
Eralp hatte dem "Spiegel" ein Interview gegeben und später eine autorisierte Fassung des Gesprächs an das Magazin geschickt. In dem Dokument waren aber versehentlich noch Kommentare und Anmerkungen enthalten, die Eralp und ihr Team hinterlassen hatten.
Der "Spiegel" veröffentlichte die Kommentare, in denen es unter anderem heißt, Eralp wolle sich und ihre Familie nicht in Gefahr bringen. Offenbar wollte sie es vermeiden, den Namen eines Hamas-Sympathisanten zu nennen, der im September bei einer Wahlparty der Linken in Neukölln aufgetaucht war. Sie begründet das damit, dass das Landeskriminalamt ihr in der Vergangenheit geraten habe, "nie konkrete Namen zu nennen".
Eralp im Abgeordnetenhaus: "Werde mich nicht einschüchtern lassen"
Eralps Sprecher teilte dem "Spiegel" mit, dass die Linkenpolitikerin als Bürgermeisterkandidatin seit Monaten täglich Beleidigungen, Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt sei. Am Rande der konstituierenden Sitzung des Berliner Abgeordnetenhauses äußerte sich auch Eralp selbst. Sie werde sich von niemandem einschüchtern lassen, sagte sie. Dass sie sich Sorgen um ihre Familie mache, sei jedoch völlig normal und eine Selbstverständlichkeit. Sie gebe aber allen Berlinerinnen und Berlinern das Versprechen, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen Kriminalität, Gewalt und Terror vorzugehen.
Wegner: Regierung darf sich nicht vor Extremisten fürchten
Vertreter der Union warnten erneut vor einer möglichen rot-grün-roten Koaltion in der Hauptstadt. Der CDU-Spitzenkandidat bei der Wahl im September, Evers sagte, es stelle sich die Frage, wie Eralp als Regierende Bürgermeisterin von Berlin die Sicherheit von Millionen Menschen gewährleisten wolle, wenn sie selbst Angst vor dem "islamistischen Umfeld ihrer Partei" habe.
Der noch amtierende Regierende Bürgermeister von Berlin, Wegner (CDU), meinte, eine Regierung müsse Extremisten und Kriminellen entschlossen entgegentreten. Sie dürfe "niemals ihr Handeln von diesen Strukturen abhängig machen - schon gar nicht darf sie sich vor ihnen fürchten".
Krach (SPD) äußert sich zurückhaltend
Der Berliner SPD-Vorsitzende Krach äußerte sich zurückhaltender. Es sei zu früh für eine Bewertung, sagte er. Er sei gleichwohl durch den Bericht erschüttert, denn er zeige, dass es ein ernsthaftes Problem mit organisierter Kriminalität in der Stadt gebe. Der ehemalige Regierende Bürgermeister Müller (SPD) meinte dagegen, die Veröffentlichungen würden im Fall einer Koalition bedeuten, "dass die Regierende Bürgermeisterin erpressbar" sei. Die Sondierungen in Berlin werden von Teilen der SPD kritisch gesehen.
Ramelow kritisiert Veröffentlichung
Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Ramelow (Linke), kritisierte die Berichterstattung des "Spiegel" als "fragwürdig". Damit werde "ein Mensch, der sich schutzlos fühlt, und dies intern kommuniziert, gezielt verletzt – und noch schutzloser gemacht", sagte Ramelow dem "Stern".
Diese Nachricht wurde am 29.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.




