03. Oktober 2026
Die internationale Presseschau

Themen sind heute unter anderem: die Schülerproteste in Frankreich, die fehlgeschlagene Hinrichtung in den USA, die in einem Monat anstehenden Zwischenwahlen in den USA und die Wahlniederlagen der CDU.

    Friedrich Merz CDU, Bundeskanzler, aufgenommen im Plenum des Deutschen Bundestages.
    Friedrich Merz CDU, Bundeskanzler, aufgenommen im Plenum des Deutschen Bundestages. (IMAGO / / Thomas Trutschel)
    Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG meint, dass die CDU trotz sinkender Umfragewerte die Wahl habe: "Sie kann sich an die SPD klammern oder - wenn auch das nicht mehr reicht - an ein Bündnis mit drei oder vier Parteien. Alles wird immer beliebiger. So sichert sie vorläufig die Macht, geht ihrem Niedergang aber umso gewisser entgegen. Oder die Union entsorgt die Denkverbote. Sie bestimmt zunächst ihre politischen Anliegen und sucht sich dann die passenden Partner. Inhalte first, Bündnisse later. Der Wahlausgang im Land Berlin bietet die Möglichkeit eines Befreiungsschlags. Sollen doch SPD und Grüne eine Regierung unter der Führung der Linkspartei bilden. Wenn eine Koalition mit einer Partei möglich sein soll, die voller Antisemiten ist, die Beziehungen zur organisierten Kriminalität unterhält und sich mit Unterstützern des arabischen Terrorismus umgibt, dann ist in Deutschland jede Koalition möglich", glaubt die Schweizer NZZ.
    Die US-amerikanische Todeskandidatin Pike schwebt nach ihrer fehlgeschlagenen Exekution weiter in Lebensgefahr. Die österreichische Zeitung DER STANDARD äußert sich empört: "Es ist dieses moralisch-ethische Niemandsland, in dem die Nadel eines jeden Kompasses für Menschenrechte durchdreht. Denn Exekutionen sind an sich inkompatibel mit der Menschenwürde. Die Todesstrafe zielt einzig auf Vergeltung ab. Ein menschliches Bedürfnis, das aber in keinem Rechtssystem Platz hat. Kein Verbrechen, kein Verlust kann durch sie rückgängig gemacht werden. Vor allem aber sind Justizirrtümer irreversibel. Hinrichtungen haben auch keinerlei Abschreckungseffekt, wie Statistiken stets belegen. Die USA hielten bundesweit, vor allem bei Republikanern, immer an der Todesstrafe fest, auch wenn sie in vielen Bundesstaaten schon lange nicht mehr exekutiert wird. Damit waren sie früher in der westlichen Welt eher die Ausnahme. In der Verrohung der Ära Trump sind Todesstrafen nun sogar wieder im Aufwind. Noch im Oktober stehen Exekutionen in Texas und Florida an", erläutert der Wiener STANDARD.
    Auch die WASHINGTON POST wendet sich gegen Hinrichtungen und argumentiert: "Selbst wenn garantiert werden könnte, dass die Todesstrafe ausschließlich gegen Schuldige und zudem effizient vollstreckt würde, sollte diese Praxis aus moralischen Gründen abgelehnt werden. Tatsächlich stehen die Vereinigten Staaten unter den Industrienationen praktisch allein da, wenn es darum geht, eigene Bürger hinzurichten. Leider befürwortet immer noch mehr als die Hälfte der Bürger diese Praxis. Doch letztendlich muss man hoffen, dass die Amerikaner sich irgendwann fragen werden, wie diese barbarische Politik in den USA bis weit ins 21. Jahrhundert hinein Bestand haben konnte. Vielleicht wird der grauenhafte, von der Regierung geförderte Versuch, Christa Pike zu töten, selbst unter Konservativen Zweifel säen", hofft die WASHINGTON POST.
