
Im Stadtrat von Heidenau stimmten 13 Mitglieder für den Antrag, es gab 6 Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Zur Begründung hieß es, viele Bürger, Angehörige und Initiativen empfänden Stolpersteine nicht als angemessene Form der Erinnerung. Stattdessen solle das Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus vorzugsweise auf dem Nordfriedhof der Stadt stattfinden, so dass ein "direktes Betreten der Gedenkelemente" ausgeschlossen sei.
Entsetzen über Verhalten der CDU im Stadtrat
Das Internationale Auschwitz Komitee hatte den Antrag schon vor der Ratsentscheidung als "durchsichtigen Versuch" bezeichnet, Heidenauer Opfer der Nazis "erneut aus der Stadt hinauszuwerfen und sie dahin zu entsorgen, wohin das Gedenken nach Meinung der AfD schon längst gehört - auf den Friedhof". Dass CDU-Abgeordnete der AfD zu solchen Schäbigkeiten die Hand reichten, sei ein Skandal, so der Vizepräsident des Komitees, Heubner.
Ähnlich äußerte sich die Holocaust-Überlebende und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Knobloch. Sie sei entsetzt, dass eine demokratische Partei sich dafür hergebe, ein so durchsichtiges Manöver der Extremisten von der AfD zu unterstützen, sagte Knobloch den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sie selbst sei zwar nie eine Befürworterin des Stolperstein-Konzepts gewesen. Entscheidend sei aber, dass das Gedenken nicht aus dem öffentlichen Raum verbannt werde, sondern ihn durchdringe und präge.
Ministerin Prien (CDU): Jüdinnen und Juden "nicht unsichtbar machen"
Israels Botschafter in Deutschland, Prosor betonte, er sei beschämt. Bundesbildungsministerin Prien sprach ebenfalls von einem Skandal. Wer Erinnerungsorte jüdischen Lebens auf Friedhöfe verdrängen wolle, mache Jüdinnen und Juden "noch einmal unsichtbar", sagte die CDU-Politikerin der "Bild"-Zeitung. Die kleinen Messingplatten im Gehweg erinnerten tagtäglich daran, welche Verantwortung Deutschland aus dem Holocaust ableiten müsse, führte sie aus. In dieser Verantwortung sehe sie auch die CDU in Sachsen, betonte Prien.
Der Künstler und Stolperstein-Erfinder Gunter Demnig erklärte, das Verhalten der CDU sei "mehr als daneben". Es passe nicht zum C.
Landespolitik mischt sich in Heidenau ein
Die Stadtverwaltung hatte empfohlen, die Vorlage abzulehnen. Die SPD-Landtagsfraktion forderte den Stadtrat auf, die Entscheidung zu überdenken. Auch Politiker von Linken und Grünen in Sachsen wandten sich gegen den Beschluss. Die Geschäftsführerin der Stolperstein-Stiftung, Demnig, sagte, Stolpersteine machten Geschichte dort sichtbar, wo sie geschehen sei.
Stolpersteine gibt es seit den 1990er Jahren. Sie werden am letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsort von Opfern des Nationalsozialismus verlegt, der eingravierte Name und die Lebensdaten sollen an sie erinnern.
In München sind Stolpersteine auf städtischem Grund seit 2004 nicht mehr erlaubt
In München sind Stolpersteine auf städtischem Grund bereits seit dem Jahr 2004 nicht mehr erlaubt. Stattdessen gibt es Erinnerungszeichen mit Fotos und knappen Lebensdaten vor Wohnhäusern.
Diese Nachricht wurde am 26.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
