14. Oktober 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Stimmen zu den Angriffen auf russische Rechenzentren, zur Entscheidung der USA, wieder Diesel aus Russland zu beziehen und zu den Schülerprotesten in Frankreich. Zunächst beschäftigt sich jedoch die französische Zeitung LE FIGARO mit der Einigung zwischen der EU und China auf eine Drosselung der Importe chinesischer Hybridautos:

Tausende Autos stehen im Taicang Port International Container Terminal bei Schanghai in spezillen Transportrahmen. Im Hintergrund ein Schiff der Cosco-Reederei und Kräne.
Die EU und China haben sich darauf verständigt, chinesische Hybridauto-Importe zu begrenzen, das ist eins der Themen in den Kommentaren aus dem Ausland. (picture alliance / CFOTO / CFOTO)
"China akzeptiert, dass die Europäische Union die Einfuhr von Hybridfahrzeugen auf 350.000 Einheiten pro Jahr begrenzt. Das ist mehr als 2025, aber deutlich weniger als voraussichtlich im laufenden Jahr. Was bedeutet dieses Zugeständnis? Es gibt zwei mögliche Interpretationen. Die erste ist, dass der von Europa auf China ausgeübte Druck gewirkt hat. Eine zweite Lesart: Hier ist etwas faul. Mit dem Zugeständnis baut Peking die Spannungen vor dem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs Ende der Woche ab. In der Sache hat China dabei keine Zugeständnisse gemacht. Es weigert sich nach wie vor, als systemische Gefahr eingestuft zu werden, die sich des unlauteren Wettbewerbs schuldig macht und aufgrund von Produktionsüberkapazitäten ein globales makroökonomisches Ungleichgewicht verursacht. Die EU muss sich positionieren. Ein Kräftemessen wird jedoch nur dann glaubwürdig sein, wenn die 27 Mitgliedstaaten sich endlich auf eine Strategie einigen", unterstreicht LE FIGARO aus Paris.
Auch die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN findet, es sei Skepsis angebracht, wie effektiv diese Maßnahmen der EU sind: "Die chinesischen Autobauer setzen verstärkt auf den Export nach Europa, zumal der Absatz im Inland wegen der dortigen Immobilienkrise stark gesunken ist. Zudem haben sie längst begonnen, für die Produktion vor Ort in Europa Fuß zu fassen. Andererseits ist die Import-Begrenzung aus China in die EU eine Chance für die japanischen Hersteller. Hybrid-Fahrzeuge aus Japan sind in Europa dank ihrer hohen Kraftstoffeffizienz immer noch stark gefragt", notiert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
In Russland sind mehrere Rechenzentren des Internet-Konzerns Yandex durch den Beschuss ukrainischer Drohnen lahmgelegt worden. Die norwegische Zeitung DAGSAVISEN schreibt dazu: "Tatsächlich geht gerade ein Seufzer der Erleichterung um die Welt, seit die ukrainischen Angriffe auf die russischen Yandex-Rechenzentren die Hassbotschaften im Netz reduziert haben. Es gebe weniger Bots und damit weniger Hass, Spaltung und Provokationen, und es sei auch ziemlich offensichtlich, woher diese Bots kämen, sagte der ukrainische Präsident Selenskyj. Russische Desinformation ist besonders wirksam, wenn sie Spaltung und Ängste befeuert, die in einer Gesellschaft bereits vorhanden sind. Trollfabriken und Influencer fluten die sozialen Medien jeden Tag mit unzähligen Kommentaren. Aber russische Bots müssen nicht physisch in russischen Datenzentren wohnen, sondern können auch im Westen Unterschlupf finden. Zu den Herausforderungen gehört für uns daher, die Datenzentren zu kontrollieren, die bei uns wie Pilze aus dem Boden schießen", verlangt DAGSAVISEN aus Oslo.
