
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG sieht es so: "Dass Bas ihre Ämter angesichts ihrer familiären Situation niederlegt, lässt sich ihr nicht zum Vorwurf machen. Den Nachweis für die ungerechtfertigten Attacken gegen sie bleibt Bas aber schuldig. Kritik in der Sache gab es, das stimmt; doch kein Politiker der CDU oder der CSU hat sie in den vergangenen Wochen für ihre Abwesenheit im Kabinett angegangen. Bas' Rücktrittserklärung ist deshalb mehr als schlechter Stil. Sie ist das Nachtreten gegen einen Koalitionspartner, zu dem sie nie so recht gepasst hat. Denn Bas steht wie keine zweite Politikerin für die Misere des linken Parteiflügels in der SPD", urteilt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz.
Die niederländische Zeitung DE TELEGRAAF hält dagegen: "Die aus Duisburg stammende Bärbel Bas widersetzte sich innerhalb der Bundesregierung als Arbeits- und Sozialministerin immer wieder den angestrebten Reformen des deutschen Arbeitsmarktes und des Sozialsystems. Deshalb wurde sie von vielen CDU-Mitgliedern als Hauptverantwortliche dafür angesehen, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarten Sozialreformen nicht vorankamen. Innerhalb der CDU herrscht derzeit Panik nach einigen katastrophalen Wahlergebnissen. Viele CDU-Mitglieder meinen, dass das Programm, mit dem ihre Partei Wahlkampf geführt hat, aufgrund des Widerstands in der SPD zu wenig zum Tragen kommt", bemerkt DE TELEGRAAF aus Amsterdam.
Themenwechsel. Die saudische Zeitung AL-RIAD beschäftigt sich mit den erneuten Angriffen durch die Huthi-Miliz auf örtliche Flughäfen und analysiert: "Die Huthi-Milizen nehmen Saudi-Arabien ins Visier, weil das Königreich die von ihm geführte Koalition zur Unterstützung der jemenitischen Regierung anführt. Ein weiterer Grund für die Angriffe ist die Rolle Saudi-Arabiens beim Aufbau eines Verteidigungsbündnisses mit Pakistan und der Türkei. Die Rhetorik der Huthi-Führung lässt kaum Raum für Frieden und Versöhnung. Zudem ignoriert sie die Appelle der internationalen Gemeinschaft, den Krieg zu beenden. Vor diesem Hintergrund ist es entscheidend, die bislang auf verschiedene internationale Militärkoalitionen verteilten Kräfte besser zu koordinieren", betont AL-RIAD aus Saudi-Arabien.
Die lettische Zeitung DIENA gibt zu Bedenken: „Selbst wenn es der jemenitischen Regierung gelingt, den Vormarsch der Huthi zu bremsen, ist das keine Lösung für die Probleme Saudi-Arabiens und des globalen Ölmarkts. Die Huthi werden ihre Angriffe auf Riad fortsetzen, bis Saudi-Arabien seine Unterstützung für die jemenitische Regierung einstellt. Aber ein solcher Schritt wäre eine Katastrophe für Thronfolger Bin Salman und sein Image von einem starken Führer. Im Nahen Osten gibt es also eine weitere lange andauernde Front. Und damit gibt es einen weiteren Konflikt, für den sich vorläufig keine Lösung abzeichnet." Soweit DIENA aus Riga zu diesem Thema.
Nach dem Abkommen zwischen den USA und Russland zum Kauf von 300.000 Tonnen Diesel trotz laufender US-Sanktionen gegen das Land heißt es von der Zeitung KOMMERSANT aus Moskau: "Das Paradoxon des US-Sanktionsrechts liegt in der Kombination aus äußerst strengen Beschränkungen und der Möglichkeit, diese flexibel an die aktuellen Interessen der USA anzupassen. Einerseits sind die Sanktionen gegen Russland – auch im Energiesektor – gleichsam ‚in Stein gemeißelt‘. Andererseits hat der Präsident die Befugnis, Ausnahmen von der Sanktionsregelung zu gewähren. Fazit: Die politische Wirkung des Dieselgeschäfts muss von dessen rechtlicher Natur unterschieden werden. Eine Aufhebung der Sanktionen hat bislang nicht stattgefunden", betont der KOMMERSANT aus Moskau.
