28. Oktober 2026
Blick in die Zeitungen von morgen

Die Parlamentswahl in Israel ist Kommentarthema fast aller Zeitungen, jedoch mit unterschiedlichen Blickwinkeln.

Netanjahu und Eisenkot sind auf einem großen Plakat abgebildet, Netanjahu mit rotem, Eisenkot mit blauem Hintergrund.
Parlamentswahl in Israel (picture alliance / dpa / Gil Cohen-Magen)
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG meint,
"trotz harter öffentlicher Kritik an Netanjahu hat seine Likud-Partei gut abgeschnitten. Das allein wäre ein bemerkenswertes Ergebnis. Der rund um den Globus abgelehnte, teils verhasste Ministerpräsident ist immer noch der Politiker, der in einer Gesellschaft, die seit drei Jahren im Ausnahme- und Kriegszustand lebt, am meisten Gefolgschaft findet. Sich vor allem als redliche und gemäßigte Alternative anzubieten, hat seinem Herausforderer Eisenkot offenbar nicht den erhofften Wahlsieg gebracht."
"Was wollen die Wählerinnen und Wähler?", fragt das DARMSTÄDTER ECHO:
"Dass weder Eisenkot noch Netanjahu gewonnen haben, ist dem starken Abschneiden der arabischen Parteien geschuldet. Die Netanjahu-Regierung hat die arabische Minderheit miserabel behandelt, teilweise in ihren Bürgerrechten beschnitten."
Was wäre unter einem möglichen Ministerpräsidenten Gadi Eisenkot zu erwarten? Dieser Frage geht der TAGESSPIEGEL aus Berlin nach:
"Auch wenn es nicht zu einem weiteren Großaufstand der palästinensischen Bevölkerung kommt, sind signifikante Annäherungen auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Die Verletzungen sind zu tief, die Zerstörung von Gaza wiegt zu schwer."
Und die FRANKFURTER RUNDSCHAU geht das Szenario durch, wenn Netanjahu Regierungschef bliebe:
"Es wäre nicht das erste Mal, dass das politische Stehaufmännchen Netanjahu so eine Lage zu seinen Gunsten wendet. Ihm könnte es gelingen, eine Partei aus dem Oppositionsblock mit Zugeständnissen für sie auf seine Seite zu ziehen. So ähnlich lief es jedenfalls in den Jahren von 2019 bis 2020. Danach kehrte er gestärkt an die Macht zurück."
Der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Bolsonaro hat sich in die USA abgesetzt. Die TAZ nennt ihn "einen notorischen Lügner und Feigling."
"Zuerst wollte er das Wahlergebnis nicht akzeptieren. Dann schien er sich zu fügen und wollte die Opposition organisieren. Und am Dienstag war er plötzlich nicht mehr da. Seine Flucht ist ein indirektes Schuldeingeständnis, über das dessen billige Rhetorik des politisch Verfolgten nicht hinwegtäuschen kann."
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER weist auf den in Brasilien zuständigen Richter im Fall Flávio Bolsonaro hin:
"Befangener als Alexandre de Moraes vom Obersten Gerichtshof kann ein Richter kaum sein. Er war federführend verantwortlich für die Verurteilung von Flavios Vater Jair Bolsonaro. Moraes steht selbst im Zentrum von Korruptionsvorwürfen. So schwer der Schatten des Geldwäscheverdachtes auf Bolsonaro liegt, so schwer wiegt der Verdacht auf Moraes, Gegner des amtierenden Präsidenten Lula da Silva aus dem Weg zu räumen."