
Die Angst vor mehr Regulierung von Künstlicher Intelligenz hat an der Wall Street zu einem Ausverkauf bei Tech-Aktien geführt. "Die politische Rechnung für den KI-Boom wird nun fällig", glaubt der Londoner GUARDIAN. "Der Erdrutschsieg der Demokraten hat Ängste vor ausufernden Ausgaben und Überschuldung sowie den Widerstand gegen Rechenzentren intensiviert. Dieser Ausverkauf ist vielleicht keine schlechte Sache. Er verschafft einer Branche, deren Bewertungen auf übertriebenen Gewinnerwartungen beruhen, eine dringend benötigte Dosis Realismus. Diese Ansicht teilen viele einflussreiche Persönlichkeiten - vom Leiter der Forschungsabteilung von Goldman Sachs bis hin zum Wirtschaftsnobelpreisträger Daron Acemoglu. KI mag die Wirtschaft zwar grundlegend verändern, doch das ist keine Garantie dafür, dass Investoren die Summen, die sie in diesen Bereich investieren, auch wieder zurückerhalten werden. US-Präsident Trump gehört zu den großen Verlierern. Er tat Bedenken über die potenziellen Gefahren der KI-Entwicklung einfach als 'Schwindel' ab. Dafür mussten seine Republikaner nun einen hohen Preis zahlen", bilanziert der britische GUARDIAN.
NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Japan ergänzt: "Die Big-Tech-Konzerne in den USA haben sich Trump angebiedert, um bessere Bedingungen für ihre KI-Entwicklung zu erreichen. Amazon beispielsweise zahlte für einen Dokumentationsfilm über First Lady Melania 40 Millionen Dollar. Das alles ging jetzt nach hinten los."
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG erinnert: "In vielen amerikanischen Staaten hatten sich die demokratischen Bewerber um das Gouverneursamt gegen weitere große Rechenzentren ausgesprochen, die in den USA seit Monaten wie Pilze aus dem Boden schießen. Damit haben sie auf wachsende Ablehung gegen die Zentren in der Bevölkerung reagiert. Der hohe Bedarf an Strom und Wasser, der die Umwelt belastet und teilweise die Kosten für diese beiden Produkte für alle Bürger in die Höhe treibt, ist ein zentraler Kritikpunkt. Auch müssen Tech-Konzerne wie Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft sowie reine KI-Unternehmen wie Anthropic und Open AI noch beweisen, dass sich ihre Investitionen von Hunderten Milliarden Dollar in bare Münze umwandeln lassen. Jüngst hatten Börsianer die Google-Mutter Alphabet abgestraft, weil die KI-Ausgaben förmlich durch die Decke gehen, zugleich jedoch im Kerngeschäft die Marge sinkt. Würde der KI-Boom zu einem abrupten Ende kommen, hätte das Folgen über die Branche hinaus. Die Investitionen haben auch in anderen Bereichen der amerikanischen Wirtschaft eine erhebliche Wachstumsdynamik generiert, beispielsweise in der Energieerzeugung, bei der Netzinfrastruktur und anderen Sektoren der Baubranche." Das war die NZZ aus der Schweiz.
Die dänische Zeitung JYLLANDS-POSTEN aus Århus verweist allerdings auf Folgendes: "Der Abschwung betrifft vor allem bestimmte Tech-Aktien aus mehr oder weniger spekulativen Bereichen. Wenn die Luft aus einer spekulativen Tech-Blase entweicht, ist das aber eine gesunde Entwicklung - solange sie den Markt robuster macht und nicht auf Branchen übergreift, die enger mit der Realwirtschaft verbunden sind."
Zu den US-Zwischenwahlen selbst meint die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT: "Politiker der Republikaner sehen ihre Macht schwinden. Wer sitzt noch sicher auf seinem Posten, wenn sogar Mississippi an die Demokraten fallen kann? Und wie sollte man sich verhalten, wenn dies so offensichtlich auf die Korruption, den Krieg, die Zölle, den Ballsaal und andere Fehltritte dieses Präsidenten zurückzuführen ist? Am Dienstag wechselten rund acht Prozent der Wähler von den Republikanern zu den Demokraten - darunter Latinos und junge Männer, denen der Preis für eine Tankfüllung am Ende wichtiger war als der Machismo, mit dem Trump sie zuvor für sich gewonnen hatte." So weit die Einschätzung in DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
Der Gastkommentator in der LIANHE BAO aus Taipeh geht aus der Sicht Taiwans auf den Wahlsieg der Demokraten ein: "Es steht zu erwarten, dass der Taiwan-freundliche Kurs der Demokraten wieder Oberhand gewinnen wird. Es werden wieder mehr US-Abgeordnete nach Taipeh reisen. Allerdings darf man auch nicht allzu optimistisch sein. Denn egal, wer der Herr im Weißen Haus ist: Die Interessen Amerikas werden weiterhin über allem stehen. Und solange die US-Regierung Taiwan nur als einen geopolitischen Schachzug betrachtet, wird es keinerlei Sicherheitsgarantien geben."
