
Die Wochenzeitung DIE ZEIT analysiert die jüngsten Ausschreitungen in Frankreich in ihrer Online-Ausgabe: "Die Bilder von brennenden Rathäusern, geplünderten Geschäften und verletzten Demonstranten und Polizisten übersteigen dieses Mal das, was Frankreich von Protesttagen gewohnt ist: Zwar demonstrierten Hunderttausende friedlich, aber an vielen Orten eskalierten die Gewalt und Zerstörungswut. Dabei haben die Demonstranten legitime Gründe für ihre Proteste: Die Gelbwesten kämpfen für bessere Arbeit und höhere Löhne, Lehrerinnen für kleinere Klassen, Gewerkschaftler für eine Vermögensteuer, Oberstufenschüler für kürzere Unterrichtstage, Studierende für einen gerechteren Unizugang, Landwirte für Hilfen nach einem verheerend heißen Sommer, Taxifahrer für günstigeres Benzin." Soweit ZEIT ONLINE.
Die britische Zeitung THE SUNDAY TELEGRAPH beobachtet: "Seit Jahren ist es eine der Lieblingsbeschäftigungen des britischen Establishments, Frankreich zu loben. In ihrer Erzählung wird Frankreich als fortschrittlich und klug angesehen, als Spitze der europäischen Kultur und als ein Meister der Infrastruktur. Aber die Szenen der letzten Wochen aus Frankreich haben dieser Fantasie sicherlich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Frankreichs Niedergang ist offensichtlich und weitgehend selbst verschuldet. Die sozialistische Wirtschaft hat zu dürftigem Wachstum und einem Staat geführt, der weit über die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts verbraucht. Ein Bildungssystem, wofür Frankreich einst beneidet worden ist, wurde ausgehöhlt, durch niedrigere Standards und einen weit verbreiteten Lehrermangel", ist in THE SUNDAY TELEGRAPH aus London zu lesen.
Der britische GUARDIAN vertitt folgende Auffassung: "Die Debatte über die öffentlichen Ausgaben entkräftet nicht die berechtigten Beschwerden von Schülern, Lehrern und Eltern. Sie rechtfertigt auch keine harte Reaktion im Namen von Recht und Ordnung. Die Lernbedingungen an einigen der am stärksten benachteiligten Schulen haben sich schon seit langem auf ein erschreckend niedriges Niveau verschlechtert. Lehrerstellen bleiben in einigen Schulbezirken mitunter monatelang unbesetzt. In den staatlichen weiterführenden Schulen fielen im Schuljahr 2024/25 mehr als 20 Millionen Unterrichtsstunden aus, was fast jeder zehnten Unterrichtsstunde entspricht", hält der GUARDIAN aus London fest.
Die Schweizer NZZ AM SONNTAG wirft den Blick auf Frankreichs finanzielle Lage: "Jean-luc Mélenchon, Leitfigur der französischen Linken, hat eine verblüffende Entdeckung gemacht: Trotz der rekordhohen Verschuldung müsse sein Land gar nicht sparen. Stattdessen kann der Staat einen Teil der Schulden 'ins Feuer werfen', wie er es formulierte. Konkret will Mélenchon 600 Milliarden Euro an Schulden annullieren, die im Besitz der Banque de France sind – sprich: Die Zentralbank müsste diesen Betrag als Verlust in ihrer Bilanz verbuchen. Die Auffassung, man könne das Schuldenproblem mit einem Federstrich aus der Welt schaffen, steht sinnbildlich für eine neue Strömung. Immer mehr Politiker profilieren sich mit Ideen, wie der Staat den Leuten zu einem Leben wie im Schlaraffenland verhelfen kann: von gratis Zug und Bus fahren über subventioniertes Wohnen bis hin zu staatlich geführten Lebensmittelläden." Das war die NZZ AM SONNTAG.
"Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mutierte nach seinem Amtsantritt vor neun Jahren vom Hoffnungsträger zu Europas Schuldenkönig", schreibt die WELT AM SONNTAG und führt weiter aus: "Inzwischen zahlt das Land sogar höhere Zinsen als Italien oder Griechenland. Denn das politisch gelähmte Frankreich mit seiner stagnierenden Wirtschaft benötigt immer größere Teile der Steuereinnahmen für den Schuldendienst – und rutscht damit stetig näher an die Klippe. EZB-Präsidentin Christine Lagarde lehnte es in dieser Woche zu Recht ab, Frankreich mit einem Hilfsprogramm beizuspringen, das den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen eines bedrängten Mitgliedstaates erlaubt. Denn die Bedingung dafür ist, dass dieses Land ungerechtfertigt übermäßige Risikoaufschläge für neue Kredite zahlen muss. Der französische Staat hat es jedoch selbst in der Hand, durch konsequentes Sparen seinen Haushalt zu konsolidieren, wie dies Griechenland seit einigen Jahren vorbildlich tut", meint die WELT AM SONNTAG.