"Russlands Hybridangriffe finden nicht nur im Internet statt", gibt die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER zu bedenken: "Europäische Sicherheitsdienste warnen vor immer heftigeren Attacken, darunter Morde an Führungskräften aus der Rüstungsindustrie. Schon 2024 enthüllten US-Nachrichtendienste Anschlagspläne gegen Armin Papperger, den Vorstandschef der deutschen Rheinmetall. Solche Pläne müssen nicht einmal gelingen, um zu wirken: Es reicht, wenn die Bereitschaft der Unternehmen nachlässt, Güter an die Ukraine zu liefern. Wir müssen uns auch die Frage stellen, warum der Kreml aufhören sollte, Sabotage, Brandstiftung und Morde zu begehen, wenn dies keine Folgen nach sich zieht. Natürlich müssen wir an der Hilfe für die Ukraine festhalten, aber nicht nur aus Sorge um die Ukrainer, denn der Krieg richtet sich auch gegen uns. Die neuen EU-Sanktionen sind ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn gleichzeitig Donald Trump alles tut, um die russische Kriegskasse zu füllen. Wenn es der EU dagegen endlich gelingt, die eingefrorenen russischen Mittel an die Ukraine zu überweisen, geraten Putins imperialistische Ambitionen ernsthaft in Gefahr", prognostiziert DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Die polnische GAZETA WYBORCZA blickt auf US-Präsident Trumps Außenpolitik gegenüber der Ukraine und Russland: "Je näher die Zwischenwahlen rücken, desto größer wird die Verzweiflung im Weißen Haus. Das Ausmaß zeigt sich an dem von Trump verkündeten russisch-ukrainischen 'Energie-Waffenstillstand'– einer Vereinbarung, nach der beide Seiten auf Angriffe gegen die Energieinfrastruktur verzichten sollten. Obwohl diese Ankündigung in Kiew für völlige Überraschung sorgte und Moskau die Angriffe auf ukrainische Heizkraftwerke auch danach nicht einstellte, ging Trump davon aus, der Waffenstillstand sei vereinbart und in Kraft. Ein weiterer Beleg für Trumps Verzweiflung ist das weithin kritisierte Abkommen mit Putin über die Lieferung russischen Kraftstoffs in die USA, das die Preise an den Tankstellen senken und die Umfragewerte vor der Wahl verbessern soll. Es ist jedoch klar, dass dies nicht gelingen wird, da die angekündigten russischen Lieferungen zu gering sein werden, um die Preise auf dem US-Markt zu beeinflussen", hält GAZETA WYBORCZA aus Warschau fest.
ZHONGGUO SHIBAO aus Taipeh befürchtet, auch Taiwan könnte zur Verhandlungsmasse der US-Außenpolitik werden: "Nach dem von Trump mit Putin eingefädelten Diesel-Deal sollte Taiwan sein Augenmerk auf die Beziehungen zwischen Trump und Xi richten. So ließ die jüngste Behauptung des US-Präsidenten aufhorchen, China würde den Iran nicht unterstützen, obwohl Peking Medienberichten zufolge nach wie vor Luftabwehrwaffen an den Iran liefert und dem Land bei der Umgehung der Ölsanktionen hilft. Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass Trump es sich im Hinblick auf die Handelsbeziehungen der beiden Großmächte und auf eine Beilegung des Konflikts im Persischen Golf mit Xi Jinping nicht verscherzen will. Dabei könnte er auch die grundlegenden Interessen Taiwans aufs Spiel setzen. So lassen die vereinbarten Waffenverkäufe an Taiwan in Höhe von 14 Milliarden US-Dollar immer noch auf sich warten", bemerkt die ZHONGGUO SHIBAO aus Taiwan.
In Frankreich sind wieder mehr als hunderttausend Schüler und Studenten für bessere Lern- und Studienbedingungen auf die Straße gegangen. "Sie geben nicht auf", freut sich die französische Zeitung LIBÉRATION: "Die Gymnasiasten verlangen nicht das Unmögliche, sondern angemessene Unterrichtszeiten, anwesende Lehrer und ordentliche Räumlichkeiten. Sie fordern einen vereinfachten, gerechteren Zugang zur Hochschulbildung, der weniger Druck und Ängste verursacht. Die Kandidaten für die Präsidentschaftswahl täten gut daran, diese jungen Menschen in ihren Wahlprogrammen nicht zu vergessen. Diese Generation findet sich mit nichts ab: weder mit maroden Schulgebäuden, noch mit der Angst vorm Klimawandel, noch mit dem Schreckgespenst einer rechtsextremen Regierung. Sie fordert eine menschenwürdige Zukunft. Und ihre Fähigkeit, sich zu empören, ist zu begrüßen und zu bewundern", befindet LIBÉRATION aus Paris.
Die Zeitung THE NATIONAL aus den Vereinigten Arabischen Emiraten blickt auf die Reaktionen aus der Politik: "Das Büro von Premierminister Lecornu bezeichnet die Aktionen als ein von der linken Partei LFI organisiertes Manöver. Die LFI wies den Vorwurf als Verschwörungserzählung zurück. Die linke Partei findet insbesondere bei jungen Menschen Anklang. Es ist kein Zufall, dass die Proteste in genau der Woche ihren Höhepunkt erreicht haben, in der die Regierung einen Haushalt mit Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen vorgestellt hat. Abzuwarten bleibt, wer von den Protesten profitiert. Auch die rechtsnationale Politikerin Le Pen macht die LFI für die Unruhen verantwortlich. Die Anhänger ihrer Partei RN gehen nicht auf die Straße. Sie begnügen sich damit, zuzusehen, wie Frankreich die Kontrolle über seine Schulen und seine Jugend verliert." Das war THE NATIONAL aus Abu Dhabi, und damit endet die Internationale Presseschau.