die japanische Tageszeitung ASAHI SHIMBUN warnt vor einer stärkeren Missachtung des internationalen Rechts: "Das Bündnis mit den USA ist zwar ein wichtiges Fundament der japanischen Staatssicherheit, aber Tokio sollte begreifen, dass es Unterschiede gibt zwischen Rücksicht auf das Bündnis und Schmeicheleien gegenüber Trump. Japan sollte einerseits gegen unmögliche Forderungen oder völkerrechtswidrige Aktionen Washingtons klar protestieren. Anderseits sollten die diplomatischen Bemühungen ausgeweitet werden, etwa zu Europa, Kanada, Südkorea sowie zu Ländern in Südostasien und im Globalen Süden. Das wird nationale Interessen und das internationale Vertrauen in Japan bewahren", konstatiert ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
In Nigeria zieht die Tageszeitung VANGUARD Parallelen zu den anstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen: "Genau wie in den USA unter Präsident Trump sind die Lebenshaltungskosten in Nigeria unter Präsident Tinubu unerträglich geworden. Die Gesundheitsversorgung ist unbezahlbar. Die sogenannten Wirtschaftsreformen haben die Nigerianer in die Armut getrieben und Millionen Menschen in den Teufelskreis der Armut gestürzt. Die Wahlen im Januar müssen zu einem Referendum über die werden, die die Zügel der Macht in Nigeria in der Hand halten. Das ist die Lehre aus den US-Kongress-Zwischenwahlen: Schlechte Führung wird weder geduldet noch verherrlicht, selbst wenn ihr Anführer plötzlich zum 'Gebetskämpfer' im Heiligen Land wird. Sie wird zurechtgewiesen", stellt VANGAURD aus Lagos klar.
Die mexikanische Zeitung EL FINANCIERO denkt über wirtschaftliche Folgen nach: "Zum einen hat sich gezeigt, welche politischen Kosten Trumps Zollpolitik hat, und das könnte uns nützen. Zum anderen entstehen Risiken für die Exporte von Komponenten für Rechenzentren in den USA. Was den Bau von Rechenzentren betrifft, ist die Ablehnung der US-amerikanischen Wähler wegen der Angst vor steigenden Stromkosten noch größer. Sollten nun aber weniger Investitionen in Rechenzentren fließen, würden auch die Bestellungen bei mexikanischen Zulieferern zurückgehen. Wir könnten dann mit Erleichterungen bei den Zöllen rechnen, gleichzeitig aber Einbußen bei Technologie-Exporten erleiden", erwartet EL FINANCIERO aus Mexiko-Stadt. Damit endet die Presseschau.
