
Die norwegische Zeitung DAGBLADET schreibt: "Endlich! Diese Auszeichnung könnte kaum aktueller, mutiger und richtiger sein. Sie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Respekt vor dem Völkerrecht zunehmend verloren geht. Da ist es umso wichtiger, die internationale Rechtsordnung zu schützen, und der unermüdliche Einsatz von Navi Pillay zeigt, wie es geht. Die Liste ihrer Verdienste ist imponierend: vom Kampf gegen die Apartheid in Südafrika über das Ruanda-Tribunal bis zu der Schlussfolgerung, dass sich Israel in Gaza des Völkermords schuldig macht. Wo Kriegsverbrechen begangen werden, ist Pillay eine Gegenkraft, ein moralischer Kompass und ein Vorbild", lobt das DAGBLADET aus Oslo.
Die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA aus Warschau bemerkt: "Das Nobelkomitee will mit der Auszeichnung von ‚Navi‘ Pillay die Staats- und Regierungschefs dieser Welt daran erinnern, dass dauerhafter Frieden nicht aus militärischer Überlegenheit oder kurzfristigem Druck erwächst, sondern aus der Achtung universeller Menschenrechte, dem Schutz der Zivilbevölkerung und der Einhaltung jener Regeln, auf die sich die zivilisierte Welt verständigt hat."
Die pan-afrikanische Wochenzeitung THE CONTINENT hält die Auszeichnung für einen "Schlag ins Gesicht der USA": "Pillay blickt auf eine lange und glanzvolle Karriere im Bereich der Menschenrechte zurück. Zuletzt leitete sie die Kommission der Vereinten Nationen, die entschied, dass Israel in Gaza Völkermord begangen habe. Ihre Auszeichnung kann als stillschweigende Unterstützung für Südafrikas Klage gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof gewertet werden, die in den Vereinigten Staaten Zorn ausgelöst hat."
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER sieht einen Zusammenhang zu Hinrichtungen in den USA: "Erst überlebte die zum Tode verurteilte Christa Pike zwei Giftspritzen, dann gab US-Präsident Trump die Hinrichtung von Nidal Hasan bekannt. Und als ob die Todesstrafe durch Erschießen nicht barbarisch genug wäre, wurde auch noch eine öffentliche Direktübertragung angekündigt. Selbst in den meisten Ländern mit der Todesstrafe macht man daraus kein öffentliches Spektakel zur allgemeinen Belustigung mehr. Das Vorgehen der USA steht im deutlichen Kontrast zur Prinzipienstärke von Navi Pillay. Genau deshalb müssen solche Leute ausgezeichnet werden", konstatiert DAGENS NYHETER aus Stockholm.
"Ein Nobelpreis für den Hass auf Israel", titelt hingegen das WALL STREET JOURNAL. "Das Nobelkomitee würdigt Pillays Karriere, die sie der Bekämpfung des jüdischen Staates und der Verdrehung des Völkerrechts gewidmet hat - und dafür den Begriff 'Völkermord' verzerrte. Ihr Bericht aus dem Jahr 2025 lieferte keinerlei Beweise für einen Völkermord oder eine solche Absicht und ignorierte viele gegenteilige Beweise. Dennoch erhob sie diesen Vorwurf. In ihrem Bericht wurde das Massaker der Hamas als quasi gerechtfertigte Reaktion dargestellt. Terrorismus ist Frieden. Und die Verteidigung dagegen ist Völkermord. George Orwell hat dies kommen sehen", hält das WALL STREET JOURNAL aus New York fest.
Die jüdische Zeitung THE JEWISH CHRONICLE urteilt: "Es gibt Momente, in denen die moralische Überheblichkeit des internationalen Establishments so grotesk wird, dass Satire nicht mehr ausreicht. Dies ist einer dieser Momente. Der Friedensnobelpreis wurde an die ehemalige UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay verliehen. Falls Sie diesen 85-jährigen Hitzkopf noch nicht kennen sollten, dann sollten Ihnen allein die Worte "UN-Menschenrechtskommissarin" zu denken geben. Pillays Amtszeit als Leiterin der UN-Untersuchungskommission zu Israel war geprägt von Vorwürfen der Voreingenommenheit, dem Versäumnis, antisemitische Klischees zu verurteilen, und der 'Völkermord'-Diffamierung – der größten Verleumdung unserer Zeit", meint THE JEWISH CHRONICLE mit Sitz in London. Und soweit zu diesem Thema.
