"Prion 2005" in Düsseldorf berieten Experten darüber. Gerd Pasch im Gespräch mit der Wissenschaftsjournalistin Kristin Raabe.
Pasch: Frau Raabe, was meinen die Forscher, wie sicher sind wir vor BSE?
Raabe: Grundsätzlich sind sich alle einig, die Maßnahmen greifen! BSE ist vielleicht noch ein bisschen in Kanada ein Problem, aber hier in Europa eigentlich nicht mehr. Der BSE-Flächenbrand ist gelöscht. Aber es gibt immer noch vereinzelt Schwelbrände und man sollte auch weiterhin wachsam sein. Denn es gilt nach wie vor im Umgang mit potentiell von Prionen verseuchtem Material vorsichtig zu sein. Also beispielsweise in Schlachthöfen, wo Rinder geschlachtet werden, oder in der pharmazeutischen Industrie, wo mit Rinderserum gearbeitet wird, oder in der fettverarbeitende Industrie, die gerne Kosmetik aus Rinderfett herstellt, und natürlich Krankenhäuser und Blutbanken, denn auch im menschlichen Gewebe können sich Prionen befinden. Schließlich haben in den 80er Jahren relativ viele Menschen BSE-verseuchtes Fleischprodukte gegessen. Und das ist eben der Bereich, wo man nach wie vor weiterhin aufpassen müßte.
Pasch: In Krankenhäusern und Schlachthöfen wird doch auch wegen anderer Krankheitserregers sowieso alles ständig sterilisiert. Vernichtet man damit nicht auch den BSE-Erreger?
Raabe: Leider nein, denn diese Eiweiße - diese BSE-Erreger, diese Prionen, sind nichts anderes als Eiweiße - diese Prionen sind unglaublich hartnäckig, viel hartnäckiger als Viren oder Bakterien. Das liegt daran, dass sie extrem widerstandsfähige Bindungen innerhalb der verschiedenen Eiweißteile haben, die die Teile miteinander verbinden und da halten sie ganz fest zusammen. Beispielsweise in Krankenhäusern, wo normalerweise in einem sogenannten Autoklaven bei 120 Grad sterilisiert wird, machen die Prionen das alles locker mit, die sind hinterher genauso fit wie vorher. Selbst Angriffe von Wasserstoffperoxid, was wirklich sehr aggressiv ist und auch oft zum Sterilisieren benutzt wird, überstehen sie mühelos. In Deutschland hatten wir noch relatives Glück, weil beispielsweise für Schlachtabfälle sehr alte Regelungen galten. Die stammten noch aus der Zeit, als Milzbrand ein großes Problem war. Und der Milzbranderreger ist vielleicht der einzige Erreger, der vergleichbar mit den Prionen ist, was die Hitzebeständigkeit angeht. Deswegen wird bei uns in den Schlachthöfen immer noch alles auf über 130 Grad erhitzt und dann ist da irgendwann die Grenze erreicht, wo auch die Prionen langsam schlapp machen. Das war in England anders, deswegen hat sich auch gerade in England der Rinderwahn so ausgebreitet.
Pasch: Aber man kann ja nicht alles so stark erhitzen. In den Schlachthöfen müssen große Oberflächen gereinigt werden, in Krankenhäusern auch mal teure endoskopische Geräte!
Raabe: Genau das ist das Problem, für das die Forscher eine Lösung gefunden haben. Zum Beispiel Jean-Philipp Deslys, er ist Koordinator des Europäischen Netzwerks Neuroprion. An seinem Prioninstitut in der Nähe von Paris hat er herausgefunden, wie sich die Prionen kleinkriegen lassen. Und zwar nahm er statt gewöhnlichen Wasserstoffperoxids, das ja nichts macht bei Prionen, das liegt normalerweise in flüssiger Form vor, das hat er verdampft, also mit Wasserstoffperoxid-Dampf. Und tatsächlich ließen sich damit die Prionen kleinkriegen. Man kann damit auch größere Oberflächen behandeln und sogar auch Computer oder Endoskope. Dann ist bereits nach einer Einwirkzeit von drei Stunden alles prionenfrei. Man kann das auch verkürzen: Wenn man das im Vakuum macht reichen schon fünf Minuten, alles bei Raumtemperatur. Und damit kann man auch elektronische Geräte prionfrei bekommen.
Pasch: Warum ist der Wasserstoffperoxiddampf, denn soviel effektiver?
Raabe: Das ist eine neue Eigenschaft, die man jetzt erst entdeckt hat, dass anscheinend in verdampfter Form die Wasserstoffradikale einfach aggressiver sind und dann die extrem harten Bindungen in den Prion-Proteinen viel leichter aufbrechen können.
