07. Oktober 2026
Die internationale Presseschau

Ein Thema ist die Wahl des AfD-Politikers Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt. Zunächst aber zum zentralen Thema der Kommentare: Der dritte Jahrestag des terroristischen Überfalls auf Israel und der anschließende Krieg Israels im Gazastreifen.

Dazu schreibt DER STANDARD aus Österreich: "Drei Jahre sind vergangen, mehr als 78.000 Menschen wurden allein in Gaza und Israel getötet, aber die Aufarbeitung des schweren Massakers hat in Israel immer noch nicht wirklich begonnen. Die, die immer schon gewusst haben wollen, dass die Welt aus guten und bösen Kulturen besteht, haben ihre simple Antwort längst parat: Araber schießen auf Juden, weil es in ihrer Natur liegt. Juden hingegen schießen auf Araber, um sich selbst zu schützen. In der aktuellen israelischen Regierung treibt dieses Narrativ Blüten. In einer solchen Welt bleibt kein Platz für die Frage, wie man aus eigenen Fehlern lernen könnte. Und schon gar nicht für die Frage, wie man das Blutvergießen stoppt – und politische Lösungen findet. Dafür braucht es Politiker, die an übermorgen denken, nicht nur an die morgigen Umfragen", konstatiert DER STANDARD aus Österreich.
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER hebt hervor: "Es war der schlimmste Angriff auf Juden seit dem Holocaust. Direkt danach zeigte sich, wie tief der Antisemitismus in Europa und Nordamerika verwurzelt ist. Brandbomben wurden auf Synagogen geschleudert, Mahnmale beschädigt. Muslimische Judenhasser taten sich mit Neonazis zusammen. Hass auf Juden war also die unmittelbare Reaktion auf die Ermordung von Juden. Eine solche Empathielosigkeit ist kaum zu begreifen. Aber auch in Israel wurden finstere Kräfte freigesetzt. Der Krieg in Gaza wurde gnadenlos geführt, unter fast demonstrativer Missachtung des Völkerrechts. Am 7. Oktober 2023 ließ die Hamas den Geist aus der Flasche, und niemand kann ihn heute wieder allein einfangen“, betont DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Die israelische Zeitung HAARETZ betont: "Die Ereignisse vom 7. Oktober unterscheiden sich von allem, was wir zuvor erlebt haben, im Ausmaß, der Dreistigkeit, der Brutalität und dem Geheimdienstversagen. Premierminister Netanjahu arbeitet seit Jahren daran, der israelischen Identität die Stärke zu entziehen. Übrig von der einst dynamischen, kreativen Einheit ist nur noch die ängstliche, isolierte jüdische Gemeinschaft, die er und seine Gefolgsleute sich vorgestellt hatten. Israel steht an einem existenziellen Abgrund. Generationen von Komikern haben gesagt: 'Haltet euch an eurer Verzweiflung fest, ihr werdet sie später noch benötigen.' Aber die Verzweiflung ist aufgebraucht. Also wäre Hoffnung vielleicht die einzige Alternative?", fragt HAARETZ aus Tel Aviv.
Die israelische Zeitung JERUSALEM POST hält fest: "Drei Jahre später gibt es in Israel noch immer keine staatliche Untersuchungskommission zu dem schlimmsten nationalen Desaster der Geschichte. Für viele Israelis ist der 7. Oktober nicht drei Jahre her - er ist gegenwärtig. Im Vorfeld der Parlamentswahl müssen sich die Israelis in Erinnerung rufen, dass unsere Feinde nicht innerhalb des Landes sind, sondern diejenigen, die uns vernichten wollen."
LE MONDE aus Paris befindet: "Abgesehen von einzelnen Rücktritten musste kein Verantwortlicher für die Ereignisse vom 7. Oktober Rechenschaft ablegen. Die Presseberichte über Warnungen, die Premierminister Netanjahu angeblich vor den Massakern von arabischen Verbündeten übermittelt worden waren, zeigen jedoch, wie notwendig eine völlig transparente Aufarbeitung der Entscheidungen gewesen wäre. Zwar sind die Israelis am 27. Oktober zur Wahl aufgerufen. Doch sie werden an die Urnen gehen, ohne über die Informationen zu verfügen, die es ermöglichen würden, zu verstehen, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte", erklärt die französische Zeitung LE MONDE.
