
Dazu schreibt der TAGESSPIEGEL aus Berlin: "US-Präsident Trump hat ein regelrechtes Debakel erlebt. Eine 'blaue Welle' – angelehnt an die Parteifarbe der Demokraten – überspülte selbst tief konservative Bastionen seiner Republikaner wie Texas, South Carolina, Kansas und Iowa. Für Trump, der explizit dazu aufgerufen hatte, so zu tun, als ob er selbst auf dem Wahlzettel stünde, entpuppte sich der erste große Stimmungstest seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 als eine der schwersten Niederlagen in seiner politischen Laufbahn," urteilt DER TAGESSPIEGEL.
"Donald Trump erlebt eine überwältigende Zurückweisung", stimmt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zu: "In Washington kehrt wieder echte Gewaltenteilung ein, aber der Möchtegern-König wird jetzt erst recht nicht zu Ausgleich und Milde neigen. Und doch zeichnet sich jetzt das Ende einer desaströsen Episode der US-Geschichte ab: der des geschrumpften Königs Donald Trump."
"Eines zeigt das Wahlergebnis ganz sicher", unterstreicht die FULDAER ZEITUNG: "Die Macht des Volkes abzuschaffen, das hat Trump, wenn er es denn wollte, bislang nicht geschafft. Mehr Demokratie, als sich in diesem Wahlergebnis manifestiert, lässt sich als Antwort auf Demokratiezweifel kaum denken."
"Der blaue Sieg ist ein Sieg für die US-Demokratie", findet auch die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG: "Er wird Trumps selbstherrliche Alleingänge zwar nicht automatisch und allumfassend beenden – sein Veto und weitreichende exekutive Befugnisse des Präsidenten vor allem im Bereich der Außenpolitik bleiben bestehen. Doch Gesetze, Budgets und internationale Vereinbarungen müssen wieder stärker verhandelt werden. Es besteht nun die Chance auf die Rückkehr einer Politik von Abwägung, Rechenschaft und Verbindlichkeit."
"Dass diese 'Midterms' für Trump unangenehm werden könnten, war absehbar. Doch dieses Desaster kommt überraschend", wirft das DARMSTÄDTER ECHO ein: "Die Botschaft ist glasklar: Eine deutliche Mehrheit der Amerikaner würde Trump lieber heute als morgen die Kündigung ins Weiße Haus schicken."
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg konstatiert: "Trumps persönlich zurechtgezimmertes MAGA-Haus wurde bei den Midterms davongefegt wie eine Strohhütte im Präriesturm. Für die Zukunft der Vereinigten Staaten gibt es damit eine Befürchtung weniger: Dass Trump versuchen könnte, Kurs auf eine dritte Präsidentschaft zu nehmen."
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf erklärt Trumps Wahlniederlage so: "Die großen Fehler des Präsidenten waren der Krieg gegen den Iran, der die Teuerung in den USA noch zusätzlich verstärkte und seine Zollpolitik, die Amerika eigentlich stark machen sollte. Und auch die Einwanderungspolitik, die vor zwei Jahren noch auf Zustimmung stieß, ist mit dem Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE völlig über das Ziel hinausgeschossen."
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN richten den Fokus auf den Sieg der Demokraten in Texas: "Die Konsequenzen für die Präsidentschaftswahlen 2028 könnten dramatisch sein. Ohne die Wahlleutestimmen aus Texas werden die Republikaner das Weiße Haus nicht halten können. Das wusste der reichste Mann der Welt, der seinen Wohnsitz in den Niedrigsteuerstaat verlegt hatte. Elon Musk pumpte die unerhörte Summe von fast 500 Millionen Dollar in die Midterms, um seinen Freunden in Texas und Trump zu helfen. Das Geld reichte nicht, den Aufstand an der Urne zu stoppen", halten die NÜRNBERGER NACHRICHTEN fest.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU blickt nach vorn: "Die Wählerinnen und Wähler haben bei den Midterms nicht nur der nationalpopulistischen Politik von US-Präsident Donald Trump und seiner Republikaner eine Absage erteilt. Sie haben die Demokraten mit einem historischen Sieg beauftragt, eine zukunftsweisende Politik für das gespaltene Land zu entwickeln."
