
Zu den geplanten Diesel-Importen merkt die estnische Zeitung POSTIMEES an: "US-Präsident Donald Trump hat mitgeteilt, dass er die Sanktionen gegen russisches Dieselöl aufhebt, und Russland hat versprochen, mehrere hunderttausend Tonnen zu liefern. Das gehört verurteilt, auch wenn die USA nicht die Einzigen sind, die immer noch die Sanktionen umgehen und mit Russland Handel treiben. Selbst wenn es am Ende einige Millionen Tonnen Diesel werden und das nach einer enormen Menge klingt: Allein die USA haben einen monatlichen Bedarf von 16 Millionen Tonnen. Die übrige Welt ginge sowieso leer aus, und auf den Weltmarktpreis hätten die Lieferungen keinen nennenswerten Einfluss", so die Einschätzung von POSTIMEES aus Tallinn.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA gibt zu bedenken: "Aufgrund der ukrainischen Angriffe erreichen russische Raffinerien kaum die Hälfte ihrer Kapazität. Daher wird der von Trump ausgehandelte Deal wohl auf dem Papier bleiben, denn Russland hat schlicht keine Möglichkeit, zusätzlichen Kraftstoff auf den Weltmarkt zu bringen. Und daran wird sich vermutlich auch nichts ändern: Solange Putin im Vorfeld des Winters Kiew und andere ukrainische Städte bombardiert, kann Selenskyj die Angriffe auf Russland nicht einstellen", betont die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die slowakische Tageszeitung SME zeigt sich empört: "Es ist eine Schandtat im wahrsten Sinne des Wortes, ohne die geringste Übertreibung. Denn die Entlastung für die amerikanischen Haushalte erkauft sich Trump für die Leben von Hunderten, Tausenden Menschen in der Ukraine, von denen die meisten Zivilisten sind. Wie anders denn als Monster könnte man einen Menschen nennen, der so einen Gipfel der Niedertracht und Hinterhältigkeit unterschrieben hat, den diese Vereinbarung enthält? Mit diesem Verrat an der Ukraine hat Trump den Mount Everest seiner berüchtigten Unberechenbarkeit erklommen", urteilt SME aus Bratislava.
Die norwegische Zeitung VERDENS GANG konstatiert: "Trumps Äußerungen zu einem Diesel-Deal mit Putin haben vielerorts für heftige Reaktionen gesorgt. Wesentlich unglaubwürdiger sind dagegen leider seine Behauptungen in Bezug auf eine Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine für den Energiesektor. Dabei wäre das eine gute Nachricht gewesen, denn die ukrainische Bevölkerung fürchtet einen weiteren Winter ohne Wärme, Strom und Wasser. Doch Selenskyj hatte nicht einmal von einer solchen angeblichen Waffenruhe gehört, und gleich im Anschluss an Trumps Bekanntgabe gingen die zynischen Angriffe weiter. Putin verfolgt damit bewusst die Strategie, den Widerstandswillen der Ukrainer zu brechen, auch wenn er damit gegen alle internationalen Regeln verstößt." Das war VERDENS GANG aus Oslo.
Themenwechsel. Die spanische Zeitung EL MUNDO beschäftigt sich mit den Angriffen der jemenitischen Huhi-Miliz auf Flughäfen in Saudi-Arabien. Das Blatt warnt, dies könnte... "...eine neue Phase des Kriegs im Nahen Osten einleiten - mit ernsten Folgen für die Sicherheit in der Region und die globale Wirtschaft. Bei dem jüngsten Angriff kamen in Riad zwölf Menschen ums Leben, darunter ein Amerikaner. Damit steigt das Risiko von Vergeltungsschlägen der USA, die eine Kettenreaktion auslösen könnten. Am wichtigsten ist es jetzt deshalb, eine weitere Eskalation zu verhindern. Saudi-Arabien hat den Flugbetrieb in der Hauptstadt eingestellt und steht unter enormem Druck. Das Land will den Tourismus ausbauen und ausländische Investoren anlocken, um die Abhängigkeit vom Öl zu verringern. Aber dafür braucht es Sicherheit und Berechenbarkeit, und damit ist es zurzeit nicht gut bestellt", schreibt EL MUNDO aus Madrid.