Die USA und Russland haben sich auf umfangreiche russische Diesel-Lieferungen geeinigt. Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN beobachtet: "Vor allem Russlands Kriegskasse kann wieder gefüllt werden. Und die Ukraine kann nun die russischen Raffinerien nicht mehr so stark attackieren wie bislang, weil Washington den Diesel-Export aus Russland genehmigt hat. Ein weiterer Erfolg für den Kreml ist, dass er einen Präzedenzfall geschaffen hat, seine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Washington voranzutreiben – unabhängig von den stagnierenden Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg. Für Trump hat die Senkung der Ölpreise vor den Zwischenwahlen die höchste Priorität. Wegen der Profitgier der USA und Russlands muss die Ukraine nun den Kürzeren ziehen", bemängelt NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz hebt die Rolle der europäischen Staaten hervor: "Die Europäer sollten endlich grösste Anstrengungen unternehmen, um sich von fossilen Energieträgern zu lösen. Wirtschaftlich wird das allerdings kein Spaziergang. Denn bei fossilen Energieträgern hängt Europa von der Golfregion und den USA ab, bei grünen Technologien dummerweise von China. Die EU braucht nun pragmatische Lösungen, um sich aus der Umklammerung der asiatischen Grossmacht zu befreien. Wichtig ist, mit möglichst wenig Geld grosse Effekte zu erzielen. Doch die EU steuert gerade in die andere Richtung."
Nun nach Frankreich. Angesichts der teilweise gewalttätigen Schülerproteste thematisiert die finnische Zeitung ILTA-SANOMAT die hohe Staatsverschuldung und die schwache Wirtschaft des Landes: "Noch ist eine neue Schuldenkrise keine ausgemachte Sache. Aber die Krise kommt zu einem denkbar ungeeigneten Zeitpunkt, denn im kommenden Frühjahr finden in Frankreich Präsidentschaftswahlen statt. Präsident Macron und seine Minister sollten sich kritisch fragen, warum es ihnen nicht gelungen ist, der Bevölkerung zu erklären, warum die von ihnen angestrebten Reformen notwendig und gerecht sind. Dafür hatten sie immerhin zehn Jahre Zeit. Aber Frankreich ist eben auch die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, und darum sind die französischen Probleme auch unsere Probleme“, warnt ILTA-SANOMAT aus Helsinki.
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT argumentiert: "Macron hat nur wenige ernsthafte Reformen vorzuweisen. Seine verschiedenen Regierungen sind jedes Mal vor großen Volksprotesten eingeknickt. Die Folge ist, dass die Zinsen auf französische Staatsanleihen inzwischen in erschreckende Höhe gestiegen sind. Für Frankreich und Europa bleibt zu hoffen, dass der nächste französische Präsident die Staatsfinanzen drastisch reformieren kann. Allerdings sieht es eher danach aus, dass ein Populist der Rechten oder der Linken an die Macht kommt, wodurch Frankreichs öffentliche Ausgaben noch weiter außer Kontrolle geraten könnten", befüchtet DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
Zum Abschluss geht es um die Lage der politischen Parteien in Deutschland und Europa. In einem Gastkommentar in der chinesischen Zeitung HUANQIU SHIBAO heißt es: "Mit dem AfD-Politiker Tobias Rausch wird zum ersten Mal ein deutscher Landtag von einer unkonventionellen Partei geführt. Zuvor haben die rechtspopulistische Partei und die extremlinke Partei die Wahlen in drei Bundesländern im Osten gewonnen. Wenn die beiden extremen Flügel sich zusammenschließen, könnte die sogenannte Brandmauer zusammenbrechen. Die Parteien der Mitte hingegen haben noch kein wirksames Gegenmittel gefunden. Woanders in Europa sieht es nicht besser aus. Die einstigen Volksparteien sind unfreiwillig in der Defensive. Zudem sind sie dem Druck von jenseits des Atlantiks ausgesetzt. All dies rüttelt an der politischen Basis der Länder. Wird Europa eine neue Richtung einschlagen?" Mit diesem Gastkommentar in der HUANQIU SHIBAO aus Peking endet die Presseschau.