CICERO aus Berlin mahnt: "Die Demokraten sollten aus ihrem Triumph nicht die falschen Schlüsse ziehen, denn ein Votum gegen Trump ist noch kein Votum für das gesamte demokratische Programm. Wer wegen hoher Lebensmittelpreise oder aus Enttäuschung über den Präsidenten die Partei gewechselt hat, muss nicht zwingend mit jeder Position der Demokraten zur Einwanderung, Gesellschaftspolitik oder zu staatlichen Ausgaben einverstanden sein."
Die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen betont: "Der überraschend deutliche Sieg der Demokraten ist eine gute Nachricht für all jene, die sich strikt weigern, sich von der lähmenden Larmoyanz der Untergangspropheten anstecken zu lassen – in den USA wie überall. Demokratie lebt, Demokratie ist wehrhaft."
Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg ergänzt: "Die US-Amerikaner haben Trump die Quittung gegeben. Ablauf und Ausgang der Wahl lassen hoffen. Die befürchteten Einsätze der Nationalgarde blieben aus. Die Ergebnisse sind so deutlich, dass deren Anfechtung schwerfallen würde. Die Verärgerung über Trumps Politik ist deutlich. All das ist aber nur die Chance auf einen Neuanfang. Bei den Demokraten müssen viele neue Mitglieder im Kongress schnell zueinanderfinden und Ergebnisse liefern, die vor allem in den Geldbörsen der Menschen zu spüren sind. Und selbst wenn das gelingt, braucht es noch weitere tiefgreifende Reformen. Nur so könnten die USA international verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen", meint die BADISCHE ZEITUNG.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG gibt zu bedenken: "Das Ergebnis der Zwischenwahl in Amerika wird vielen in Deutschland weltanschaulich gefallen. Aber die Realität lautet: Die Bundesregierung wird es weiter mit Trump zu tun haben. Es ist weitgehend der Präsident, der den Kurs der US-Außenpolitik bestimmt, nicht der Kongress. Die Demokraten werden von Januar an ein paar Instrumente zur Verfügung haben, mit denen sie versuchen können, Trumps selbstherrliches Agieren auf der Weltbühne einzuhegen, das Amerika selbst so viel Schaden zugefügt hat: vornehmlich den Haushalt, und auch für den Handel ist im Grundsatz das Parlament zuständig. Aber Trump bleibt der Oberbefehlshaber des Militärs, er kontrolliert die Exekutive", erläutert die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG.
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER rechnet nicht damit, dass sich Trump in der internationalen Politik nun zurücknimmt: "Die jüngste Annäherung an Russland, die unklare Strategie im Nahen Osten oder die Verstrickungen in die Politik südamerikanischer Länder, all das könnte für weiteres Chaos auf der Welt sorgen und den US-Präsidenten in das Rampenlicht stellen, das er sich so sehr wünscht. Frei nach dem Motto: Wenn Trump im Inland nicht mehr genug Aufmerksamkeit bekommt, haut er einfach auswärts auf den Putz."
Die TAZ sieht das ähnlich: "Jeder andere Präsident würde bei so einem Ergebnis zur lahmsten allerlahmen Enten, würde sich im Weißen Haus verkriechen und beobachten, wie inseiner Partei um die Nachfolgekandidatur gekämpft wird. Das aber ist für Trump schwer vorstellbar – freiwillig wird er das Rampenlicht jedenfalls nicht verlassen. Der Albtraum der Trump-Präsidentschaft ist nicht vorbei. Außenpolitisch könnten viele die Wut dieses Präsidenten zu spüren bekommen, von Havanna bis Kiew, ohne dass der Kongress viel dagegen unternehmen könnte."
Zum Abschluss greift die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder) die anhaltende Diskussion um die Rentenreform auf: "Recht machen kann es die Politik beim Thema Rente ohnehin niemandem mehr. Deshalb sollte Arbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) schnell einen mutigen Gesetzentwurf für die Rentenreform vorlegen. Zu viel Zeit ist bereits ins Land gegangen, weil es erst wegen der einen Wahl nicht ging und dann wegen der anderen Wahl nicht passte. Die Politik muss endlich das Richtige tun, statt ständig auf Zustimmung zu schielen. Härten lassen sich leichter verkraften, wenn sie alle in der einen oder anderen Weise treffen. Zufrieden wird am Ende niemand sein. Aber das ist ja auch jetzt schon so." Mit dieser Stimme der MÄRKISCHEN ODERZEITUNG endet die Presseschau.