Themenwechsel. Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN befasst sich mit den von US-Präsident Trump gelockerten Sanktionen gegen Russland: "Trumps russlandfreundliche Haltung wird immer deutlicher. Trotz der ausbleibenden Zugeständnisse von Moskau für eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg hat Washington über den Kopf von Kiew hinweg die Lockerungen der Sanktionen beschlossen. Die Kritik des ukrainischen Präsidenten Selenskyj ist selbstverständlich, woraufhin Trump wiederum mit Gegenkritik und Schuldzuweisungen in Richtung Kiew reagierte. Trumps Verhalten ist absolut egoistisch, denn es macht die Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft zunichte. Was nun erforderlich ist: Europa und Japan müssen bei ihrer geschlossenen Haltung bleiben, damit die Wirkung der Sanktionspolitik nicht untergraben wird", fordert ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
In einem Gastkommentar in der Wochenendausgabe des österreichischen STANDARD heißt es: "Der Grund, warum Putin keinerlei Verhandlungsbereitschaft erkennen lässt, ist Trumps Formbarkeit. Nach einem Telefonat mit Putin, in dem es eigentlich um die Seuchengefahr in einem sibirischen Labor ging, beschloss Trump, dass die USA russischen Diesel kaufen sollten. Ein derart erstaunlicher Themenwechsel lässt vermuten, dass Trump wie Wachs in Putins Händen ist. Die Ironie besteht darin, dass Putin im Krieg gegen die Ukraine sehr schwache Karten hat und seine Stärke allein Trumps Schwäche verdankt", schlussfolgert DER STANDARD aus Wien.
Die LÜBECKER NACHRICHTEN schreiben: "Die jüngsten Vorwürfe des ukrainischen Präsidenten Selenskyj wiegen schwer: Die USA haben der Ukraine demnach damit gedroht, lebenswichtige Geheimdienstinformationen vorzuenthalten, sollte sie ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien fortsetzen. Zugleich soll die Nutzung des Militärsatellitendienstes Starshield zeitweise eingeschränkt worden sein. Ob die Regierung von US-Präsident Trump die Einschränkung veranlasst hat, bleibt unklar. Doch schon die Drohung, der überfallenen Ukraine die Unterstützung zu entziehen, während Russland seine Angriffe fortsetzt, ist ein politischer Skandal. Das Beispiel Ukraine zeigt, wie die USA ihre technologische Überlegenheit als Druckmittel gegen ihre eigenen Verbündeten einsetzen können. Die Europäer müssen daraus Konsequenzen ziehen. Sie müssen rasch ein eigenes Satellitennetz aufbauen", verlangen die LÜBECKER NACHRICHTEN.
Zum Abschluss ein Kommentar zu den erfolgreichen Sondierungsgesprächen von Linken, Grünen und SPD in Berlin. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG kritisiert: "Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass im Ringen um eine neue Berliner Landesregierung ein verlogenes Schauspiel aufgeführt wird. Mit tiefen öffentlichen Sorgenfalten verfolgen Grüne und Sozialdemokraten die Debatten bei den Linken, um dann umso erleichterter festzuhalten, dass sie die Partei am Ende doch noch in den Schoß der Anständigen führen konnten. Man hat es ja jetzt schließlich schwarz auf weiß: Auch die Linke in Berlin erkennt das Existenzrecht Israels an und will Juden in Deutschland schützen. Um das Pharisäerhafte dieser Übung zu ermessen, hilft es, sich für einen Moment vorzustellen, das Stück würde auf der anderen Seite des politischen Spektrums gegeben: Die CDU sondiert eine Juniorpartnerschaft mit der AfD und rechtfertigt sich damit, dass die Partei doch schriftlich versichert habe, den Vielfaltsgedanken zu umarmen sowie Asylrecht und Klimaschutz zu achten. Hohn und Empörung gingen wohl kübelweise über der Union nieder." Das war der Kommentar aus der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG. Und damit endet die Presseschau.
