
Die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA schreibt: "Die neue Labour-Regierung nimmt das Thema Brexit wieder auf: Dabei schließt sie nichts aus, nicht einmal eine Rückkehr in die Europäische Union. In seiner leidenschaftlichen und emotionalen Rede - die zeitweise sogar von Tränen begleitet war - zum Abschluss des Parteitags machte Premierminister Andy Burnham deutlich, dass der Austritt aus der EU mehr Schaden als Nutzen gebracht habe. Die Optionen liegen tatsächlich bereits auf dem Tisch: Sie reichen von Großbritanniens Rückkehr in die Zollunion oder sogar in den Binnenmarkt bis hin zur vollständigen Wiedereingliederung in die Europäische Union", bemerkt CORRIERE DELLA SERA aus Mailand.
Die britische Zeitung THE TELEGRAPH notiert: "Burnhams linkes Programm beruht auf einer Vision von Großbritannien und seiner Geschichte, die reine Fantasie ist. Den Ausführungen des Premierministers zufolge handelt es sich um ein Land, das durch vier Jahrzehnte der Deregulierung verwüstet wurde und in dem ein räuberischer Markt der Nation das genommen hat, was er als unseren 'gemeinsamen Reichtum' bezeichnete. Das ist Unsinn. Das heutige Großbritannien hat stattdessen einen riesigen Staatsapparat, der viel verspricht, aber wenig leistet", kritisiert THE TELEGRAPH aus London.
Im Zuge der Parlamentswahl in Israel befasst sich die JERUSALEM POST mit dem Thema Amtszeitbeschränkungen. "Am Montag erreichte Premierminister Benjamin Netanjahu einen Meilenstein: 19 volle Jahre an der Spitze der israelischen Regierung. Netanjahu war damit an etwa jedem vierten Tag seit der Staatsgründung als Premierminister im Amt. Ist es in einer Demokratie gesund, wenn ein Regierungschef so lange im Amt bleibt? Eine zu lange Zeit an der Macht kann sowohl für den Regierungschef als auch für das Land schädlich sein. Es kann der Eindruck entstehen, eine Person sei unersetzlich, wodurch die demokratische Unterscheidung zwischen dem Regierungschef und dem Staat verschwimmt. Aber der Regierungschef ist nicht der Staat; der Regierungschef dient dem Staat", stellt die JERUSALEM POST fest.
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT verweist auf Hinweise, die Netanjahu vor den Terroranschlägen der Hamas vom 7. Oktober 2023 erhalten haben soll: "Die Berichte, wonach Netanjahu sowohl von Ägypten als auch von den Vereinigten Arabischen Emiraten gewarnt worden sein soll, sind möglicherweise nicht zufällig durchgesickert. Die Vorwürfe werden von der israelischen Opposition eifrig aufgegriffen, um zu zeigen, dass er ungeeignet ist, das Land zu führen. Wenn es tatsächlich stimmt, dass Netanjahu von der Möglichkeit eines großen Angriffs der Hamas wusste, wäre das eine riesige Blamage für den Mann, der seine gesamte politische Karriere auf dem Anspruch aufgebaut hat, der Einzige zu sein, der Israel schützen kann," unterstreicht DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
Allgemeine Preissteigerungen und hohe Mieten in Großstädten sind Thema in der spanischen Zeitung EL PAÍS aus Madrid: "Zu den Kosten für Kraftstoffe und Lebensmittel gesellt sich ein grundlegendes Problem, das die europäische Mittelschicht belastet: der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum. Dies dürfte ein Vorgeschmack auf die Entwicklungen in Europa sein. Der Begriff 'Krise der Bezahlbarkeit' ist längst über den Atlantik geschwappt und auch hier sichtbar geworden – sei es in Berlin, wo die radikale Linke mit Forderungen wie der Enteignung von mehr als 200.000 Wohnungen Erfolge feierte, oder auf der Puerta del Sol in Madrid. Am politischen Rand lauern extremistische Kräfte, die bereit sind, aus der Untätigkeit der Regierungen Kapital zu schlagen", heißt es in EL PAÍS aus Madrid.
Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA beobachtet: "Tatsächlich macht sich in der Politik die Sorge breit, dass die von den Bürgern seit Jahren als zentrales Problem benannte Wohnungsnot zu massiven sozialen Verwerfungen führen könnte. Die nun beschlossenen Maßnahmen schützen vor allem die Mieter und verhindern somit soziale Unruhen. Allerdings tragen sie kaum zu einer Ankurbelung des Wohnungsbaus bei, und hier liegt das eigentliche Problem: Es fehlen in Spanien rund eine Million Wohnungen. Dafür müsste Land zur Verfügung gestellt und der Wohnungsbau gefördert werden - und es muss das Vertrauen wiederhergestellt werden, dass Vermieter und Investoren nicht länger die Zahl der Mietwohnungen reduzieren", notiert LA VANGUARDIA aus Barcelona.
Der britische GUARDIAN erklärt: "Das stark dezentralisierte System Spaniens, in dem die Befugnisse auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene aufgeteilt sind, bietet Politikern erneut den perfekten Vorwand, sich auf das Nötigste zu beschränken und sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben, während die Betroffenen leiden. Die Spanier bezeichnen die Wohnungsfrage immer wieder als das größte Problem des Landes, doch das Thema hat nicht die intensive politische Aufmerksamkeit erhalten, die es verdient", folgert der GUARDIAN aus London.
Der geplante Börsengang des KI-Unternehmens Anthropic beschäftigt die belgische Zeitung DE STANDAARD: "Auf 80 von 261 Seiten beschreibt der Börsenprospekt alle möglichen Gefahren für den Fall, dass die KI außer Kontrolle gerät. Das reiht sich ein in eine Serie von Warnungen und beunruhigenden Hinweisen, dass sich in den Rechenzentren etwas entwickelt, das auch die Forscher nicht wirklich verstehen, die Menschheit jedoch existenziell bedroht. So forderte sogar der Geschäftsführer von Anthropic mehr Kontrolle, was im Zusammenhang mit einem Börsengang ein etwas merkwürdiges Marketinginstrument darstellt", erinnert DE STANDAARD aus Brüssel.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA stellt fest: "Nun beschwören die Konzerne den drohenden Untergang herauf. Dies darf keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Doch die Kassandra-Rufe der Konzerne sind auch teilweise als Marketingstrategie zu betrachten, die mit der Suche nach den für die weitere Entwicklung erforderlichen Billionen Dollar zusammenhängt. Dazu gehört auch der sehnsüchtige Blick auf die US-Regierung, damit diese die amerikanischen Konzerne im Wettlauf mit ihren chinesischen Wettbewerbern unterstützt", notiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Mit Fatima Zahra Mansouri ist eine Frau zur Regierungschefin in Marokko vom König ernannt worden. Das marokkanische Portal HESPRESS betont: "Dieses Ereignis bestätigt, dass marokkanische Frauen im Zentrum politischer Entscheidungsprozesse standen und stehen und dass sie in der Lage sind, Führungsaufgaben zu übernehmen. Wird Fatima Zahra Mansouri für Marokko zu einem inspirierenden politischen Vorbild werden, so wie Angela Merkel in Deutschland zu einem prominenten Vorbild wurde? Die Antwort wird uns nicht durch Reden oder Symbolik allein gegeben, sondern durch Entscheidungen, Leistungen und Ergebnisse in den kommenden Jahren", kommentiert das marokkanische Portal HESPRESS.
Die portugiesische Zeitung DIARIO DE NOTICIAS resümiert. "König Mohammed VI. zeigt, dass seine Pläne zur Modernisierung des Landes auch eine Verbesserung der Stellung der Frau vorsehen. Allerdings muss die marokkanische Regierungspartei PAM unter Mansouri noch nach Verbündeten suchen, und auch sonst sind die Herausforderungen groß: Die Arbeitslosigkeit in Marokko ist hoch, und die Lebenshaltungskosten steigen aufgrund der angespannten Weltlage. Und schließlich geht es darum, ein Großprojekt des Königs vorzubereiten: die Fußball-WM 2030, die von Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal ausgerichtet wird."