Präsident Trump hat am Wochenende auch eine Waffenruhe für Ziele der Energie-Infrastruktur im Ukraine-Krieg verkündet - offenbar ohne, dass Russland oder die Ukraine etwas davon wussten. Ein Gastkommentar in der Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio findet: "Eigentlich wäre das ein Riesenskandal. Aber sowohl die Ukraine als auch Russland rechnen längst mit dieser Unberechenbarkeit der Trump-Regierung und wollen sie als Mittel aktiv für sich ausnutzen. Es gilt nicht nur für die Kriegsbeteiligten, sondern auch für die gesamte internationale Gemeinschaft: Solange Trump im Weißen Haus sitzt, müssen wohl alle weiter mit der Unberechenbarkeit rechnen", vermutet ASAHI SHIMBUN aus Japan.
Die dänische Zeitung BERLINGSKE aus Kopenhagen überlegt: „Natürlich besteht die theoretische Möglichkeit, dass Donald Trump genial ist. Und dass die bizarre Vereinbarung über den Kauf von russischem Diesel und eine Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine, die Trump offenbar nur selber kennt, nur ein weiterer erlösender Deal ist, der der ganzen Welt Frieden bringt. Es gibt allerdings auch eine andere, sehr viel wahrscheinlichere Möglichkeit: Der Diesel-Deal mit Putin zeigt lediglich, dass Trump bereit ist, selbst einen Pakt mit dem Teufel zu schließen, solange es nur seinen eigenen egoistischen Interessen dient", heißt es in der Zeitung BERLINGSKE aus Kopenhagen.
Und die in Shanghai erscheinende Tageszeitung WENHUIBAO notiert zu Trump: "Damit entfernt er sich immer mehr von der strategischen Position der EU. Von hohen Dieselpreisen sind in den USA insbesondere die Landwirte im Mittleren Westen betroffen, weshalb Trump jetzt versucht, von dem eigentlichen Grund – dem von ihm angezettelten Krieg gegen den Iran – abzulenken, und dem ukrainischen Präsidenten den schwarzen Peter zuzuschieben. Dem eigenen kurzfristigen Vorteil opfert der US-Präsident somit die langfristigen politischen Interessen seines Landes." Soweit die chinesische Tageszeitung WENHUIBAO.
Nun noch zu einem anderen US-amerikanischen Thema. Nach der Ankündigung der USA, die Hinrichtung eines Mannes live im Internet übertragen zu wollen, will die australische Regierung versuchen, die Übertragung im eigenen Land zu verhindern. Auch der Kommentar in der Zeitung THE AUSTRALIAN geht mit den USA und Verteidigungsminister Hegseth hart ins Gericht: "Es geht hier um einen Mann mit einem Testosteron-Komplex, der seine Fantasien auslebt, nicht nur auf Kosten des amerikanischen Selbstbildes, sondern der Zivilisation, die sich von diesem Bild leiten lässt. Aus politischer Sicht ist es nicht nur moralisch verwerflich, sondern idiotisch. Dschihadisten wollen in der Öffentlichkeit sterben. Beim Märtyrertum geht es immer auch darum, noch mehr Menschen zum Dschihadismus zu inspirieren. Es ist ein öffentliches Statment, es ist Werbung, wenn man so will. Und handelte es sich bei Hegseth nicht um ein muskelbepacktes intellektuelles Vakuum, wüsste er das." Soweit THE AUSTRALIAN.
THE STRAITS TIMES aus Singapur geht davon aus, dass statt einer Regierung wohl eher die großen Technikkonzerne der USA der Übertragung einen Riegel vorschieben werden: "Egal, wie man zu den großen amerikanischen Tech-Konzernen steht, Konsens ist, dass sie von klugen Menschen geführt werden - die, noch wichtiger, ein starker Selbsterhaltungstrieb auszeichnet. Ob Meta, Google oder X, die großen Köpfe hinter diesen Unternehmen schneiden sich nicht grundlos ins eigene Fleisch. Es ist also nur logisch, anzunehmen, dass sie alle zu demselben Schluss kommen werden: Ihre Plattformen sollten die Hinrichtung von Nidal Hasan nicht übertragen. Man muss sich die öffentliche Kritik nur ausmalen, den Protest ausländischer Regierungen und die Klagen, die womöglich innerhalb der USA folgen werden. Wenn die Übertragung also stattfinden soll, wird das Pentagon das vielleicht selbst übernehmen müssen", überlegt die Zeitung THE STRAITS TIMES. Und damit endet diese Presseschau.
