
Die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen kommentiert:
"36 Jahre nach der Wiedervereinigung scheinen die Deutschen in Ost und West vor allem in einem einig zu sein: im Frust. Wegen der schwierigen Wirtschaftslage und der Angst um den Arbeitsplatz, die hohen Preise, eine Weltlage, die so bedrohlich wirkt wie seit Jahrzehnten nicht mehr, ein Staat, in dem von den Schulen bis zum Straßen- und Schienennetz vieles nicht mehr gut funktioniert: Der Frust mag verständlich sein. Aber auf Dauer lähmt er."
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN meinen hingegen:
"Tatsächlich kann ein Teil dieser Wiedervereinigung (oder war es doch eher ein Anschluss?) als gelungen betrachtet werden. Die Infrastruktur des Ostens kann sich sehen lassen."
Die Zeitung ND.DER TAG kritisiert den Blick des Westens:
"Es überwiegen zu viele Vorurteile über die vermeintlich alle Nazis wählenden Russlandversteher aus dem Osten in westdeutsch geprägten Medien. Diese Bilder tragen weder zum besseren Verständnis der politischen Verhältnisse im Osten bei, noch helfen sie irgendwie bei dem, was Politiker*innen als 'Vollendung der Wende' bezeichnen. Was helfen würde: mehr Dialog und die Anerkennung von Unterschieden."
Das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND schreibt unter anderen in der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG:
"Nach 36 Jahren ist es an der Zeit, die Frage umzudrehen: Ist nicht gerade der Westen das Problem? Weil er seit diesen 36 Jahren in der Illusion lebt, der Goldstandard zu sein, an den sich der Osten anzunähern habe."
Die DITHMARSCHER LANDESZEITUNG aus Heide blickt auf Wahlerfolge an den politischen Rändern:
"Linke und AfD leben von Fehlern im Zuge der Vereinigung sowie vom Versagen der Regierungen der vergangenen zehn Jahre. Das bedeutet keineswegs, dass die deutsche Einheit ein Irrweg war. Und schon gar nicht, geringzuschätzen, Diktatur und Spaltung auf friedlichem Wege überwunden zu haben. Es mag sehr bequem sein, die Nase über 'die da' zu rümpfen. Konstruktiver wäre der Dialog. Wir sind ein Volk – mit verschiedenen Erfahrungen und Empfindungen. Das darf man auch mal feiern."
Und nun noch ein Blick auf Bundespräsident Steinmeier, der sich einem Medienbericht zufolge in den jüngsten Streit der Bundesregierung über die Sparmaßnahmen in der Pflege eingeschaltet haben soll.
Die WELT merkt an:
"Friedrich Merz mag ein schwacher Kanzler sein. Das Volk mag sich nach einem Befreiungsschlag sehnen. Aber die Politik ist nun einmal nicht Karate, sondern 'das starke und langsame Bohren harter Bretter', wie Max Weber es formulierte. Die große Koalition hat ein Mandat bis 2029. Sie hat dieses Mandat gefälligst wahrzunehmen und die harten Bretter weiter zu bohren. Daran hat Steinmeier sie erinnert, und das war gut so."