Pasch: Frau Raabe, was meinen die Forscher, wie sicher sind wir vor BSE?
Raabe: Grundsätzlich sind sich alle einig, die Maßnahmen greifen! BSE ist vielleicht noch ein bisschen in Kanada ein Problem, aber hier in Europa eigentlich nicht mehr. Der BSE-Flächenbrand ist gelöscht. Aber es gibt immer noch vereinzelt Schwelbrände und man sollte auch weiterhin wachsam sein. Denn es gilt nach wie vor im Umgang mit potentiell von Prionen verseuchtem Material vorsichtig zu sein. Also beispielsweise in Schlachthöfen, wo Rinder geschlachtet werden, oder in der pharmazeutischen Industrie, wo mit Rinderserum gearbeitet wird, oder in der fettverarbeitende Industrie, die gerne Kosmetik aus Rinderfett herstellt, und natürlich Krankenhäuser und Blutbanken, denn auch im menschlichen Gewebe können sich Prionen befinden. Schließlich haben in den 80er Jahren relativ viele Menschen BSE-verseuchtes Fleischprodukte gegessen. Und das ist eben der Bereich, wo man nach wie vor weiterhin aufpassen müßte.
Pasch: In Krankenhäusern und Schlachthöfen wird doch auch wegen anderer Krankheitserregers sowieso alles ständig sterilisiert. Vernichtet man damit nicht auch den BSE-Erreger?
Raabe: Leider nein, denn diese Eiweiße - diese BSE-Erreger, diese Prionen, sind nichts anderes als Eiweiße - diese Prionen sind unglaublich hartnäckig, viel hartnäckiger als Viren oder Bakterien. Das liegt daran, dass sie extrem widerstandsfähige Bindungen innerhalb der verschiedenen Eiweißteile haben, die die Teile miteinander verbinden und da halten sie ganz fest zusammen. Beispielsweise in Krankenhäusern, wo normalerweise in einem sogenannten Autoklaven bei 120 Grad sterilisiert wird, machen die Prionen das alles locker mit, die sind hinterher genauso fit wie vorher. Selbst Angriffe von Wasserstoffperoxid, was wirklich sehr aggressiv ist und auch oft zum Sterilisieren benutzt wird, überstehen sie mühelos. In Deutschland hatten wir noch relatives Glück, weil beispielsweise für Schlachtabfälle sehr alte Regelungen galten. Die stammten noch aus der Zeit, als Milzbrand ein großes Problem war. Und der Milzbranderreger ist vielleicht der einzige Erreger, der vergleichbar mit den Prionen ist, was die Hitzebeständigkeit angeht. Deswegen wird bei uns in den Schlachthöfen immer noch alles auf über 130 Grad erhitzt und dann ist da irgendwann die Grenze erreicht, wo auch die Prionen langsam schlapp machen. Das war in England anders, deswegen hat sich auch gerade in England der Rinderwahn so ausgebreitet.
Pasch: Aber man kann ja nicht alles so stark erhitzen. In den Schlachthöfen müssen große Oberflächen gereinigt werden, in Krankenhäusern auch mal teure endoskopische Geräte!
Raabe: Genau das ist das Problem, für das die Forscher eine Lösung gefunden haben. Zum Beispiel Jean-Philipp Deslys, er ist Koordinator des Europäischen Netzwerks Neuroprion. An seinem Prioninstitut in der Nähe von Paris hat er herausgefunden, wie sich die Prionen kleinkriegen lassen. Und zwar nahm er statt gewöhnlichen Wasserstoffperoxids, das ja nichts macht bei Prionen, das liegt normalerweise in flüssiger Form vor, das hat er verdampft, also mit Wasserstoffperoxid-Dampf. Und tatsächlich ließen sich damit die Prionen kleinkriegen. Man kann damit auch größere Oberflächen behandeln und sogar auch Computer oder Endoskope. Dann ist bereits nach einer Einwirkzeit von drei Stunden alles prionenfrei. Man kann das auch verkürzen: Wenn man das im Vakuum macht reichen schon fünf Minuten, alles bei Raumtemperatur. Und damit kann man auch elektronische Geräte prionfrei bekommen.
Pasch: Warum ist der Wasserstoffperoxiddampf, denn soviel effektiver?
Raabe: Das ist eine neue Eigenschaft, die man jetzt erst entdeckt hat, dass anscheinend in verdampfter Form die Wasserstoffradikale einfach aggressiver sind und dann die extrem harten Bindungen in den Prion-Proteinen viel leichter aufbrechen können.