Die in Saudi-Arabien produzierte Zeitung ARAB NEWS betont, für das Land... "... stellen die Raketen- und Drohnenfähigkeiten der Huthis seit Jahren eine direkte Bedrohung der nationalen Sicherheit dar. Internationale Reaktionen haben die Huthis hingegen häufig vor allem durch die Brille des innerjemenitischen Konflikts oder einzelner Störungen des Seeverkehrs betrachtet. Diese Sichtweisen erfassen wichtige Aspekte des Problems, unterschätzen jedoch möglicherweise den Zusammenhang zwischen der innenpolitischen Stellung der Bewegung, externer Unterstützung und ihrer Fähigkeit, Nachbarstaaten zu bedrohen", wendet ARAB NEWS aus Riad ein.
Die panarabische Zeitung SHARQ AL-AWSAT glaubt: "Dass die Huthi-Miliz für den Anschlag auf Reisende am Flughafen von Riad verantwortlich ist, dürfte sich ohne langwierige Ermittlungen und aufwendige Spurensicherung klären lassen. Die Motive der Verantwortlichen liegen auf der Hand. Zwar beschwören die Huthi in ihren Verlautbarungen immer wieder die Vernichtung Amerikas und Israels. Ihr eigentliches Ziel aber ist Saudi-Arabien. Das überrascht kaum. Das Königreich hat sich in den vergangenen Jahren wiederholt gegen die Huthi-Miliz gestellt und damit zugleich gegen den umfassenden Umsturz, den der Iran in der Region voranzutreiben versucht", hält SHARQ AL-AWSAT fest, die in London erscheint.
In einem Gastkommentar der chinesischen Zeitung JIEFANG RIBAO aus Schanghai heißt es: "Militärich sind die Huthi deutlich unterlegen. Aber ihnen genügt, die sensiblen Stellen des Gegners zu treffen. Diese Taktik scheint aufgegangen zu sein. Seit dem Iran-Krieg muss Riad seine Armee für den Schutz der Ölfelder und strategische Hafen konzentrieren, dadurch ist die innere Sicherheit vernachlässigt. Werden die USA, die bisher zwar hinter Riad gestanden haben, aber sich zurückhaltend verhielten, sich nun einschalten? Wenn, dann wäre es nur in kleinerem Umfang möglich", vermutet JIEFANG RIBAO.
Die pakistanische Zeitung THE EXPRESS TRIBUNE richtet den Blick auf die humanitären Folgen des Konflikts im Jemen: "Für die jemenitische Zivilbevölkerung, die bereits unter extremer Armut und Hunger leidet, hat die Rückkehr des Krieges die Lage weiter verschärft. Mehr als 180.000 Menschen wurden in den vergangenen Wochen vertrieben. Oft drängen sie sich auf Lastwagen und Motorräder, um den Kämpfen zu entkommen. Sie bewegen sich in Richtung Küste, die nur durch einen schmalen Meeresstreifen von Pakistan getrennt ist. Steht Pakistan vor einer neuen Flüchtlingskrise, wenn die Flüchtenden in kleinen, unsicheren Booten die Küste Belutschistans ansteuern?", fragt THE EXPRESS TRIBUNE aus Karatschi.
Zu unserem letzten Thema. Palästinenserpräsident Abbas hat die bislang für Ende November geplante Parlamentswahl um fast zehn Monate verschoben. Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN erläutert in einem Gastkommentar: "Abbas, der seit 2005 im Amt ist, ist 90 Jahre alt und einer der ältesten politischen Führer der Welt. Seit Jahren spricht sich laut Umfragen die Mehrheit der Menschen sowohl im Westjordanland als auch im Gazastreifen für seinen Rücktritt aus. Bemerkenswert sind allerdings die Gründe, die diesmal für die Verschiebung genannt werden: die Gewalt durch israelische Siedler im Westjordanland sowie die Schwierigkeiten bei der Durchführung von Wahlen im Gazastreifen und in Ost-Jerusalem. Dabei handelt es sich um chronische Probleme", lesen wir in ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die israelische Zeitung JERUSALEM POST sieht die Verantwortung für die wiederholten Verschiebungen der Wahlen vor allem bei der palästinensischen Führung: "Die Palästinenser haben zuletzt 2005 einen Präsidenten und 2006 ein Parlament gewählt. Das Mandat von Abbas als Präsident lief 2009 aus. Eine ganze Generation ist erwachsen geworden, ohne ihre nationale Führung selbst wählen zu können. Die Verantwortung für dieses lang anhaltende Versagen liegt zu einem erheblichen Teil bei den palästinensischen Führern, die während dieser gesamten Zeit an der Macht geblieben sind. Die Palästinenser verdienen die Möglichkeit, ihre politischen Führer auf friedlichem Wege abzulösen“, findet die JERUSALEM POST zum Ende dieser internationalen Presseschau.