Die Zeitung MANILA TIMES aus den Philippinen stellt heraus: "Es ist wichtig, nicht den Staat Israel und seine Bevölkerung dafür verantwortlich zu machen, was am 7. Oktober 2023 geschehen ist. Trotzdem muss man die gewaltsamen und genozidalen Handlungen der aktuellen Regierung verurteilen. Netanjahus Regierung hat den Palästinensern großes Leid angetan, aber auch dem israelischen Staat und Volk geschadet und sie zu Aussätzigen in der Weltgemeinschaft gemacht. Israel muss die Kampagne der Zerstörung beenden und eine Zwei-Staaten-Lösung akzeptieren, wenn es die Welt nicht noch tiefer in den Konflikt im Nahen Osten hineinziehen will", unterstreicht die MANILA TIMES.
Die palästinensische Zeitung AL HAYAT AL-JADEEDA kritisiert: "Die Führung des bewaffneten Arms der Hamas hat die zwei Millionen palästinensischen Einwohner des Gazastreifens als menschlichen Schutzschild missbraucht, um sich hinter ihnen zu verstecken und Schutz zu suchen. Sie legten Ihre militärischen Tunnel unter den Straßen von Städten, Ortschaften und Flüchtlingslagern an. Israel reagierte darauf mit einer militärischen Kampagne, die nur ein Ziel hat: die Kapazitäten der Hamas und das palästinensische nationale Projekt um jeden Preis zu zerstören. Umso verhängnisvoller ist mit Blick auf die Führung der Hamas deren Geringschätzung des menschlichen Lebens. Warum setzen sie das unschuldiger Menschen so leichtfertig aufs Spiel?", lautet die Frage der Zeitung AL HAYAT AL-JADEEDA aus Ramallah.
Nun nach Sachsen-Anhalt, wo der AfD-Politiker Rausch zum Präsidenten des Landtags gewählt wurde. Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA erläutert: "Rausch erhielt 48 Stimmen – neben seinen Parteikollegen stimmte auch das BSW sowie vier weitere Abgeordnete anderer Fraktionen für ihn – offenbar Christdemokraten. Für die AfD stellt allein die Tatsache, dass ihr Vertreter mit Stimmen einer anderen Partei gewählt wurde, einen Sieg dar. Es ist ein Durchbruch in der politischen Blockade, die andere politische Kräfte gegen die Partei verhängt hatten. Noch ist unklar, ob eine Zusammenarbeit zwischen Union und AfD tatsächlich zustande kommen wird. Zwischen den beiden Parteien bestehen zahlreiche grundlegende Differenzen. Eine davon betrifft die Haltung zu Russland: Während die AfD in Russland einen Geschäftspartner der Bundesrepublik sieht, betrachtet Merz das Land als Feind", vermerkt die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
In einem Gastkommentar der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN heißt es: "In der CDU-Fraktion in Magdeburg wurde eine Enthaltung empfohlen. Trotzdem haben offenbar vier von ihnen für Herrn Rausch gestimmt. In der Union gibt es mittlerweile zwei Lager: Diejenigen, die für eine Zusammenarbeit sind, und diejenigen, die dagegen sind. Man kann sagen, dass die CDU in Sachsen-Anhalt nicht länger funktionsfähig ist. Die Geschlossenheit der Partei bröckelt gewaltig – und das nicht nur in Sachsen-Anhalt. Es ist gut möglich, dass wir gerade Zeugen eines langsamen Sterbens dieser traditionsreichen Partei werden", ist in der Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio zu lesen.
Abschließend ein Kommentar zum Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja heute vor 20 Jahren. Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN zitiert sie: "In Putins Russland würden Menschen getötet, nur weil sie ihre Meinung äußerten, sagte Politkowskaja nur wenige Monate, bevor es sie selber vor ihrer Wohnung in Moskau traf. Mehrere ihrer Warnungen sind seither Realität geworden, und es ist auffällig, wie viel davon auf die Ukraine zutrifft. Eigentlich schrieb Anna Politkowskaja über den Krieg, den Russland in Tschetschenien führte. Sie dokumentierte Mord, Folter und Erpressung und wurde international mehrfach ausgezeichnet. Nie wurden die Kriegsverbrechen systematisch aufgearbeitet. Wenn Übergriffe nicht bestraft werden, sondern aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden, können sie sich schon bald wiederholen. Der Mord an Anna Politkowskaja erschütterte die Welt - und 20 Jahre später sehen wir die Folgen für die Nachbarn Russlands."