Die russische KOMMERSANT blickt auf die Interessen Moskaus: "Die für Russland derzeit wichtigste Frage ist zweifellos die nach der amerikanischen Militärhilfe für die Ukraine. Die Demokraten hatten vor den Wahlen erklärt, sie wollten in diesem Bereich voranschreiten, obwohl das Interesse daran geringer ist als noch vor einigen Jahren und der Eindruck entsteht, dass dieses Thema in erster Linie ‚aus Trotz‘ gegenüber Trump vorangetrieben wird. Einerseits kann der Kongress, selbst wenn er Militärhilfen in den Haushalt aufnimmt, das Pentagon nicht direkt zu Lieferungen zwingen: In den vergangenen Jahren hat das Verteidigungsministerium schlichtweg keine Waffen im Wert der von den Gesetzgebern bewilligten Milliardenbeträge bestellt. Selbst unter Trumps Vorgänger Biden wurde der bewilligte Rahmen nicht voll ausgeschöpft. Andererseits könnten die Kongressabgeordneten die tatsächliche Umsetzung der Militärlieferungen an die Zustimmung zu anderen, für die Regierung wichtigen Haushaltsposten knüpfen", bemerkt der KOMMERSANT aus Moskau.
Die Staatskrise in Paraguay spitzt sich weiter zu: Präsident Peña wurde am Abend vom Parlament abgesetzt. Der Senat votierte einstimmig für die Amtsenthebung. Wenig später erließ die Generalstaatsanwaltschaft Haftbefehl gegen Peña. Die kolumbianische Zeitung EL ESPECTADOR fasst zusammen: "Nach dem Skandal um den Zusammenbruch der ‚ueno bank‘ wollte Paraguays Staatspräsident Peña erst seinen Rücktritt einreichen, doch dies wurde vom Parlament abgelehnt. Es wäre für ihn der Ausweg gewesen - denn hätte man Peña einen solchen Abschied gewährt, hätte er einen lebenslangen Sitz im Parlament bekommen, der ihm Immunität geboten hätte. Nun aber ist er abgesetzt worden, und es liegt ein Haftbefehl gegen ihn vor. Die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft richten sich noch gegen 30 weitere Personen. Der Skandal führte dazu, dass Millionen Konten eingefroren werden mussten. Betroffen sind staatliche Unternehmen ebenso wie Rentner und sogar die Gehälter der paraguayischen Fußballnationalmannschaft. Die Menschen protestieren auf den Straßen der Hauptstadt Asunción. Zu lange wurde argumentiert, der Staat solle sich verschlanken, statt in den Markt einzugreifen, und der Privatsektor sei effizienter im Umgang mit Geld. Aber ohne unabhängige Regulierungsbehörden ist das Ergebnis oft nur die Verwendung öffentlicher Gelder für private Interessen - und am Ende sind es die Bürger, die dafür den Preis zahlen", betont EL ESPECTADOR aus Bogotá.
Und die paraguayische Zeitung ULTIMA HORA kommentiert: "In Paraguays Politik geht es normalerweise eher beschaulich zu, und nur selten gibt es Überraschungen. Aber dieser plötzliche Bruch zwischen Präsident Santiago Peña und seinem Vize Pedro Alliana gehört dazu. Es wird Alliana nach mehr als drei Jahren als Vizepräsident schwer fallen, sich von dem Skandal zu distanzieren. Es kann gar nicht sein, dass er nicht vollumfänglich über die Transaktionen der Digitalbank informiert war. Peña geht in Schimpf und Schande, nachdem er uns jahrelang mit seiner großspurigen Rhetorik bombardiert hat. Die Wut der betrogenen Sparer wird ihn überallhin begleiten, und er wird in seiner Villa wohl kaum in Ruhe schlafen können." Mit ULTIMA HORA aus Asunción endet die internationale Presseschau.