    In genau einem Monat werden in den USA alle Sitze des Repräsentantenhauses und ein Teil des Senats neu gewählt. Für US-Präsident Trump ist die Zwischenwahl ein Stimmungstest. Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN fragt sich: "Sind die USA tatsächlich so großartig geworden und hat sich das Leben der Bürger so verbessert, wie ihr Präsident versprochen hat? Bei den Zwischenwahlen wird das erste Urteil der Wähler für Trumps zweite Amtszeit erwartet. Sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus haben die Republikaner derzeit noch eine Mehrheit. Sind beide Kammern ihrer Rolle gerecht geworden, den Präsidenten zu überwachen und zu kontrollieren? Besorgniserregend ist, dass im Wahlkampf vermehrt feindselige Sprüche zu hören sind. Auf dem Parteitag der Republikaner wurden die Demokraten mehrmals pauschal als 'Kommunisten' verunglimpft. Besorgniserregend ist auch die Frage, ob Trump und seine Republikaner die Ergebnisse der Zwischenwahlen akzeptieren. Die Grundlagen der Demokratie dürfen nicht erschüttert werden", mahnt ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
    Die Lage sei nicht sehr günstig für Trump, schreibt der Gastkommentator der Zeitung LIANHE BAO aus Taiwan: "Selbst unter den traditionellen Republikanern wächst die Unzufriedenheit. Die laufenden Kriege und die Wirtschaftsflaute sind die größten Herausforderungen. In dieser Amtszeit wendet sich Trump von den grundlegenden Strategien der Vereinigten Staaten ab. Im Gegenteil, er hat die Staatsausgaben in die Höhe getrieben und viele Konflikte angezettelt. Die Spannungen mit den europäischen Verbündeten und mit der NATO bringen ihn nicht weiter. Keines der möglichen Szenarien des Wahlausgangs wäre wünschenswert: Hätten die oppositionellen Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus, wäre der US-Kongress gespalten. Dominieren die Demokraten sogar beide Häuser, wäre die Trump-Administration in ihrer Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt", warnt LIANHE BAO aus Taipeh.
    Nun zu den Schülerprotesten in Frankreich. Dazu heißt es in der russischen Zeitung KOMMERSANT: "Die Demonstrationen und Streiks an französischen Gymnasien drohen in urbane Unruhen umzuschlagen. In den letzten Tagen hat sich die Bewegung französischer Schüler der Oberstufe – die an einigen Schulen in den Pariser Vororten ihren Anfang nahm – auf das ganze Land ausgeweitet und auch die Universitäten erreicht. Schülerverbände rufen für den kommenden Dienstag zu einer Massendemonstration auf. Die Schüler aus den Pariser Vororten protestieren nicht gegen das Lernen an sich, sondern fordern eine Schule, die ihren Namen verdient. Es ist kein Zufall, dass die Bewegung nicht in den Großstädten selbst begann. Gerade in den Vororten haben die Schulen mit Problemen zu kämpfen, von denen private oder gemischte Bildungseinrichtungen in den Stadtzentren zumindest teilweise verschont bleiben", notiert die russische Zeitung KOMMERSANT.
    Die französische Zeitung LE FIGARO sieht die Regierung durch die Proteste bedroht: "Auch wenn bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Macron nur noch sieben Monate verbleiben, ist das lang genug, um Premierminister Lecornu Gefahren auszusetzen, die heute niemand mit Sicherheit abschätzen kann. Die Schülerbewegung zeigt dies deutlich. Es ist beunruhigend, dass die Demonstranten keine konkreten Forderungen stellen. Es gibt kein wichtiges Gesetz, das angefochten wird, wie es in der Vergangenheit der Fall war. Und somit gibt es auch keine Möglichkeit, die Situation zu entschärfen. Der Innenminister sorgt für die Aufrechterhaltung der Ordnung – mit Autorität und Zurückhaltung zugleich. Der Justizminister verschärft den Ton. Doch wenn Proteste von Schülern und städtische Gewalt zusammenkommen, besteht die Gefahr einer Eskalation", warnt der Pariser FIGARO.
    Hören Sie abschließend noch einem Kommentar zu dem Zwischenfall in der Linienmaschine von Dubai nach Tel Aviv. Der Copilot hatte auf den Flugkapitän eingestochen, das Flugzeug mit den rund 180 überwiegend israelischen Insassen war fast abgestürzt. Die dänische Zeitung POLITIKEN erklärt: "Der israelische Premierminister Netanjahu sprach rasch von einem dschihadistischen Terrorangriff durch einen islamistisch indoktrinierten Täter mit Suizidtendenzen. Dann aber deutete er an, es gebe Mitverschwörer und eine Verbindung in den Iran. Die wechselnden Berichte sorgten in Israels Medien und in der Opposition für Kritik. War es denn nun ein einsamer Wolf oder nicht? Jedenfalls hat Netanjahu den Vorfall zu einem Teil seines Wahlkampfs gemacht, auch wenn keineswegs gesagt ist, dass dies zu seinem Vorteil gereicht. Die Helden waren die Menschen an Bord, nicht Netanjahu. Ihr Eingreifen zeugt von Tatkraft und ist ein weiteres Beispiel dafür, dass einfache Menschen eingreifen müssen, wenn Sicherheitssysteme versagen", findet POLITIKEN aus Kopenhagen.